Datum17.07.2026 12:41
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Mitarbeiterin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat erstmals öffentlich sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch durch Chefankläger Karim Khan enthüllt. Sie ist eines von zwei mutmaßlichen Opfern. Eine Uno-Untersuch
InhaltKarim Khan soll seine Zunge in ihr Ohr gesteckt haben: Ein mutmaßliches Opfer des aktuell suspendierten IStGH-Chefanklägers hat mit CNN über sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch gesprochen. Sie ist nicht allein. Eine Juristin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) hat ihre Vorwürfe gegen den Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs erstmals in einem TV-Interview mit CNN bekräftigt. Sie ist eine von zwei Frauen, die Karim Khan sexuelle Nötigung und Machtmissbrauch vorwerfen. Eine Untersuchungskommission der Uno hat zu dem Fall ermittelt; Khan ist vergangenes Jahr vorübergehend zurückgetreten, im Juni hatte das Aufsichtsgremium des Gerichts ihn für die Dauer des Disziplinarverfahrens vom Dienst suspendiert. Der 56-Jährige hat jegliches Fehlverhalten als haltlos zurückgewiesen. Seine Anwältin Sareta Ashraph erklärte gegenüber CNN, er bestreite "jegliche Form von sexuellem Kontakt oder einer Beziehung, sei es einvernehmlich oder ohne Einwilligung" mit dem mutmaßlichen Opfer. Der CNN-Bericht erscheint zu einer Zeit, in der der IStGH unter intensiver Beobachtung steht. Die Mitgliedsstaaten bereiten sich darauf vor, noch in diesem Monat, am 24. Juli, darüber abzustimmen, ob Khan seines Amtes enthoben werden soll. Diplomaten, die das Aufsichtsgremium des IStGH leiten, kamen laut Dokumenten, die Reuters vorliegen, zu dem Schluss, dass Khan tatsächlich eine unangemessene sexuelle Beziehung zu einer jüngeren Mitarbeiterin hatte und entlassen werden sollte. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Die Frau, die auf ihren Wunsch in dem CNN-Interview mit Journalistin Christiane Amanpour nur als "Sarah" identifiziert wurde, wollte sich nicht zu den Ermittlungen des IStGH gegen Khan äußern. 2024 waren erstmals Vorwürfe gegen Khan bekannt geworden. Doch Sarah hat sich bisher noch nicht öffentlich geäußert. Die ursprünglich aus Malaysia stammende Juristin arbeitet seit 2017 für den IStGH. Eine zweite Frau, die unter dem Pseudonym "Patricia" auftritt, sprach ebenfalls mit Amanpour. Ihr Gesicht war dabei nicht zu sehen. Die Frau hatte sich im vergangenen Jahr erstmals gegenüber dem "Guardian" zu Wort gemeldet und arbeitete zu Beginn von Khans Karriere – in ihren Zwanzigern – für ihn. Im Interview mit CNN sagt Patricia, Khan habe, seit sie als Praktikantin am Gericht tätig war, "immer mehr Macht angehäuft und ist immer dreister geworden." Wie Sarah im Interview mit Amanpour berichtete, habe Khan ein zunehmend aggressives Verhalten gezeigt. Sie habe sich diese Situation nie gewünscht. Sie fühlte sich "gedemütigt". Khan soll sie gegen ihren Willen begrapscht haben. Sie schilderte etwa einen Vorfall in Kolumbien, bei dem er in ihr Hotelzimmer kam. Während sie vorgab, zu schlafen, soll er sie, wie sie sagte, an intimen Stellen berührt haben, demnach habe er angefangen, seine Hand in ihre Leggings zu schieben und ihr seine Zunge ins Ohr zu stecken. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Im Februar 2023 begann sie als Assistentin für ihn zu arbeiten, im Interview beschrieb sie, dass ihr Job umfasste, "im Wesentlichen alle Aufgaben zu erledigen, die Herr Khan benötigte." Sie erinnerte sich auch, dass sie während meiner Vorstellungsgespräche wiederholt gefragt wurde: "Sind Sie bereit, Herrn Khan auf alle Einsätze zu begleiten?" Die Juristin machte auch die Strukturen verantwortlich: "Das war kein isolierter Fall. Wir befanden uns in einem Umfeld, in dem wir ständig in Bewegung waren. Es gab immer wieder Krisen. Außerdem ist die Arbeit, die man dort leistet, sehr emotional." Ihre Aufgabe sei es auch gewesen, Khans "Emotionen zu regulieren". Sie beschrieb ihren damaligen Chef als einen einfach zu reizenden Menschen. "Er konnte innerhalb kürzester Zeit von einer gelassenen und kooperativen Haltung in Wut verfallen, beispielsweise aufgrund von Kritik in den sozialen Medien. Dann brach diese Wut über einen herein, sodass man immer das Gefühl hatte, der Boden würde sich unter einem wegbewegen." "Bei einem solchen Machtgefälle kann es unmöglich einvernehmlich sein", erklärte Sarah gegenüber CNN. Sie beschrieb, dass sie Angst hatte, Khans Annährungsversuche abzulehnen. Sie hätte Angst gehabt, ihren Job und ihr Arbeitsvisum zu verlieren, das ihr ermöglichte, mit ihrem Mann und ihrem Sohn in den Niederlanden zu leben. In dem Interview wies Sarah zudem Online-Gerüchte zurück, sie arbeitete für den israelischen Geheimdienst Mossad. Zum Hintergrund: Khan hat wegen des Gazakrieges einen Haftbefehl gegen den israelischen Premier Benjamin Netanyahu erwirkt – und die Vorwürfe der mutmaßlichen Opfer in Zusammenhang zu diesem Antrag gestellt. "Dies ist ein Moment, in dem ich und der Internationale Strafgerichtshof Ziel von zahlreichen Angriffen und Drohungen sind", erklärte Khan. Sarah wiederum erklärte nun bei CNN, sie habe sich umfangreichen Sicherheitsüberprüfungen unterzogen, um eng mit Khan und seinem Vorgänger zusammenarbeiten zu können. "Wenn es jemals auch nur den geringsten Verdacht gegeben hätte, dass ich eine staatliche Agentin jeglicher Art sei, wäre ich entlassen worden", sagte sie. Khan ist das Gesicht des Internationalen Strafgerichtshofs. Mit den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens stürzt er seine angeschlagene Institution in eine Krise. Zerbricht der Internationale Strafgerichtshof am Fall Karim Khan? Den ganzen Text lesen Sie hier.