Datum17.07.2026 07:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRNiedersachsen plant, eine Beteiligung des israelischen Rüstungskonzerns Rafael am VW-Werk Osnabrück zu unterstützen. Ziel ist die Produktion von Komponenten für das Raketenabwehrsystem "Iron Dome". Katar, VW-Anteilseigner, hat Vorbehalte, die durch eine staatliche Beteiligung behoben werden könnten. Verschiedene Modelle werden geprüft, darunter eine Aufteilung des Werks. Hintergrund sind Absatzprobleme bei VW und die Notwendigkeit, Standorte neu auszurichten.
InhaltVolkswagen verhandelt mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael über eine Beteiligung am Werk in Osnabrück. Doch das Emirat Katar hat als Anteilseigner Vorbehalte. Jetzt will das Land Niedersachsen helfen. Die niedersächsische Regierung will nach Reuters-Informationen auch Geld einsetzen, um dem israelischen Rüstungskonzern Rafael die Entscheidung für eine Beteiligung am bisherigen VW-Werk in Osnabrück zu erleichtern. Das Land werde sich auf jeden Fall engagieren, aber es sei zu früh, um zu sagen, wie das aussehen könnte, sagten zwei mit den Planungen vertraute Personen am Donnerstag. Man sei optimistisch, dass der Einstieg von Rafael gelingen werde. Es würden verschiedene Modelle geprüft. Eine vom "Handelsblatt" erwähnte Aufteilung des Standorts Osnabrück in zwei Gesellschaften sei eines von mehreren Modellen, die geprüft würden. Rafael will in Osnabrück Komponenten des Raketenabwehrsystems Iron Dome für europäische Kunden bauen. Der VW-Anteilseigner Katar hat nach Informationen von Reuters zwar kein Veto eingelegt, aber Vorbehalte geäußert. Diese könnten, so heißt es, auch durch eine Beteiligung Niedersachsens in der einen oder anderen Form überwunden werden. Das "Handelsblatt" hatte von einer möglichen Aufteilung in zwei Gesellschaften berichtet. Eine Gesellschaft würde demnach die Liegenschaften einschließlich der Gebäude sowie Teile der Belegschaft bündeln. An dieser solle Volkswagen beteiligt bleiben, aber nicht Rafael. Eine zweite Gesellschaft wäre für die eigentliche Produktion der Iron-Dome-Komponenten zuständig. An dieser könnte sich, so das Blatt, auch das Land Niedersachsen beteiligen, das ebenfalls VW-Anteilseigner ist. Das Land hatte sich bereits an der Meyer-Werft in Papenburg beteiligt, wodurch eine Rettung des angeschlagenen Unternehmens gelungen war. Die Landesregierung sei zuversichtlich, dass der Einstieg von Rafael in Osnabrück gelingen werde, sagten die mit den Verhandlungen vertrauten Personen zu Reuters. Die Teilung in zwei Gesellschaften sei dabei nur eines von mehreren Modellen. "Es gibt auch andere." Offenbar gibt es bei VW selbst auch Überlegungen, dass das Land das ganze Werk übernehmen soll. Damit würde die Landesregierung aber die Verantwortung für die gesamte Belegschaft und mögliche Sozialplankosten übernehmen. Deshalb sei das Thema kompliziert. Hintergrund der Debatte sind Absatzprobleme des größten deutschen Autokonzerns. In den vergangenen Wochen waren deshalb Pläne diskutiert worden, die einen massiven Personalabbau und die Schließung von vier Standorten in Deutschland vorsahen. Der Aufsichtsrat, in dem das Land Niedersachsen vertreten ist, bremste die Pläne jedoch. VW-Chef Oliver Blume will die Produktionskapazität bis 2030 um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr reduzieren.