Datum18.07.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Eichenprozessionsspinner breitet sich in Bremen und Niedersachsen vermehrt aus, begünstigt durch milde Winter. Seine giftigen Brennhaare können starke allergische Reaktionen auslösen. Direkter Kontakt ist zu vermeiden, das Abstandhalten und das Informieren von Behörden bei Funden sind essenziell. Spezielle Firmen entfernen Nester, insbesondere an Orten mit hoher öffentlicher Nutzung. Bei Kontakt sollten Kleidung gewaschen und Haut sowie Haare gründlich gespült werden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Eichenprozessionsspinner“. Lesen Sie jetzt „Gefährliche Raupe wird zur Plage - Was man beachten sollte“. Es ist eine unscheinbare Gefahr: Immer mehr Eichenprozessionsspinner tauchen in Parks, an Straßenbäumen und auf Spielplätzen in Bremen und Niedersachsen auf. Warum die kleinen Tierchen gesundheitliche Probleme auslösen können - und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte: Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, dessen Raupen vor allem auf Eichen leben. Ihren Namen verdanken sie ihrem charakteristischen Verhalten: Die Raupen wandern in langen, prozessionsartigen Zügen hintereinander her - auf der Suche nach Nahrung oder einem geeigneten Ort zum Verpuppen. Klimawandel und milde Winter begünstigen die Vermehrung des Eichenprozessionsspinners. Die Insekten mögen Wärme und Trockenheit. Natürliche Feinde wie bestimmte Vogelarten, Fledermäuse und Wespen kommen kaum noch mit. Die Folge: Ganze Eichenwälder, Alleen und Stadtbäume können innerhalb kurzer Zeit befallen werden. Bisher ist Niedersachsen nicht flächendeckend befallen, der Eichenprozessionsspinner breitet sich aber vermehrt in Regionen wie im Wendland, im Emsland und in der Lüneburger Heide aus. "Seit mehreren Jahren sind in Nordwestdeutschland immer wieder Massenvermehrungen aufgetreten", teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium mit. Allein in Bremen sind seit Beginn der Saison mehr als 5.800 Fälle bekannt, wie das Umweltressort mitteilte. Das sei ein deutlicher Anstieg, im gesamten Vorjahr waren es rund 900 Fälle. Erwachsene Tiere schlüpfen im Spätsommer, sind als Falter jedoch harmlos. Gefährlich sind ausschließlich die Raupen, die mit mikroskopisch kleinen Brennhaaren bedeckt sind. Diese Haare enthalten das Eiweiß Thaumetopoein, das beim Menschen starke allergische Reaktionen auslösen kann. Besonders tückisch: Die Härchen lösen sich leicht vom Tier und verbreiten sich mit dem Wind - man muss die Raupen also nicht einmal direkt berühren, um Beschwerden zu bekommen. Selbst abgestorbene Brennhaare bleiben über Monate in Nestern aktiv und können noch im Herbst und Winter gefährlich sein. Typische Symptome sind: Grundsätzlich sollte jeder Mensch den Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern vermeiden. Besonders gefährdet sind jedoch Kinder, die sich beim Spielen im Freien in der Nähe von Bäumen aufhalten und die Gefahr nicht einschätzen können. Bei Allergikern und Asthmatikern können schon geringe Mengen der Brennhaare heftige Reaktionen auslösen. Auch Forstarbeiter, Gärtner und Kommunalmitarbeiter, die beruflich in befallenen Gebieten tätig sind, sollten vorsichtig sein. Die wichtigste Regel lautet: Mindestens zwei Meter Abstand halten und das Nest keinesfalls selbst anfassen oder entfernen. Wer Eichenprozessionsspinner auf öffentlichem Grund entdeckt, sollte die zuständige Behörde informieren. Viele Kommunen haben extra Meldestellen. Nester sollen nur Fachleute mit Schutzausrüstung entfernen. Wer in Kontakt mit den Härchen gekommen ist, sollte sich sofort umziehen und die Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen. Betroffene Hautstellen und Haare sollten gründlich mit Wasser abgespült und Augen bei Bedarf ausgespült werden. Bei anhaltenden und starken Beschwerden sollten Betroffene zum Arzt oder in die Notaufnahme gehen. Im Zweifel kann auch die Giftnotrufzentrale helfen. Nester an Straßenbäumen, in öffentlichen Grünanlagen und auf Grundstücken öffentlicher Einrichtungen werden entfernt. Das übernehmen Spezialisten mit einer Art Staubsauger. "Vorrangig behandelt werden Befälle an Orten mit hoher öffentlicher Nutzung, wie Kitas, Schulen, Spielplätze und Parks, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen", heißt es aus dem Bremer Umweltressort. Die Kosten liegen pro Baum bei etwa 500 Euro. Wenn sich die Raupen im eigenen Garten ausbreiten, sollten ebenfalls Fachfirmen zur Entfernung beauftragt werden. Nester im Wald werden in der Regel nicht entfernt, wie die Niedersächsischen Landesforsten mitteilten. Im Zweifel werden Wanderwege gesperrt. In besonders stark betroffenen Regionen werden zudem Warnschilder aufgestellt. Auch viele Städte und Landkreise im Nordwesten informieren mit Aushängen und digitalen Meldeportalen über befallene Bäume. © dpa-infocom, dpa:260718-930-403023/1