Mychajlo Fedorow: Zurückgetretener Verteidigungsminister wirft Militärchef Spaltung vor

Datum16.07.2026 12:31

Quellewww.zeit.de

TLDRDer zurückgetretene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow wirft Militärchef Olexandr Syrskyj vor, Reformen zu blockieren und die Moral zu untergraben. Fedorow bestätigte, Syrskyjs Entlassung vorgeschlagen zu haben, da er eine veraltete Kriegsführung kritisiert. Fedorows Rücktritt ist Teil einer Kabinettsumbildung und löste Proteste aus, die seine Wiedereinsetzung fordern.

InhaltDer bisherige ukrainische Verteidigungsminister Fedorow erhebt Vorwürfe gegen Militärchef Syrskyj. Zugleich bestätigte er, sich für dessen Entlassung eingesetzt zu haben. Der auf Druck des Präsidentenbüros zurückgetretene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat öffentlich Vorwürfe gegenüber dem Chef des ukrainischen Militärs, General Olexandr Syrskyj, erhoben. Bei einem Auftritt in Kyjiw hat Fedorow dem Militärchef vorgeworfen, Reformen zu blockieren, die Karrieren von ambitionierten Offizieren bewusst zu verlangsamen und die Moral des Militärs zu untergraben. Anstelle einer Möglichkeit, "wie sich Russland asymmetrisch besiegen ließe", beschäftige sich Syrskyj damit, "das Land zu spalten", sagte Fedorow.  Der im Rahmen einer Kabinettsumbildung zurückgetretene Minister bestätigte zugleich seit Monaten anhaltende Gerüchte, er habe die Entlassung Syrskyjs erwirken wollen. Das habe er Präsident Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagen, sagte Fedorow, ohne den Zeitpunkt des Vorschlags zu nennen. "Als der Präsident sagte, dass er nicht vorhat, Syrskyj auszutauschen, habe ich diese Entscheidung vollständig akzeptiert", fügte Fedorow hinzu. Er sei bereit dazu gewesen, mit dem Militärchef zusammenzuarbeiten. Dieser aber habe "Intrigen" gesponnen und sich von Fedorow vorgeschlagenen Reformen etwa bei der Mobilmachung verweigert.  Fedorows Rücktritt ist Teil einer Kabinettsumbildung, die Selenskyj mit dem Austausch von Regierungschefin Julija Swyrydenko gegen ihren inzwischen vom Parlament bestätigten Nachfolger Serhij Korezkyj eingeleitet hat. Der Rücktritt der Ministerpräsidentin zieht nach ukrainischem Recht den automatischen Rücktritt des Kabinetts nach sich. Viele zurückgetretene Minister dürften auch dem neuen Kabinett angehören – nicht aber Fedorow.  Der ehemalige Digitalminister bekleidete das Amt an der Spitze des Verteidigungsressorts erst seit Jahresbeginn und gehört zu den populärsten ukrainischen Politikern. Ihm wird ein großer Anteil an vielen technologischen Verbesserungen im ukrainischen Militär zugesprochen. Zugleich galt er schon zu Beginn seiner Amtszeit als Gegner Syrskyjs – der wiederum in der ukrainischen Gesellschaft umstritten ist.  Fedorow sagte bei seinem Auftritt in Kyjiw zwar, dass die Erfolge des Generals nicht gering geschätzt werden dürften. So verwies er auf die Schlüsselrolle Syrskyjs bei der Verteidigung Kyjiws zu Beginn der russischen Invasion und den erfolgreichen Gegenoffensiven in Charkiw und Cherson Ende 2022. "Doch der Krieg hat sich (seitdem) vollständig verändert", sagte Fedorow, etwa mit Verweis auf die Rolle von Drohnen, deren Einsatzbedingungen sich alle paar Monate weiterentwickelten. "Wir können uns nicht auf das verlassen, was damals der Fall war." Syrskyj warf er vor, einen bürokratischen Ansatz zu verfolgen – und zugleich Offiziere, die eigene Ideen entwickelten, systematisch in ihrer Karriere zu hemmen.  Der Rücktritt Fedorows hat in der Ukraine Proteste ausgelöst. Es ist erst die zweite nennenswerte Protestwelle seit Kriegsbeginn sowie die erste seit Sommer 2025. Damals hatte Selenskyj versucht, die Unabhängigkeit der ukrainischen Antikorruptionsbehörden zu beschneiden. Auf Druck der Proteste, negativen medialen Echos und Kritik aus der EU revidierte der Präsident seine Entscheidung. Auf ähnliches hoffen auch die Teilnehmer der aktuellen Proteste: Fotos von Menschen, die sich in Kyjiws Innenstadt versammelten, zeigen Plakate mit der Forderung, Fedorow wieder als Minister einzusetzen. Dieser deutete bei seinem Auftritt an, das nicht für unmöglich zu halten. So habe er ein Angebot Selenskyjs, sich künftig als Berater im Präsidentenbüro zu betätigen, abgelehnt. Zu den Protesten sagte er: "Ich hoffe, dass der Präsident das ukrainische Volk anhört. Und ich hoffe, dass die Situation wieder bereinigt wird."  Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.