Kinderbetreuung: NRW-Kita-Reform bringt flexiblere Zeiten und mehr Geld

Datum16.07.2026 18:40

Quellewww.zeit.de

TLDRNordrhein-Westfalen reformiert sein Kinderbildungsgesetz (Kibiz) zur Stärkung der Kita-Betreuung. Kernstück ist ein Modell, das qualifiziertes Personal auf Kernzeiten konzentriert, während Randzeiten von Ergänzungskräften abgedeckt werden. Ziel sind flexiblere Zeiten und mehr Geld. Kritiker, wie die GEW und Oppositionsparteien, bemängeln die Reduzierung pädagogischer Arbeit auf Kernzeiten und sehen eine Abwertung von Randzeiten sowie eine mögliche Ersetzung von Fachkräften. Das Gesetz tritt im Sommer 2027 in Kraft.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kinderbetreuung“. Lesen Sie jetzt „NRW-Kita-Reform bringt flexiblere Zeiten und mehr Geld“. Mit einer umfassenden Kita-Reform und mehr Geld will die nordrhein-westfälische Landesregierung die Betreuung der Kinder in den Kitas auf eine verlässlichere Basis stellen. Der Landtag beschloss am Donnerstag in dritter Lesung die Novelle des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) mit den Stimmen von CDU und Grünen. SPD, FDP und AfD stimmten dagegen.  Umstritten war bis zum Schluss, dass der Einsatz von qualifiziertem Fachpersonal künftig auf Kernzeiten konzentriert werden soll. Randzeiten können mit anderen Betreuern abgedeckt werden, etwa staatlich geprüften Kinderpflegerinnen. Das Gesetz soll im Sommer 2027 zu Beginn des Kitajahres in Kraft treten. Das sind die Neuerungen: Dennoch reißt die Kritik nicht ab. Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW NRW) bleibt die Kita-Reform hinter den Herausforderungen zurück. Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft das Kern- und Randzeitenmodell. "Qualifizierte pädagogische Arbeit darf nicht auf Kernzeiten reduziert werden", so die Landesvorsitzende Ayla Celik. Auch aus Sicht der FDP führen die Kernzeiten in Kitas faktisch zu einer Abwertung von Randzeiten. "Der frühkindliche Bildungsauftrag darf nicht in eine wertvolle Kernzeit und eine weniger wertvolle Randzeit zerlegt werden", heißt es in einem Entschließungsantrag. Das Gesetz schaffe keine Verlässlichkeit und entlaste auch Fachkräfte nicht.  Die SPD kritisierte, Ergänzungskräfte sollen nicht mehr unterstützen, sondern Fachkräfte ersetzen. Und das in einer sensiblen Phase des Kita-Tages, wenn Eltern ihre Kinder brächten. Das Modell werde auch keine Kita-Schließungen verhindern, wenn in Kernzeiten weiterhin nicht ausreichend Personal zur Verfügung stehe. "Sie verkaufen den Eltern Stabilität, liefern werden Sie die aber nicht", sagte der SPD-Abgeordnete Dennis Maelzer bereits bei der zweiten Lesung am Mittwoch.  Auch nach Ansicht der AfD senkt die Kita-Reform Standards und ersetzt qualifizierte Fachkräfte durch geringer qualifiziertes Personal. Damit werde kein Fachkräftemangel bekämpft. Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) räumte ein, dass mit dem Gesetz nicht alle Kita-Probleme gelöst seien. Aber mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes schaffe das Land mehr Verlässlichkeit in der Betreuung und verbessere die Bedingungen für frühkindliche Bildung. Schon am Mittwoch hatte Schäffer gesagt: "Die Alternative kann doch nicht sein, dass die Erdmännchen-Gruppe schon wieder geschlossen hat. Wir müssen doch dafür sorgen, dass die Kitas offen sind." © dpa-infocom, dpa:260716-930-396327/1