Meinung: News des Tages: ZDF und Danger Dan – Ein Fail fürs Zweite?

Datum17.07.2026 17:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas ZDF hat den Liedermacher Danger Dan und den Pianisten Igor Levit wegen ihres Liedes "Keine Angst" ausgeladen, das als Aufruf zur Gewalt interpretiert werden könnte. Der Umweltminister Carsten Schneider zeigt sich trotz gegenteiliger Expertenmeinungen optimistisch bezüglich der deutschen Klimaziele. Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau berichtet, Putin zeige keinen Verhandlungswillen und eine weitere Mobilmachung sei wahrscheinlich. Die Debatte um eine Leihmutterschaft mit dem CDU-Politiker Jens Spahn hat Empörung ausgelöst.

InhaltWas Danger Dan über seine Ausladung durch das ZDF sagt. Was Deutschlands Umweltminister über die Hitze und Klimaanlagen sagt. Und was Deutschlands Mann in Moskau über Putin sagt. Das ist die Lage am Freitagabend. Heute drei Interviews, drei Fragezeichen: 1. Verweigerter TV-Auftritt – Was sagt Danger Dan über die Ausladung durch das ZDF? 2. Hitze-Rekorde – Was sagt Deutschlands Umweltminister über Klimaanlagen 3. Krieg gegen die Ukraine – Was sagt Deutschlands Mann in Moskau über Putins Verhandlungsbereitschaft? Das ZDF macht von sich reden. Allerdings weniger damit, dass es "Ein Fall für zwei" einstellt (hier mehr dazu), sondern damit, dass es den Liedermacher Danger Dan und den Pianisten Igor Levit ausgeladen hat: Der Sender verbot ihren Auftritt in der Satiresendung "Die Anstalt", ja nach Sichtweise aus politischen oder rechtlichen Gründen. Wird der Vorgang damit zu einem Fail fürs Zweite? Danger Dan und Levit waren eigentlich in die Sendung eingeladen, die am Dienstag um 22.15 Uhr ausgestrahlt wird. Sie sollten das Lied "Keine Angst" spielen, das nicht nur zum Widerstand gegen Rechtsextremismus aufruft, sondern eine Gebrauchsanweisung mitliefert, wie man sich mit Vertrauten zusammenschließen und Aktionen planen kann. Es geht um Partys gegen Nazis, um Spenden für Aufkleber und Spraydosen, aber auch darum, Faschisten und solche, die man dafür hält, auszuforschen und bloßzustellen. Bei all dem solle man darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen, weil, so der Vorwurf, die Sicherheitsbehörden von rechts unterwandert seien: "Ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst: Es gibt so viele Faschos bei der Polizei." Gegen Ende des Songs zwinkert Danger Dan in Richtung linksextremer Gewalttäter: Er richtet "liebe Grüße an Nina, Gucci, Maja und Nanuk" aus. Alles Leute, die wegen zum Teil brutaler Übergriffe auf Nazis strafrechtlich verfolgt werden. Man muss das alles nicht richtig finden. Aber lässt sich da schon ein "Aufruf zur Gewalt" hineinlesen, wie es das ZDF tut? Mein Kollege Andreas Borcholte hat mit Danger Dan gesprochen. Für Andreas ist er "einer der mutigsten Popmusiker in diesem Land". Man müsse ihm nicht in jeden Winkel seiner Polemik folgen, um zu spüren, dass ihm das Aufrütteln gegen die Bedrohung von rechts ein ernsthaftes Anliegen ist. "Von seiner Feuilleton-tauglichen Liedermacher-Identität und den Piano-Melodien soll man sich nicht täuschen lassen", sagt Andreas über Danger Dan. "Er ist immer noch in erster Linie Rapper der Hip-Hop-Spaßguerilla Antilopen Gang - und in jeder Form von schelmischer Provokation und Aufmerksamkeitsökonomie versiert." Trotzdem solle man "Keine Angst" nicht als Aufruf zur Gewalt missverstehen, "sondern als Weckruf ernst nehmen". Die Hitze macht auch den Arbeitnehmern in Deutschland