Datum18.07.2026 08:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRArtikel berichtet über mutmaßliche systematische Misshandlung von Frauen in Österreich, teils unter Verwendung von Betäubungsmitteln, ähnlich dem "Fall Pelicot". Ein Täter aus Niederösterreich erhielt Unterstützung aus Deutschland. Ermittlungen laufen in Niederösterreich und Tirol. Ein weiterer Fokus liegt auf zwei mutmaßlichen rechtsextremen Übergriffen, die Verbindung zur "Identitären Bewegung" und der FPÖ aufzeigen. Es wird die Frage nach einer Eskalation rechter Gewalt in Österreich und deren politischen Folgen gestellt.
InhaltBetäubt, vergewaltigt, gefilmt: In Niederösterreich und in Tirol sollen Männer Frauen systematisch misshandelt haben. Ein Täter bekam offenbar Hilfe aus Deutschland. Der Fall Gisèle Pelicot erschütterte die Welt. Die Französin war von ihrem Ehemann regelmäßig betäubt worden. Dann ließ er sie von fremden Männern vergewaltigen und filmte den Missbrauch. Das Verbrechen war jedoch offenkundig kein Einzelfall. Wie unsere "Standard"-Kollegin Clara Wutti berichtet, existieren ähnliche Missbrauchsmuster auch in Österreich . Das Bundeskriminalamt teilte mit, dass es neben einem bereits bekannten Täter in Niederösterreich auch in Tirol einen Verdachtsfall gibt. Die Wiener Anwältin Sonja Aziz erwartet, dass es bei dem Phänomen, das auch "chemische Unterwerfung" genannt wird, eine hohe Dunkelziffer gibt. Aziz vertritt das Opfer aus Niederösterreich. Auf die Spur dieses Falles kamen die österreichischen Ermittler durch einen Tipp aus Deutschland. Ein Mann aus Niedersachsen, der seine betäubte Ehefrau vergewaltigte und die Videos seiner Taten im Internet verbreitete, war aufgeflogen. Zwei Journalistinnen des NDR hatten die Clips entdeckt und die deutschen Behörden eingeschaltet. Der Täter aus Norddeutschland wiederum stand in Kontakt mit dem Täter aus Niederösterreich. Er beriet ihn, schickte ihm sogar sedierende Mittel. Anfang 2025 durchsuchte die Polizei das Wohnhaus im Bezirk Bruck an der Leitha und nahm den Mann fest. Das Opfer ahnte bis dahin nichts. Opferanwältin Aziz spricht vom "niederösterreichischen Fall Pelicot, natürlich nicht in diesem Ausmaß". (Hören Sie hier die Podcastserie "Avignon: Der Prozess Pelicot") Der bloße Besitz von Vergewaltigungsaufnahmen ist aktuell weder in Deutschland noch in Österreich strafbar. In Niedersachsen will die Landesregierung gesetzlich nachschärfen, in Österreich ist man noch nicht so weit. Das Justizministerium wolle die "geltende Rechtslage" überprüfen, heißt es auf Anfrage des "Standard" . In der Studentenstadt Leoben in der Steiermark schlagen Männer einen Taxifahrer zusammen. Vor einem Keller in Wien sieht eine Anwohnerin, wie ein unbekanntes Opfer verprügelt wird. Zwei mutmaßliche Angriffe die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Doch es gibt einige Parallelen. Beide Fälle spielen sich im Dunstkreis der "Identitären Bewegung" ab. Und im Fall des verprügelten Taxifahrers war ein Verdächtiger parlamentarischer Mitarbeiter der FPÖ. Im "Inside Austria"-Podcast geht es diese Woche um zwei mutmaßliche rechtsextreme Übergriffe. Wir wollen wissen, ob die rechte Gewalt in Österreich eskaliert. Und, welche politischen Folgen die Vorfälle noch haben könnten. Herzliche Grüße aus Wien und schönes Wochenende! Oliver Das Gupta, Autor für SPIEGEL und STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.