Datum16.07.2026 14:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRVor Myanmars Küste werden zwei Flüchtlingsboote vermisst, mutmaßlich mit über 500 Rohingya an Bord. Uno-Organisationen und Rohingya Rights Watch befürchten Hunderte Tote, darunter Frauen und Kinder. Fischer berichten von Leichen im Meer. Die Berichte stammen von Angehörigen und Hilfsgruppen, eine unabhängige Überprüfung ist wegen der instabilen Lage schwierig. Schlepperbanden werden beschuldigt, Menschen in Lebensgefahr zu bringen.
InhaltVor der Küste Myanmars gelten zwei Flüchtlingsboote als vermisst. Uno-Organisationen rechnen mit mehr als 500 Toten, darunter Frauen und Kinder. Fischer berichten von zahlreichen Leichen im Meer. Vor der Küste Myanmars könnten mehr als 500 Geflüchtete bei zwei Unglücken ums Leben gekommen sein. Zwei Boote, die nach Angaben von Angehörigen von der Küste des südostasiatischen Landes in den Golf von Bengalen abgelegt haben, würden vermisst, berichten die Uno-Organisation für Migration (IOM) und das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). "Es gibt bislang keine Berichte über Überlebende", sagte ein IOM-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. An Bord sollen überwiegend Rohingya gewesen sein, also Angehörige der muslimischen Minderheit, die im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten unterdrückt wird. Angaben über die Boote stammen von betroffenen Familien, Nachrichtenportalen und Hilfsgruppen, die die Uno-Organisationen für glaubwürdig halten. Überprüfungen sind in Myanmar schwierig. Das Militär kontrolliert seit einem Putsch 2021 das Land und überall sind Rebellengruppen aktiv. Es sei möglich, dass Tragödien wie diese nie verifiziert werden können, sagte der IOM-Sprecher. Die Organisation Rohingya Rights Watch befürchtet 530 Tote, darunter Frauen und Kinder. Sie beschuldigt ein organisiertes, länderübergreifendes Menschenhandelsnetzwerk, das immer wieder Geflüchtete in Lebensgefahr bringe. An Bord sollen auch Menschen aus dem riesigen Rohingya-Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch gewesen sein. Die Menschen leben dort seit Jahren in beengten Verhältnissen. Viele sehen keine Zukunftsperspektive mehr. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Rohingya Khobor soll ein Boot mit rund 250 Menschen an Bord unweit der Küste gekentert sein. Die Menschen sollen versucht haben, nach Malaysia zu flüchten – eine Überfahrt, die in den gefährlichen Gewässern zwei Wochen dauern kann. Nach Angaben von Anwohnern seien Leichen an der Küste angespült worden, heißt es in dem Bericht des Nachrichtenportals. Unabhängig bestätigen ließen sich die Informationen nicht. Zu einem zweiten Boot mit rund 280 Menschen an Bord sei kurz nach dem Start der Kontakt abgebrochen, berichten IOM und UNHCR. Es soll den Angaben zufolge bereits am 8. Juli gesunken sein. Das Portal Action Against Rohingya Atrocities (AARA) schreibt, dass Fischer vor der Küste zahlreiche Leichen im Meer gesehen hätten. Auch dies ließ sich nicht unabhängig überprüfen. "Auch wenn die Vorfälle und die Opferzahlen noch nicht offiziell bestätigt wurden, sind das UNHCR und die IOM zutiefst besorgt über den möglicherweise verheerenden Verlust an Menschenleben", teilten die Organisationen mit.