Datum16.07.2026 15:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Jahr 2025 ereigneten sich deutschlandweit rund 16.500 E-Scooter-Unfälle, was einer Zunahme von 38 Prozent entspricht. Besonders betroffen sind junge Fahrer unter 25 Jahren. Die meisten Unfälle passieren in Großstädten. Experten fordern strengere Kontrollen, höhere Bußgelder und eine bessere Verkehrserziehung, die E-Scooter-Schulungen beinhalten sollte. Zudem werden oft Kopf- und Rumpfverletzungen registriert. Hauptursachen sind Fehlverhalten der Fahrer, Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit.
InhaltAuf E-Scootern sind 2025 deutlich mehr Menschen verunglückt. Vor allem in Großstädten ist die Fahrt gefährlich. Fachleute fordern klare Konsequenzen. Der schnelle Ritt auf dem E-Scooter kann Zeit sparen und Spaß machen – doch immer häufiger verletzen sich Menschen bei der Fahrt. Einige sterben gar. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei deutschlandweit rund 16.500 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das waren etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. 38 Menschen kamen ums Leben, 2024 waren es noch 27 Tote gewesen – das Plus betrug also mehr als 40 Prozent. Rund 1900 Menschen wurden schwer verletzt, etwa 16.200 weitere erlitten leichte Verletzungen. Die Unfälle geschehen besonders häufig in Großstädten: 49,1 Prozent der E-Scooter-Crashs mit Personenschaden registierte die Polizei vergangenes Jahr in Städten mit mindestens 100.000 Einwohnern, 27,8 Prozent in Städten mit mindestens einer halben Million Einwohnern. Der TÜV-Verband forderte mit Blick auf die Zahlen, dass höhere Bußgelder und strengere Haftungsregelungen strikt durchgesetzt werden müssten. E-Scooter sollten fester Bestandteil der Verkehrserziehung werden. Fahrsicherheitstrainings, ähnlich der Radfahrausbildung, während der Schulzeit könnten insbesondere jungen Menschen helfen, Risiken besser einzuschätzen und ihr Fahrzeug sicher zu beherrschen. Laut dem Statistischen Bundesamt waren gut vier von fünf Verunglückten selbst mit dem E-Scooter unterwegs, 822 waren Mitfahrer. Diese Zahl lag im Vorjahr bei 508. Dabei gilt: "Laut Straßenverkehrsordnung sind E-Scooter nur für eine Person vorgesehen, das Mitfahren weiterer Personen ist nicht erlaubt", schreiben die Statistikerinnen und Statistiker. Laut der Fachleute nutzen jüngere Menschen E-Scooter weitaus häufiger als ältere. Auch das erklärt, warum besonders häufig Jüngere in Unfälle verwickelt sind: 53,6 Prozent der im Jahr 2025 Verunglückten waren jünger als 25 Jahre, 83,7 Prozent unter 45 Jahre. Nur 3,1 Prozent gehörten zur Altersgruppe ab 65 Jahren. Joachim Suß, Chefarzt für Kinderchirurgie Bereits am Dienstag hatte sich die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie (DGKJCH) für eine Helmpflicht beim Rollerfahren und gezielte Fahrtrainings ausgesprochen. "Was als flexibler und angesagter Freizeitspaß oder schnelle und bequeme Option für die Schulfahrt gilt, endet für viele Kinder und Jugendliche im Krankenhaus", erklärte die medizinische Fachgesellschaft. Obwohl das Fahren von E-Scootern im Straßenverkehr erst ab 14 Jahren erlaubt sei, verunglückten 500 bis 600 jüngere Kinder. Das seien rund 38 Prozent der jugendlichen Unfälle, teilte die DGKJCH mit. Bei Stürzen drohen vorwiegend gefährliche Kopfverletzungen, Verletzungen des Bauchraums sowie Knochenbrüche im Rumpfbereich. "Entgegen der Wahrnehmung als harmloses Spielzeug haben E-Scooter in der Kinder- und Jugendchirurgie das Trampolin als häufigste Ursache für schwere Freizeitverletzungen abgelöst", erklärte der DGKJCH-Pressesprecher Joachim Suß, Chefarzt für Kinderchirurgie am Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg . Wenn es kracht, dann oft aus mehreren Gründen: In 21,6 Prozent der Fälle nutzen E-Scooter-Fahrer die Fahrbahn oder den Gehweg nicht so, wie es erlaubt ist. In 10,9 Prozent spielt Alkohol eine Rolle. Hinzu kommen überhöhtes oder nicht angepasstes Tempo (8,4 Prozent) sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder beim Ein- und Anfahren, die in 7,5 Prozent der registrierten Unfälle eine Rolle spielen. Oft braucht es nicht einmal ein anderes Fahrzeug, damit es gefährlich wird: In 30,5 Prozent der Unfälle sind E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer allein unterwegs, wenn sie stürzen. Fast die Hälfte der Todesopfer (16 von 33) und gut ein Drittel der Verletzten geht auf solche Alleinunfälle zurück. Doch auch Zusammenstöße sorgen für Tote und Verletzte. In 67,4 Prozent der Fälle mit Personenschaden war ein weiteres Fahrzeug beteiligt, in der Regel ein Auto. Kollisionen mit Pkw sind besonders folgenreich – sie machen 50,5 Prozent der verletzten E-Scooter-Fahrenden aus, sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Unfälle mit E-Scootern spielen gemessen am gesamten Verkehrsgeschehen zwar eine eher kleine Rolle. 2025 zählte die Polizei 297.364 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, in 5,5 Prozent der Fälle war ein E-Scooter-Fahrer oder eine ‑Fahrerin beteiligt. Im Vergleich zu 2024, als der Anteil bei 4,1 Prozent lag, ist ihr Anteil jedoch gestiegen. Zudem machen Fahrten mit dem E-Scooter einen deutlich kleinen Anteil an allen zurückgelegten Wegen aus. Nicht erfasst sind in der Statistik Unfälle, die durch unachtsam abgestellte E-Scooter ausgelöst werden, wie das Bundesamt betont.