Datum17.07.2026 12:45
Quellewww.spiegel.de
TLDREin Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover steht unter Mordverdacht. Ihm wird vorgeworfen, zwei schwer kranke Patienten getötet und versucht zu haben, eine weitere zu töten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und versuchten Mord vor. Der Anwalt des Arztes bestreitet die Vorwürfe und erklärt, sein Mandant habe Leid ersparen wollen. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Prozess in Berlin gegen einen Oberarzt der Charité.
InhaltZwei Menschen sind tot, ein Arzt soll sie mit Medikamenten umgebracht haben. Jetzt steht der Mediziner vor Gericht. Sein Anwalt weist die Vorwürfe zurück. Vor dem Landgericht Hannover ist ein Mordprozess gegen einen Arzt gestartet. Der Mediziner soll zwei schwer kranke Patienten getötet und als Notarzt versucht haben, eine weitere Person zu töten. Die Anklage lautet auf Mord und versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der Anwalt des Arztes sagte zu Prozessbeginn, sein Mandant habe sich nicht strafbar gemacht: "Diese Vorwürfe treffen nicht zu." Der heute 49 Jahre alte Arzt habe nicht in Tötungsabsicht gehandelt, sondern den Patienten Qualen ersparen wollen. Der Mann war an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. Aktuell sitzt er in Untersuchungshaft. Laut der Anklage soll er im Mai 2019 als Notarzt zu einer schwer kranken 82-Jährigen in eine Demenz-WG gerufen worden sein. Statt sie weiterzubehandeln oder in ein Krankenhaus einzuweisen, soll er versucht haben, sie mit Medikamenten zu töten. Allerdings schlief sie lediglich ein. Daraufhin soll er ihr weitere Dosen Fentanyl gegeben haben. Die Frau starb erst in der folgenden Nacht. In den anderen Fällen waren Patienten betroffen, die auf einer Station der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt wurden. Es handelte sich um einen 20-Jährigen, der im Juni 2020 starb und um einen 71-Jährigen, der im März 2025 starb. Der Arzt soll die Therapie der schwer kranken Patienten abgebrochen und sie mit Medikamenten getötet haben. In einem ähnlichen Fall war 2024 ein Oberarzt der Berliner Charité zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Landgerichts Berlin hatte der Facharzt für Innere Medizin in den Jahren 2021 und 2022 auf einer kardiologischen Intensivstation einen Patienten und eine Patientin (beide 73) jeweils mit einem überdosierten Narkosemittel getötet. Die Verteidigung des Berliner Arztes hatte auf Freispruch plädiert. Das Verhalten ihres Mandanten sei nicht die Ursache für den Tod der schwerstkranken Menschen gewesen. Beide Patienten hätten sich in einer "aktiven Sterbephase" befunden. Auch wegen dieser Argumentation erinnert der Fall an den aktuellen Prozess in Hannover. Warum der Fall in Berlin in den Grenzbereich ärztlichen Handelns führt, lesen Sie hier .