Datum18.07.2026 09:30
Quellewww.zeit.de
TLDRCDU-Politiker Michael Brand kritisiert Jens Spahn scharf wegen dessen Nutzung von Leihmutterschaft in den USA, die in Deutschland verboten ist. Brand wirft Spahn einen "moralischen Rechtsbruch" vor und kritisiert die Doppelmoral, da Spahn privat eine Möglichkeit nutzte, die er politisch anderen verwehren würde. Die CDU will sich mit dem Fall befassen, während auch die Kirchen Kritik äußern. Spahn überlässt die Entscheidung über mögliche Konsequenzen seiner Fraktion.
InhaltIn der Debatte um die Leihmutterschaft hat der CDU-Politiker Brand seinen Parteikollegen Spahn deutlich kritisiert. Spahn habe einen "moralischen Rechtsbruch" begangen. Der CDU-Politiker Michael Brand hat Unionsfraktionschef Jens Spahn scharf kritisiert. Zur Debatte um die Geburt von Spahns Sohn durch eine Leihmutter in den USA sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium der Fuldaer Zeitung: "Was Jens Spahn hier getan hat, ist eine echte Zumutung und unglaubwürdig, das muss man so klar sagen." Spahn habe "zwar nicht formal, aber moralisch klaren Rechtsbruch begangen". Dies ist laut Brand umso dramatischer, weil insbesondere beim Recht gleiche Maßstäbe für alle gelten müssten. "Das wurde hier ganz massiv verletzt, deshalb muss darüber in aller Konsequenz geredet werden und auch in aller Klarheit." Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass sie Eltern geworden sind und eine Leihmutter in den USA das Baby zur Welt gebracht hatte. Seitdem steht das Ehepaar in der Kritik, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei eindeutig gegen eine Legalisierung ausspricht – so wie es auch Spahn in der Vergangenheit selbst getan hatte. Der Hauptvorwurf gegen Spahn lautet, er habe privat Möglichkeiten genutzt, die er Menschen in ähnlicher Situation in Deutschland politisch nicht zugestanden habe. Nach der parlamentarischen Sommerpause findet am 8. September die erste reguläre Fraktionssitzung statt. Bereits einen Tag zuvor wird das CDU-Präsidium zur nächsten planmäßigen Sitzung zusammenkommen. Das Gremium dürfte sich dann auch der Causa Spahn widmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte am Freitag, dass sich das Spitzengremium der Partei damit befassen werde. Auch Spahn hat sich mittlerweile zur Kritik geäußert. Er werde es seiner Fraktion überlassen, wie mit den Rücktrittsforderungen auch aus seiner Partei umzugehen sei, sagte er der Bild-Zeitung. "Am Ende kann ja nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergeht", sagte Spahn. Mittlerweile haben sich auch die Kirchen den zahlreichen Kritikern angeschlossen. Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, teilte mit, in Deutschland gebe es ein klares Verbot der Leihmutterschaft. "Wenn nun ausgerechnet ein Politiker öffentlich macht, dass er im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch genommen hat, geht es auch um Doppelmoral und Glaubwürdigkeit." Auch in der katholischen Kirche gab es kritische Stimmen. Der Passauer Bischof Stefan Oster sagte: Wenn "ein prominenter CDU-Politiker in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache bewusst verstößt, und damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt, halte ich das für einen echten Skandal."