Jens Spahn in der Kritik: »Was er hier getan hat, ist eine echte Zumutung«

Datum17.07.2026 21:41

Quellewww.spiegel.de

TLDRJens Spahn (CDU) sieht sich wegen der Nutzung einer Leihmutter in den USA massiver Kritik aus den eigenen Reihen ausgesetzt. Staatssekretär Michael Brand und CSU-Politiker werfen ihm moralischen Rechtsbruch vor, da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und die CDU sich seit Jahren dagegen positioniert. Die Kritiker betonen die Glaubwürdigkeit und das Werteverständnis der Union. Auch Kirchen äußerten sich ablehnend. Spahn hat sich bisher nicht detailliert zu seinen Beweggründen geäußert.

InhaltDie Kritik aus den eigenen Reihen an Jens Spahn wird immer lauter. Grund ist sein Leihmutterbaby. Ein Staatssekretär der schwarz-roten Regierung geht deutlich auf Distanz, ebenso mehrere CSU-Landespolitiker und die Kirchen. Immer mehr Parteikollegen wenden sich gegen Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU). Jetzt hat auch Familien-Staatssekretär Michael Brand (CDU) Spahn wegen seiner Entscheidung für eine Leihmutterschaft scharf kritisiert. "Was Jens Spahn hier getan hat, ist eine echte Zumutung und unglaubwürdig, das muss man so klar sagen", schreibt der hessische Bundestagsabgeordnete in einem Gastbeitrag für die Samstagsausgabe der "Fuldaer Zeitung". Die Union lehne Leihmutterschaft ab, "weil sie bekanntlich große Gefahren für die Leihmütter bringt, oft bis hin zur körperlichen Ausbeutung für die Wünsche reicher Auftraggeber", so Brand. Die CDU habe diese Position auf ihrem Parteitag erst Anfang des Jahres bekräftigt. Auch Spahn habe Leihmutterschaft öffentlich immer abgelehnt. "Nun hat er über ein Jahr hinweg das dennoch für viel Geld organisiert. Und das bewusst unter Umgehung des deutschen Rechts dann in den USA. Damit hat er zwar nicht formal, aber moralisch klaren Rechtsbruch begangen", kritisierte Brand. Darüber müsse "in aller Konsequenz geredet werden, und auch in aller Klarheit". Unterdessen haben auch mehrere CSU-Politiker ihrem Ärger Luft gemacht. "Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten", sagte Ulrike Scharf dem Bayerischen Rundfunk . Die bayerische Sozialministerin und Vorsitzende der CSU-Frauen-Union sieht an der gesetzlichen Lage in Deutschland "keinen Änderungsbedarf". Auf Anfrage des BR stellt sie klar: "Finanzielle Möglichkeiten dürfen nicht über moralische Grundsätze gestellt werden." Auch Klaus Holetschek, CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, hält am Verbot der Leihmutterschaft fest. "Was in Deutschland verboten ist, bleibt verboten." Es gehe um die "Glaubwürdigkeit unserer Politik und das Werteverständnis der CSU". "Ich glaube, Jens Spahn wird jetzt erst mal erklären, warum er das getan hat oder was sein Beweggrund war", so Holetschek weiter. "Und er wird sicherlich auch die richtigen Schlussfolgerungen für sich aus diesem Thema ziehen." Zugleich gratulierte Holetschek Spahn zur Geburt seines Sohnes Georg. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Eltern eines in den USA von einer Leihmutter zur Welt gebrachten Kindes wurden. Dieses Verfahren ist in Deutschland verboten. Der Unionsfraktionschef sieht sich seither mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert. Kritiker werfen ihm vor, als Privatperson anders zu handeln als in seiner politischen Funktion. Massive Kritik kam unter anderem auch aus den Kirchen. Alle Hintergründe zum Fall Spahn lesen Sie hier: "Massives Glaubwürdigkeitsproblem" – jetzt wird es eng für Jens Spahn