Meinung: Extremwetter in Deutschland: Was uns die Hitze kostet

Datum17.07.2026 10:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRExtremwetterereignisse wie Hitzewellen und Hagelstürme kosten Deutschland laut neuen Daten Milliarden. Ein Hitzetag verursacht betriebswirtschaftliche Kosten von rund 431 Millionen Euro durch sinkende Produktivität. Hitzewellen führen zu erhöhten Krankheitsfällen und potenziell zu Tausenden hitzebedingten Todesfällen, wie Daten des RKI und des Met Office nahelegen. Angesichts dieser Zahlen wird zu wenig über Klimaschutz und Hitzeschutzmaßnahmen diskutiert, obwohl dringender Handlungsbedarf besteht.

InhaltNeue Daten beziffern die Folgen der jüngsten Extremtemperaturen für die Menschen und die Wirtschaft. Was jetzt passieren muss. Die Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands sollen jetzt erst einmal wieder sinken. Für Menschen, die unter der jüngsten Hitze gelitten haben, sind das erfreuliche Aussichten. Schon zur Wochenmitte hatte das Wetter vor allem in Süddeutschland umgeschlagen, in Reutlingen etwa sorgten Starkregen und Hagelsturm für Stromausfälle und die vor Ort niedergegangenen, bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkörner für Schlagzeilen. In ganz Baden-Württemberg wurden Rettungskräfte zu zahlreichen Einsätzen gerufen. Am Montag wurden tennisballgroße Hagelkörner  auch aus Teilen des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Den Unwettern vorausgegangen waren vielerorts mehrere heiße Tage – nachdem schon Ende Juni eine Hitzewelle das Land erfasst hatte. Gut möglich, dass es nicht der letzte massive Temperaturschub für diesen Sommer war. Dabei führe schon ein einzelner Hitzetag mit mehr als 30 Grad zu direkten betriebswirtschaftlichen Kosten von rund 431 Millionen Euro, schreibt Sara Weber in ihrer aktuellen Kolumne. Das liege vor allem daran, dass die Produktivität der Menschen sinke, wenn die Temperaturen anziehen. Einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)  zufolge steigen auch die Krankheitsfälle an einem durchschnittlichen Hitzetag um etwa 3,5 Prozent – halte die Hitzewelle eine Woche an, sogar um 10,8 Prozent. Weit dramatischer sind die Zahlen die das Robert Koch-Institut (RKI) jüngst herausgegeben  hat: Ein eigens entwickeltes Modell besagt, dass allein die Hitzeperiode im Juni bisher zu etwa 5100 hitze­bedingten Sterbe­fällen in Deutschland geführt habe. Möglicherweise seien die Zahlen sogar noch höher. Hitze­einwirkung führe nur sehr selten unmittel­bar zum Tod, in den meisten Fällen wirke die Hitze in Kombination mit Vor­­erkrankungen, schreibt das RKI. In Europa, das zeigen andere Zahlen, sollen während der Juni-Hitze rund 10.000 zusätzliche Todesfälle registriert worden sein. Das Met Office spricht  für England und Wales von 2700 hitzebedingten Todesfällen für Mai und Juni – "von diesen starben schätzungsweise 42 Prozent infolge der zusätzlichen Hitze, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel bedingt war." Es bleibt unverständlich, warum angesichts dieser dramatischen Zahlen nicht viel engagierter über mehr Klimaschutz, aber auch Hitzeschutz für die Städte, Krankenhäuser und Pflegeheime und Maßnahmen zur Klimaanpassung diskutiert wird. Dabei gäbe es viele konkrete Ideen, was jetzt passieren muss – fünf Lehren aus der jüngsten Hitzewelle hat meine Kollegin Susanne Götze hier aufgeschrieben. Wenn Sie mögen, informieren wir Sie einmal in der Woche über das Wichtigste zur Klimakrise – Storys, Forschungsergebnisse und die neuesten Entwicklungen zum größten Thema unserer Zeit. Zum Newsletter-Abo kommen Sie hier. Umweltminister Carsten Schneider: "Wir werden ernsthafte Konflikte um Wasser haben – auch in Deutschland" Die Zukunft wird heiß und trocken. Umweltminister Carsten Schneider sagt, wie sich Deutschland darauf vorbereiten sollte. Damit Orte auch in zehn Jahren noch lebenswert sind. Heftige Brände in Europa: Diese Feuersaison begann ungewöhnlich früh und intensiv. Und ist noch lange nicht vorbei In Spanien, Frankreich und sogar in Großbritannien haben Flammen Tausende Hektar Land zerstört, und auch in Deutschland brennt es. Welche drei Faktoren das Ausmaß der Feuer verschlimmern. Arbeiten bei hohen Temperaturen: Hitze ist keine Chefsache? Ein Milliardenschaden vielleicht schon Die Bundesregierung tut wenig, um die Menschen vor der Hitze zu schützen. Vielleicht muss man Friedrich Merz erst daran erinnern, dass auch die Wirtschaft leidet. Wie Hitze die Psyche belastet Hohe Temperaturen schlagen vielen aufs Gemüt. Nicht nur für psychisch kranke Menschen kann das gefährlich werden. Woher das kommt und was dann der Seele hilft. Viel zu warm, viel zu wenig Wasser: Dürrestress für Deutschlands Flüsse – wie Donau, Rhein und andere Ströme sich jetzt verändern Die Flüsse in Deutschland leiden unter der Trockenheit und hohen Temperaturen. An manchen Stellen der Donau floss zuletzt nur noch ein Sechstel der üblichen Wassermenge. Bleiben Sie zuversichtlich Ihr Kurt Stukenberg, stv. Ressortleiter Ausland