China fürchtet sich vor Buchlesern in Hongkong – Festnahmen

Datum17.07.2026 06:38

Quellewww.spiegel.de

TLDRFünf Personen wurden in Hongkong wegen des Verkaufs von "staatsgefährdenden Inhalten" verhaftet, was den wachsenden Druck auf unabhängige Buchhandlungen unterstreicht. Die Behörden werfen ihnen aufwiegelnde Inhalte vor. Diese Vorfälle ereignen sich im Kontext der zunehmenden Einschränkung von Freiheiten seit der Einführung des Nationalen Sicherheitsgesetzes. Dies deutet auf Pekings Angst vor freiem Denken in der Stadt hin, die einst als autonom galt.

InhaltDie Behörden in Hongkong werden immer radikaler: Zwei Männer und drei Frauen sollen in ihren Läden Publikationen mit "staatsgefährdenden Inhalten" verkauft haben. Der Druck auf unabhängige Buchhändler wächst. Die Polizei in Hongkong hat fünf Menschen wegen Verstößen gegen das umstrittene Nationale Sicherheitsgesetz festgenommen. Wie die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion mitteilte, werfen die Behörden den zwei Männern und drei Frauen vor, in ihren Geschäften Publikationen mit "staatsgefährdenden Inhalten" verkauft zu haben. Die Inhalte der Werke hätten Anstiftung zum Hass gegen Hongkongs Regierung, Justiz und Strafverfolgungsbehörden enthalten, hieß es weiter. Vor den Durchsuchungen am Mittwoch hatte der Zoll laut Regierungsangaben Bücher mit aufrührerischen Inhalten bei der Einfuhr aus dem Ausland abgefangen, woraufhin die Polizei zu ermitteln begann. Lokalmedien berichteten, dass es sich bei den Geschäften um zwei unabhängige Buchläden handelt. Den Laden "Have a Nice Stay" hatten ehemalige Reporter 2022 gegründet, wie die Hongkonger "South China Morning Post" berichtete. Kurz zuvor hatte das Geschäft online mitgeteilt, am 30. August den Betrieb aus finanziellen Gründen und wegen schwer zu fassender "roter Linien" in Hongkong einzustellen. Zuletzt gingen die Behörden gegen andere Buchhändler vor: Die Festnahmen von Buchhändlern in Hongkong offenbarten, dass die chinesische Regierung freies Denken fürchte, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mit. Peking hatte der ehemaligen britischen Kronkolonie nach ihrer Rückgabe an China 1997 für 50 Jahre einen hohen Grad an Autonomie zugesagt, darunter auch Rede- und Pressefreiheit. Seit der Einführung von Hongkongs eigenem Nationalen Sicherheitsgesetz 2024 gehen die Behörden immer wieder gegen Aktivitäten vor, die Peking als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch ansieht. So steht etwa der in Hongkong inhaftierte Aktivist Joshua Wong in einem weiteren Verfahren vor einer Urteilsverkündung. Wie aus dem Gerichtskalender der chinesischen Sonderverwaltungsregion hervorgeht, setzte das Oberste Gericht für den 2. September Plädoyers und eine Urteilsverkündung an. Hongkonger Medienberichten zufolge muss sich der 29-Jährige ebenfalls unter dem umstrittenen Nationalen Sicherheitsgesetz wegen Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften verantworten.