Datum17.07.2026 16:47
Quellewww.zeit.de
TLDRÖkonom Michael Hüther sieht den deutschen Wirtschaftsstandort in einer Krise, ist aber optimistisch. Er räumt ein, dass Unternehmen und der Standort unter Bürokratie, hohen Kosten und chinesischer Konkurrenz leiden. Die automobile Krise sei jedoch kein Vorbote des Niedergangs, und die Rüstung werde die Wirtschaft nicht retten. Hüther kritisiert die bisherige Untätigkeit der Regierung, lobt aber Reformbemühungen.
InhaltDer deutsche Wirtschaftsstandort ist in der Krise. Ökonom Michael Hüther ist dennoch optimistisch: "Ein Land kann man immer retten – die Frage ist nur, zu welchem Preis." Schon öfter wurde der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands vorhergesagt. "Der Abstieg eines Superstars", "Systemversagen: Aufstieg und Fall einer großartigen Wirtschaftsnation", "Kaputt: Das Ende des deutschen Wirtschaftswunders" – so und so ähnlich lauteten die Titel diverser Bücher, die eins gemeinsam hatten: der prognostizierte Untergang blieb aus. Dieser Tage macht sich erneut Doomsday-Stimmung breit: VW will 100 000 Mitarbeiter entlassen, der Standort schwächelt, Bürokratie, hohe Arbeits- und Energiekosten machen den Unternehmen genau so zu schaffen wie China, das längst nicht mehr nur Kunde sondern auch harter Konkurrent geworden ist. In der neuen Ausgabe von Das Politikteil diskutieren Ileana Grabitz und Peter Dausend mit Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, darüber, ob die Schwarzseher dieses Mal recht haben könnten – oder nicht. "Wir übertreiben, ohne die Brisanz zu verkennen", sagt Hüther dazu. Hüther erklärt, weshalb die Krise in der Automobilindustrie zu voreilig als Bote des wirtschaftlichen Niedergangs des Landes gedeutet wird, worin die (unfairen) Wettbewerbsvorteile eines autoritär geführten Chinas liegen und warum die Fertigung von Panzern in Zukunft die Herstellung von Autos nicht wird ersetzen können: "Die Rüstung wird die Wirtschaft nicht retten." Der Bunderegierung wirft er vor, ihren Start vor knapp eineinhalb Jahren "verschlafen" zu haben, lobt aber zugleich ihr jüngst vorgelegtes Reformpaket als "Schritt in die richtige Richtung". Man dürfe allerdings auch nicht alle Heilung von der Politik erwarten., so Hüther. Im Podcast Das Politikteil sprechen wir jede Woche über das, was Politik beschäftigt, erklären die Hintergründe, diskutieren die Zusammenhänge. Immer freitags mit zwei Moderatoren, einem Gast – und einem Geräusch. Im Wechsel sind als Gastgeber Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing oder Ileana Grabitz und Peter Dausend zu hören.