Datum16.07.2026 15:43
Quellewww.zeit.de
TLDRKabarettist Uwe Steimle verteidigt seinen Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung, bei der er die DDR-Hymne sang und sich abfällig über Friedrich Merz und Angela Merkel äußerte. Er sieht sich im Recht, Kunst zu machen und die Politik satirisch zu verarbeiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens und Androhung von Straftaten, doch Steimles Anwalt hält dies für unzulässig.
InhaltEr habe sich nichts vorzuwerfen, sagt Uwe Steimle, nachdem er mit AfD-Politikern die DDR-Hymne gesungen hatte. Sein Anwalt reagiert auf Ermittlungen des Staatsanwalts. Der Kabarettist Uwe Steimle hat Kritik an seinem Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt zurückgewiesen. "Ich hab mir nichts vorzuwerfen", sagte Steimle dem AfD-nahen Internet-Radiosender Kontrafunk. Er versuche, mit den Mitteln der Satire aufzurütteln. Er sei "ein alter Linker" und lasse sich nicht zu einem "neuen Rechten" machen. Auf der AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau hatte Steimle, der als Gast geladen war, am Dienstagabend die DDR-Nationalhymne angestimmt. Der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, und AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla sangen mit. Daran gab es breite Kritik. Steimles Anwalt wies zudem Vorwürfe zu Äußerungen über Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen eingeleitet. Der Anwalt des Kabarettisten teilte mit, es sei Aufgabe von Kabarettisten, "den Blödsinn um die Politik künstlerisch zu verarbeiten". Dies könne nicht Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen sein. Steimle sei bereit, durch ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft die aus seinen Auftritten entstandenen Irritationen auszuräumen. Auf der AfD-Veranstaltung hatte Steimle indirekt zu Gewalt gegenüber Merz und Merkel aufgerufen. So sagte er über das Porträtbild Merkels, die frühere Kanzlerin habe sich für eine Darstellung im Stehen entschieden, "weil sie ahnt, sie wird bald sitzen". Weiter sagte er: "Im Moment hängt sie erst mal." Und wenn der Nagel breche, "dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen." Über den amtierenden Kanzler sagte Steimle: "Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?" Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein Oberst der Wehrmacht, der für einen Attentatsversuch gegen Adolf Hitler am 20. Juli 1944 bekannt ist. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau leitete nach Steimles Auftritt Ermittlungen nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuchs ein, in dem es um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten geht. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.