Datum18.07.2026 09:18
Quellewww.zeit.de
TLDRDie EU plant, den Emissionshandel ab 2029 auf Flüge außerhalb Europas auszuweiten, die innerhalb eines 5.000-km-Radius ab Frankfurt landen. Ausgenommen sind die USA, China und Indien. Ziel ist die Reduzierung von Treibhausgasen. Obwohl die Lufthansa den Vorschlag positiv bewertet, drohen internationale Konflikte und Kritik von Luftfahrtverbänden. Die neuen Regeln könnten insbesondere für nordafrikanische Länder und deren Tourismusgeschäft negative Folgen haben.
InhaltAb 2029 soll der EU-Emissionshandel auch für Flüge außerhalb Europas gelten. Betroffen wären Ziele in Afrika und Teilen Asiens, nicht aber in den USA, China und Indien. Die EU-Kommission will erstmals Flüge zu Zielen außerhalb Europas in den Emissionshandel einbeziehen. Das EU-Treibhausgashandelssystem, das sogenannte Emission Trading System (ETS), ist ein zentrales Klimaschutzinstrument der Europäischen Union, gilt bisher jedoch nur für Flüge innerhalb der EU. Ab 2029 soll das Regelwerk auf alle Flüge angewendet werden, die in einem Radius von 5.000 Kilometern ab dem Frankfurter Flughafen landen. Das schließt zahlreiche Ziele in Afrika und Asien ein, nicht aber die wichtigen Auslandsmärkte USA, China und Indien. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen. Die Vorgaben des ETS sollen als Anreiz dienen, Treibhausgase einzusparen. Die betroffenen Unternehmen erhalten Zertifikate für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO₂) zugeteilt, mit denen sie handeln oder weitere ersteigern können. Da die Menge der verfügbaren Zertifikate kontinuierlich sinkt, werden sie teurer, wodurch Anreize für Klimaschutzinvestitionen geschaffen werden sollen. Innerhalb des 5.000-Kilometer-Kreises befinden sich sämtliche wichtigen Drehkreuze am Persischen Golf wie auch der aufstrebende Flughafen Istanbul. Die dort beheimateten Airlines wie Turkish, Emirates oder Qatar locken seit Jahren mit günstigen Angeboten Umsteiger an und haben den europäischen Gesellschaften große Marktanteile im Asienverkehr abgenommen. Eine Sprecherin der Lufthansa Group lobte daher den Entwurf. Dadurch seien erstmals die Wettbewerbsverzerrungen zwischen europäischen und außereuropäischen Airlines in den Blick genommen worden. Die USA, Indien und China hatten bereits 2012 Widerstand gegen den EU-Emissionshandel gezeigt, weil sie darin einen Eingriff in die eigene nationale Souveränität sahen. Sie drohten mit massiven Gegenmaßnahmen wie der Einschränkung von Verkehrsrechten. Die EU hatte in dem Zuge ihre Pläne zum weltweiten Emissionshandel auf innereuropäische Flüge beschränkt. Im neuen Vorschlag der Kommission sind die drei Länder nicht Teil des Radius. Der Luftrechtsexperte Elmar Giemulla erwartet, falls der Vorschlag Zustimmung erhält, sehr schwierige Verhandlungen mit betroffenen Staaten. "Die Luftverkehrsabkommen beruhen immer auf Gegenseitigkeit. Es ist schon ein kühner Plan der EU, die Verträge einseitig ändern zu wollen." Er könne sich nicht vorstellen, dass Staaten wie die Türkei oder die Arabischen Emirate dem zustimmen würden. Besonders betroffen wären nordafrikanische Länder wie Ägypten oder Marokko, die regelmäßig viele Touristen aus Europa empfangen. Deren Ferienflüge würden sich verteuern und so das Tourismusgeschäft reduzieren. "Das ist auch eine Frage der Fairness, ob Europa im Namen des Umweltschutzes die Ellbogen ausfahren sollte." Auch aus unterschiedlichen Verbänden kommt Kritik zu dem Vorschlag der Kommission. Der globale Airline-Verband IATA bezeichnete die EU-Pläne als Wiederholung eines "historischen Fehlers", der erneut viele Streitigkeiten auslösen werde. Der europäische Verkehrsverband T&E kritisierte zudem, dass nur ein Teil der Flüge erfasst werde, während die längsten und umweltschädlichsten Flüge weiterhin ausgenommen blieben. "Die Luftfahrt muss für alle ihre Emissionen aufkommen, genau wie jeder andere Wirtschaftssektor", kritisierte Anna Comino von T&E Deutschland. Die deutsche Luftverkehrslobby BDL zeigte sich hingegen erleichtert, dass der Handel nicht auf sämtliche Starts in Europa ausgeweitet werden soll. Schon jetzt müssten deutsche Airlines rund 630 Millionen Euro jährlich für die Zertifikate aufwenden, eine Entlastung werde dringend benötigt.