Venezuela: IWF gibt 346 Millionen Dollar nach Erdbeben frei

Datum18.07.2026 08:48

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer IWF hat Venezuela 346 Millionen US-Dollar freigegeben, nachdem Beziehungen nach siebenjähriger Pause wieder aufgenommen wurden. Die Gelder stammen aus Venezuelas eigenen Reserven und sind für den Wiederaufbau und humanitäre Hilfe nach den schweren Erdbeben im Juni bestimmt. Mehr als 5.000 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden obdachlos.

InhaltMehr als 5000 Tote, geschätzt 50.000 Vermisste: Das schwer getroffene Land braucht Mittel für Wiederaufbau und Familienunterstützung. Nun zahlt der IWF – nach einer langen Pause Venezuelas. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Venezuela 346 Millionen Dollar für den Wiederaufbau nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben von Ende Juni freigegeben. Die Mittel stammten aus Venezuelas eigenen Reserven beim Fonds und seien für dringende humanitäre Bedürfnisse abgerufen worden, erklärte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Freitag im Onlinedienst X. Das Geld aus dem Guthaben Venezuelas beim IWF solle zum Wiederaufbau und zur Unterstützung der betroffenen Familien verwendet werden, teilte Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez bei Telegram mit. Am 24. Juni hatten zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 das südamerikanische Land erschüttert. Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer liegt inzwischen bei mehr als 5.000. Verletzt wurden demnach 16.740 Menschen. Knapp 18.000 Menschen sollen bei der Katastrophe ihr Zuhause verloren haben. Hunderte Gebäude wurden beschädigt oder komplett zerstört. Zur Zahl der Vermissten machen die venezolanischen Behörden weiterhin keine Angaben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte sie aber bei bis zu 50.000 liegen. Venezuela und der Internationale Währungsfonds mit Sitz in Washington hatten im April ihre Beziehungen nach siebenjähriger Pause wieder offiziell aufgenommen. Die Beziehungen waren eingefroren, nachdem der IWF 2019 – wie die USA und andere Länder – die Oppositionsregierung unter Juan Guaidó als legitime Regierung Venezuelas anerkannt hatte, und nicht die von Machthaber Nicolás Maduro. Maduro wurde im Januar durch einen US-Militäreinsatz gestürzt, woraufhin die USA und andere Staaten die Interimsregierung unter Rodríguez anerkannten und auch eine Wiederannäherung an den IWF folgte. Trotzdem verkündete die venezolanische Regierung danach, dass sie vorerst keine IWF-Kredite in Anspruch nehmen wolle. Erst Mitte Mai – noch vor den Erdbeben – kündigte Venezuela einen umfassenden Prozess zur Umstrukturierung seiner Auslandsschulden an. Der seit 2017 zahlungsunfähige venezolanische Staat ist im Ausland mit rund 170 Milliarden US-Dollar verschuldet, was aktuell rund 145 Milliarden Euro entspricht.