»Was haben wir gelacht«: Esther Schweins spricht über Sexismus im TV

Datum17.07.2026 15:14

Quellewww.spiegel.de

TLDREsther Schweins thematisiert in einem Interview Sexismus im deutschen Fernsehen der 90er und frühen 2000er Jahre. Frauen seien damals gezwungen gewesen, Grenzüberschreitungen, wie sexistische Witze und Berührungen, zu erdulden und mitzulächeln. Dies sei eine "Überlebensstrategie" gewesen, da Begriffe wie Sexismus unbekannt waren und Frauen als "hübsch auszusehen und zu lächeln" reduziert wurden. Schweins betont die Wichtigkeit von Frauenrechten angesichts gesellschaftlicher Rückschritte und der Macht, die mit der Kontrolle von Lachen und Sichtbarkeit einhergeht.

InhaltBegrabscht, begafft, bedrängt: Grenzüberschreitungen durch Männer waren für Frauen im Fernsehen früher Normalität. Schauspielerin Esther Schweins erklärt in einem Interview, warum sie und andere dennoch immer lächelten. Thomas Gottschalk behauptete vor nicht allzu langer Zeit, er habe Frauen früher im TV "rein dienstlich angefasst" . Dass diese das in der Regel überhaupt nicht toll fanden, zeigt ein neuer Dokumentarfilm, unter anderem mit Esther Schweins, 56. Die Schauspielerin ist darin in älteren Aufnahmen zu sehen, zum Beispiel als Gast bei "Wetten Dass..?", wo sie von Anwesenden, allen voran Gottschalk, übergriffig behandelt wurde und sichtlich gequält grinste. Über Szenen wie diese sagt Schweins heute: "Im deutschen Fernsehen hatten Frauen durchzulächeln." Bei anzüglichen Witzen, Gesten oder Anspielungen mitzulachen, sei eine "Überlebensstrategie" gewesen, erklärte Schweins im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa weiter. Die Schauspielerin ist Teil des Films "Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabelle Schneider der gerade in die Kinos gekommen ist und sich kritisch mit dem Frauenbild im deutschen Fernsehen in den Neunziger- und frühen Nullerjahren auseinandersetzt. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Damals habe es viele Begrifflichkeiten nicht gegeben, so Schweins weiter. "Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm." Sie habe das natürlich falsch gefunden, sagte die 56-Jährige weiter. Daher sei sie dankbar gewesen "für diesen Möglichkeitsraum ›Samstag Nacht‹." In der RTL-Sendung hatte Schweins ihren Durchbruch. "Dort konnte ich Ausnahme sein von dieser Norm: Komische Frau ist auch schön – oder schöne Frau ist auch komisch", erklärte sie nun. Die Sendung sei "kreativ" und "menschlich" gewesen "und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte." Obgleich seit der Zeit der sexistischen Sprüche bei "Wetten Dass..?" viele Jahre vergangen sei, sorgt sich Schweins dennoch weiter um Frauenrechte – vor allem angesichts des gesellschaftlichen Rechtsrucks: "In einer Zeit, in der es von Machtinteresse ist, dass Frauen ihre Stimme verlieren, muss man ganz deutlich sagen: Die Rechte, über die wir verfügen, sind filigran", sagte sie. Und weiter: "Wer bestimmt, worüber gelacht wird, hat eben auch Macht. Wer bestimmt, was sichtbar ist oder wer unsichtbar gemacht wird, hat Macht. Und wer unsichtbar ist, ist ohnmächtig." "Sexismus war Alltag", sagt auch Maren Kroymann, die ebenfalls Teil des Dokumentarfilms ist. "Frauen im Fernsehen hatten hübsch auszusehen und zu lächeln. Sie mussten sich betatschen und auf ihr Aussehen reduzieren lassen, egal, wie unwohl sie sich gefühlt haben", beschreibt sie im SPIEGEL-Gespräch die Anfangsjahre ihrer Karriere. Das ganze Interview lesen Sie hier.