Datum16.07.2026 15:41
Quellewww.zeit.de
TLDREx-Chef Giovanni Castellucci des italienischen Autobahnbetreibers wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Grund ist der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua 2018, bei dem 43 Menschen starben. Gericht sah fahrlässige Tötung und Vertuschung von Baumängeln als erwiesen an. Weitere 32 Angeklagte erhielten ebenfalls Haftstrafen. Der Prozess dauerte vier Jahre.
Inhalt2018 stürzte eine Autobahnbrücke in Genua ein, 43 Menschen starben. Ein Gericht sieht die Schuld beim früheren Chef des Autobahnbetreibers, Giovanni Castellucci. Ein Gericht in Genua hat Giovanni Castellucci, den ehemaligen Chef des italienischen Autobahnbetreibers Aspi, zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Es ist das erste Urteil in einem jahrelangen Prozess nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua im August 2018, bei dem 43 Menschen starben. Das Gericht sprach ihn unter anderem der fahrlässigen Tötung schuldig. Weitere 32 von insgesamt 57 Angeklagten wurden ebenfalls schuldig gesprochen. Unter ihnen ist auch der für Instandhaltung zuständige Aspi-Manager Michele Mitelli, der zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der frühere Vizechef des Unternehmens, Paolo Berti, soll für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Castellucci wusste laut Vorwürfen der Anklage bereits seit 2009 von Baumängeln, die für den Einsturz verantwortlich waren. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte ihn, notwendige Wartungsarbeiten vernachlässigt und Warnsignale ignoriert zu haben. Castellucci sitzt bereits wegen eines anderen Verkehrsunglücks im Gefängnis. Dabei ging es um den Sturz eines Busses von einer Brücke in Süditalien im Jahr 2013, bei dem 40 Menschen starben. Castellucci wurde infolgedessen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Im vier Jahre laufenden Prozess um den Einsturz der Brücke in Genua gab es 283 Anhörungen. Neben Castellucci gehören unter anderem zahlreiche Führungskräfte des Autobahnbetreibers sowie dessen Tochterunternehmen Spea sowie Angestellte im italienischen Infrastrukturministerium zu den Angeklagten. Viele von ihnen verweigerten die Aussage. Die Staatsanwaltschaft hat für die 57 Angeklagten insgesamt mehr als 400 Jahre Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Verkehrssicherheit und Urkundenfälschung gefordert. Castelluccis Verteidigung machte hingegen einen Konstruktionsfehler und nicht mangelnde Wartung für den Einsturz verantwortlich. Am 14. August 2018 hatte ein Pfeiler der Morandi-Brücke nachgegeben, sodass die Fahrbahn des viel befahrenen Bauwerks auf einer Strecke von etwa 200 Metern in rund 50 Metern Höhe wegbrach. Dutzende Fahrzeuge stürzten dabei in die Tiefe. Dass der Betonstahl der 1,2 Kilometer langen Brücke spröde war, war bekannt. Nach Angaben des Ermittlungsrichters wurden seit der Einweihung der Brücke 1967 "nicht einmal minimale Instandhaltungsmaßnahmen ergriffen", um die Tragseile des Pfeilers Nummer neun zu verstärken. Auf den baugleichen Pfeilern zehn und elf waren Arbeiten vorgenommen worden. Auch für Pfeiler neun war eine Renovierung vorgesehen. Laut der Anklage wurde ein Abriss der Brücke bereits 2009 erwogen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Castellucci, das Unternehmen autoritär geführt und dabei mehr Wert auf Profit als auf Sicherheit gelegt zu haben. Der Autobahnbetreiber Aspi sowie sein Tochterunternehmen Spea stehen in dem Prozess nicht vor Gericht: Sie hatten einen außergerichtlichen Vergleich mit der Staatsanwaltschaft erzielt, der eine Zahlung von 29 Millionen Euro an den Staat vorsah. Aspi und Spea gehörten zum Zeitpunkt der Katastrophe der Unternehmensgruppe Atlantia, die von der Unternehmerfamilie Benetton kontrolliert wurde. Im Mai 2022 gab die Familie ihre Anteile auf Druck der Politik an den Staat ab.