Datum18.07.2026 06:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel thematisiert die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage. Er beleuchtet die Positionierung von Bundeskanzler Merz im Fall Jens Spahn, der wegen der Nutzung von Leihmutterschaft im Ausland gegen deutsche Gesetze verstößt. Zudem wird das Ende der Fußball-WM mit möglichen politischen und sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen diskutiert, sowie der Beginn des AfD-Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt, der auf Ostalgie und westdeutsche Ablehnung setzt.
InhaltWas von dieser WM bleibt. Der Fall Spahn wird zum Fall Merz. Und: Die AfD beginnt ihren Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Das ist die Lage am Samstagmorgen. Heute geht es darum, wie sich der Bundeskanzler im Fall Spahn positionieren sollte. Um eine Bilanz der WM. Und darum, wie die Wessi-Hasser heute einer Ober-Wessi applaudieren müssen. Morgen findet das Endspiel zwischen Argentinien und Spanien statt. Zwei Nationen werden sich dann gegenüberstehen, deren Amtssprache Spanisch ist. Über Österreicher und Deutsche heißt es, dass sie nichts so sehr trenne wie die gemeinsame Sprache. Das dürfte auch auf Argentinier und Spanier zutreffen, die Komplikationen durch die Kolonialgeschichte mal nicht eingerechnet. Es könnte eine interessante Aufgabe für Sprachwissenschaftler sein zu analysieren, wie argentinische und spanische Kommentatoren das Spiel morgen bewerten werden, und zwar in einer Sprache, die sich in der jeweiligen Ausprägung in vielen Details unterscheidet. Weltmeisterschaften liefern ja immer Erkenntnisse weit über den Sport hinaus. Mal ist es die Sprache, mal die Politik. Als Argentinien im Halbfinale am Mittwoch gegen England antrat, ging es nicht nur um Tore, sondern auch darum, welche Nation Anspruch auf die Falklandinseln hat, die vor der argentinischen Küste liegen: das Vereinigte Königreich oder Argentinien? Vor allem aber reflektieren die Nationen während einer WM ihr Selbstbild. Wir Deutschen verbinden die Schmach, so früh aus dem Turnier geflogen zu sein, mit anderen Selbstwertproblemen: nicht mehr führend in der Automobilindustrie zu sein und nun auch nicht mehr im Fußball – oh weh! Jetzt, da die Historisierung dieser WM bereits begonnen hat, können wir uns fragen, was bleiben wird von ihr. Ich tippe auf den Anruf Donald Trumps beim Fifa-Chef Gianni Infantino, bei dem sich der US-Präsident über die Sperre des US-Spielers Folarin Balogun beschwerte, die dann tatsächlich wenig später aufgehoben wurde. Auf einmal begann ein weltweites Gespräch über den Wert von Regeln im Fußball und in der Politik. Und dass es nicht hinnehmbar sei, diese auszuhebeln. Die US-Amerikaner haben bei dieser Gelegenheit nicht das erste Mal mitbekommen, wie viele Menschen fassungslos auf ihren Präsidenten schauen. Wollen Trumps Anhänger dieses globale Entsetzen weiterhin ignorieren, sollten sie morgen den Fernseher ausschalten. Denn Trump und Infantino wollen gemeinsam in New York den Siegerpokal überreichen. Damit schaffen sie den perfekten Anlass für ein Buhkonzert. Morgen tritt Bundeskanzler Friedrich Merz im ZDF-Sommerinterview auf, er wird dort sicher auf Jens Spahn angesprochen werden. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und sein Ehemann Daniel Funke haben die Geburt eines Sohnes öffentlich gemacht, den eine Leihmutter in den USA geboren hat. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Spahn selbst hat sich in der Vergangenheit gegen die Legalisierung ausgesprochen. Über einen Parteifreund, der sich über ein Gesetz hinwegsetzt und damit seine Glaubwürdigkeit riskiert, kann ein Kanzler nicht hinwegsehen. Natürlich ist es schwierig für Merz, sich hier zu verhalten. Nicht der Kanzler, sondern die Fraktion entscheidet darüber, wer ihr Chef ist, auch wenn der Kanzler in der Realität hier eine wichtige Rolle spielt. Außerdem ist Spahn nicht nur qua Amt mächtig in der Union. Da Merz so schlecht dastehe, habe seine Partei eine Art Bypass um ihn herum gelegt, schrieb mein Kollege Konstantin von Hammerstein vor ein paar Tagen (mehr dazu hier: SPIEGEL+ ): Spahn würde in der Partei inzwischen den Ton angeben, für Partei und Regierung hänge vieles von seinem Verhandlungsgeschick ab. Merz weiß aber auch, dass Spahn selbst gerne Kanzler werden möchte und somit für ihn gefährlich werden kann. Am besten aber wäre es, wenn Merz sich bei seiner Haltung zu Spahn erst gar nicht von machttaktischen Erwägungen leiten ließe. Er sollte nüchtern analysieren, ob Spahn auf seinem herausgehobenen Posten zu halten ist – und das ist er nicht. Es kann einem beim Thema Kinderwunsch zwar das Herz weich werden, doch das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland hat gute Gründe. Vor allem aber ist es nicht das erste Mal, dass Spahn als Grenzgänger aufgefallen ist. Da war der umstrittene Immobilienkauf, die Maskenaffäre, das Spendendinner während des Lockdowns. Wenn ein Politiker den Politikverdrossenen immer wieder Futter gibt, muss ihn irgendwann mal jemand aufhalten. Die AfD startet heute offiziell ihren Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Gewählt wird dort am 6. September. Informell läuft der Wahlkampf schon länger. Vor ein paar Tagen stimmte der Kabarettist Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung die DDR-Nationalhymne an, AfD-Co-Chef Tino Chrupalla sang mit. Ostalgie und blanker Hass gegen alles Westdeutsche werden neben Ausländerfeindlichkeit Leitmotive im AfD-Landtagswahlkampf sein. Man muss sich AfD-Anhänger wohl als Masochisten vorstellen. Denn wer darf heute den Auftakt auf dem Messegelände in Magdeburg bestreiten? Alice Weidel. Die Co-Parteichefin stammt aus Harsewinkel in der Nähe von Gütersloh, lebt in der Schweiz in einer lesbischen Beziehung mit einer Frau, die in Sri Lanka geboren wurde und pflegt genau den überheblichen Tonfall, der bei Ostalgikern als typisch westdeutsch gilt. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist die österreichisch-französische Schauspielerin Roxane Duran, 33. Sie ist die neue Buhlschaft im Stück "Jedermann", mit dem heute die Salzburger Festspiele starten. Die Rolle der Buhlschaft in dem seltsamen Drama zu bekommen, gilt als Herausforderung und Ehre. Senta Berger, Nina Hoss und Birgit Minichmayr haben sie bereits gespielt. An die erste Rolle von Roxane Duran dürften sich noch viele Filmfans erinnern. Sie spielte als 15-Jährige in Michael Hanekes "Das weiße Band" mit Ernst und verletzter Würde die Tochter des Arztes, die von ihrem Vater vergewaltigt wird. Vom Suchen, Finden und Leben mit einem zweiten Zuhause: So ist es wirklich, ein Ferienhaus zu besitzen – und das müssten Sie dafür aufwenden . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion