Datum17.07.2026 06:53
Quellewww.spiegel.de
TLDRSyrische Sicherheitskräfte haben Ahmed Habib Ali, einen ehemaligen Leiter des staatlichen Chemiewaffenprogramms, festgenommen. Er steht im Verdacht, für die Herstellung und den Einsatz von Sarin-Bomben zwischen 2013 und 2017 mitverantwortlich zu sein. Diese Festnahme erfolgt nach dem Sturz Baschar al-Assads, dessen neue Führung die Beseitigung von Chemiewaffen und die Bestrafung Verantwortlicher versprochen hat. Zuvor hatte die OPCW nicht deklarierte Chemiewaffen entdeckt.
InhaltDas Assad-Regime hat über Jahrzehnte C-Waffen produziert. Nun haben die neuen Machthaber einen Verantwortlichen gefasst. Er soll für den Einsatz des hochgiftigen Nervengases Sarin gegen Syrer mitverantwortlich sein. In Syrien ist ein früherer Verantwortlicher des Chemiewaffenprogramms festgenommen worden. Syrische Sicherheitskräfte haben den Ex-Leiter des Wissenschaftlichen Studien- und Forschungszentrums, Ahmed Habib Ali, im Westen des Landes festgesetzt, wie das Innenministerium mitteilte. Dem Mann werden eine führende Rolle im syrischen Chemiewaffenprogramm und die Mitverantwortung für den Einsatz des hochgiftigen Nervengases Sarin zur Last gelegt. Nach Angaben des Ministeriums deuten erste Ermittlungen darauf hin, dass der Verdächtige zu den Offizieren gehörte, die die Herstellung von rund 20 mit Sarin gefüllten Bomben mit einem Gewicht von jeweils 250 Kilogramm überwacht hätten. Diese seien zwischen 2013 und 2017 bei Angriffen auf syrische Städte und Ortschaften eingesetzt worden. Nervengase wie Sarin töten innerhalb von Sekunden oder Minuten. Erst im Mai hatte die OPCW zahlreiche nicht deklarierte Chemiewaffenbestände in dem Ex-Bürgerkriegsland entdeckt. Wie die in den Niederlanden ansässige Organisation berichtete, fanden ihre Experten zusammen mit den syrischen Behörden im Mai Dutzende chemische Kampfmittel, unter anderem in Homs, Hama und Latakia. In Syrien gibt es wohl noch mehr als 100 Lagerstätten für Chemiewaffen aus dem Arsenal der Assads – und damit viel mehr als bislang gedacht. Das hat die "New York Times" im vergangenen Jahr berichtet. Die neue syrische Führung hatte nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 zugesagt, verbliebene Chemiewaffenbestände zu beseitigen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem hatte Israel zahlreiche Angriffe auf bekannte Lagerstätten geflogen. Die Stützpunkte sind demnach über das ganze Land verteilt und sollen sich teilweise auch in Höhlen befinden. Sie wurden zu Forschungszwecken genutzt, aber auch für die Produktion und Lagerung von C-Waffen. Das Assad-Regime hat sein Chemiewaffenprogramm in den Siebzigerjahren gestartet. Einige syrische Forscher hatten in der DDR ihr Wissen erlangt. Die Diktatur verfügte über Sarin, Chlor- und Senfgas.