Sportvereine und Geschlechter: Fußball männlich, Cheerleading weiblich

Datum17.07.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Thüringer Sportvereinen besteht eine deutliche Geschlechtertrennung. Während Fußball beinahe ausschließlich von Männern gespielt wird, dominieren Frauen im Cheerleading. Der Landessportbund betont jedoch, dass eine ausgewogene Verteilung in Sportarten wie Schwimmen oder Leichtathletik möglich ist und fordert, dass persönliche Interessen und nicht Geschlechterstereotype die Sportwahl bestimmen. Gezielte Frauenförderung und sichtbare weibliche Vorbilder, auch durch Medienberichterstattung, sollen traditionelle Rollenbilder aufbrechen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sportvereine und Geschlechter“. Lesen Sie jetzt „Fußball männlich, Cheerleading weiblich“. Weite Teile des Breitensports in Thüringen sind noch immer sehr deutlich entlang der Geschlechtergrenze getrennt. So gibt es nach Angaben des Landessportbundes nach wie vor Sportarten, die zum überwiegenden Teil von Männern ausgeübt werden, während andere Sportarten vor allem von Frauen betrieben werden.  "Gleichzeitig zeigen zahlreiche Sportarten, dass eine ausgewogene Geschlechterverteilung möglich ist", sagte die Sprecherin des Landessportbundes, Silvia Otto, der Deutschen Presse-Agentur. Grundsätzlich sollte es aber auch gar nicht das Ziel sein, die entsprechenden Unterschiede vollständig aufzulösen, "sondern allen Menschen unabhängig von Geschlechterstereotypen den gleichberechtigten Zugang zu jeder Sportart zu ermöglichen", sagte Otto. "Entscheidend ist, dass persönliche Interessen und nicht gesellschaftliche Erwartungen die Sportwahl bestimmen." Unter anderem beim Schwimmen, in der Leichtathletik und beim Wandern sind in den Thüringer Sportvereinen nach den Daten des Landessportbundes fast ebenso viele Männer wie Frauen vertreten. Beispielsweise im Volleyball, beim Klettern, beim Karate sowie im Skisport seien beide Geschlechter "nahezu gleichberechtigt" vertreten. Doch in zahlreichen anderen Sportarten herrscht nach wie vor ein großer "gender gap" – also eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Die am deutlichsten von Jungs und Männern dominierten Sportarten in Thüringen sind unter anderem Billard, Darts, Fußball, Schach und Tischfußball. Dort sind jeweils ungefähr 90 Prozent der Sportler Männer. Einen hohen Männeranteil weist mit etwa 80 Prozent der Vereinsmitglieder der Schießsport auf. Dagegen sind im Cheerleading, beim Reitsport sowie beim Tanzen und Turnen die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der entsprechenden Sportvereine im Freistaat Frauen. Beim Cheerleading liegt ihr Anteil nach den Daten des Landessportbundes bei 97 Prozent. Wenngleich es nicht das vorrangige Ziel des Sportverbandes ist, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern beim Sporttreiben vollständig aufzulösen, spricht sich der Landessportbund ebenso wie die Thüringer Landesregierung dafür aus, Frauen im Sport gezielt zu fördern.  Ein Ansatz dazu: Die Berichterstattung über Sportlerinnen erhöhen. "Eine ausgewogenere mediale Berichterstattung kann absolut einen wichtigen Beitrag leisten, weil sie weibliche Vorbilder sichtbarer macht und traditionelle Rollenbilder aufbricht", sagte Otto. Im Fokus solcher Berichterstattung müssten die sportlichen Leistungen der Frauen stehen "und nicht die Bewertung des Aussehens." Auf eine Kleine Anfrage der Linke-Landtagsfraktion hatte sich die Landesregierung jüngst ähnlich geäußert. "Besonders in Thüringen bietet der Wintersport in Oberhof starke Vorbilder für Mädchen und junge Frauen", hieß es in der Antwort der Thüringer Staatskanzlei.  Zu bekannten Wintersportlerinnen aus Thüringen zählen etwa die dreimalige Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm und Vanessa Voigt. Letztere gewann bei den jüngsten Olympischen Winterspielen Bronze mit der deutschen Mixed-Biathlon-Staffel. © dpa-infocom, dpa:260717-930-397414/1