zunehmend zu schaffen. Jetzt fordert DGB-Chefin Fahimi ein Ausfallgeld für jene, die an besonders heißen Tagen nicht mehr arbeiten können (hier mehr dazu). Sicher ist: Die Zukunft wird heiß und trocken, auch hierzulande. Meine Kollegin Sophie Garbe und mein Kollege Andreas Niesmann haben mit SPD-Umweltminister Carsten Schneider darüber gesprochen, wie sich Deutschland darauf vorbereiten sollte. "Schneider hatte nie viel mit Klimapolitik zu tun, bevor er Umweltminister geworden ist", sagt Sophie. "Nach einem Jahr im Amt wirkt es aber so, als sei er darin ziemlich aufgegangen und dazu sehr optimistisch, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, was die Klimaziele angeht." Das allerdings hat sie überrascht. Der Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung stellte vor einigen Wochen klar: Die Klimaziele seien bis 2030 nicht mehr einzuhalten. Russland hat die Ukraine erneut mit Drohnenangriffen überzogen, dabei gab es zahlreiche zivile Opfer, wie das angegriffene Land meldet. Ukrainische Truppen wehren sich mit Gegenschlägen und nahmen wieder die russische Flotte ins Visier (hier mehr dazu). Leider gehören solche Meldungen seit über vier Jahren zum Alltag. Und es sieht nicht danach aus, dass Russland in naher Zukunft einlenkt. Der scheidende deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, sieht jedenfalls bei Machthaber Wladimir Putin weiter "keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen" über ein Ende des Kriegs. "Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen", sagte Lambsdorff meiner Kollegin Christina Hebel. Der Diplomat warnte: In Moskau redeten "immer mehr Menschen" über eine zweite mögliche Mobilmachung wehrfähiger Männer nach der Duma-Wahl im September. "Auch ich befürchte, dass noch mal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten." Lambsdorff verlässt diese Woche nach drei Jahren Russland, um in Kürze nach Israel zu wechseln. Jens erst recht, scheinen sich einige Spahn-Kritiker gedacht zu haben, als die Leihmutter-Diskussion so richtig Fahrt aufgenommen hatte. "Babykauf", "erbärmlich", "persönlich geschockt" – die Empörung über den Vorgang vereint Linke und Rechte, Grüne Jugend und Senioren-Union. "Das ist allzu durchsichtig", findet mein Kollege Alexander Neubacher. "Die Kritiker von Spahn haben jedes Maß verloren." (Hier mehr .) Gestern habe ich in der Lage am Abend selbst kritisch über Spahn geschrieben (hier), trotzdem habe ich mich über den Kommentar von Alex gefreut. Oder gerade deswegen. Wo sich alle einig sind, entsteht selten ein neuer Gedanke. Politisch allerdings wird es eng für Spahn. Er will seine Fraktion über seine politische Zukunft entscheiden lassen. Ob er auch diese Krise aussitzen kann? Dieser Frage gehen meine Kollegen Paul-Anton Krüger, Christian Teevs und Severin Weiland hier nach: "Massives Glaubwürdigkeitsproblem". Nein oder nicht nein: Für Thomas Anders, 63, steht ein Modern-Talking-Comeback gemeinsam mit Dieter Bohlen, 72, "nicht zur Diskussion". Das teilte der Sänger auf Anfrage der "Bild"-Zeitung und über Instagram mit. Er bedankte sich für das große Interesse und die vielen Nachrichten, die er von Fans des Popduos erhalten habe. Seinem ehemaligen Bandpartner wünsche er "für seine zukünftigen Projekte selbstverständlich ebenfalls alles Gute und viel Erfolg". Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Drei Vorschläge: Sie könnten... Ihnen ein unterhaltsames Wochenende. Herzlich Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion