Datum16.07.2026 11:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRPräsident Selenskyj tauscht sein Kabinett inmitten des Krieges aus und entlässt den beliebten Verteidigungsminister Mychailo Fedorow. Dies löste in mehreren ukrainischen Städten Proteste aus, Hunderte forderten die Rückkehr Fedorows. Der junge Minister, ein Befürworter von Drohnen, war erst sechs Monate im Amt. Selenskyj begründete die Umbildung mit neuen Herausforderungen.
InhaltPräsident Selenskyj baut sein Kabinett um, auch der beliebte Mychailo Fedorow muss nach nur sechs Monaten als Verteidigungsminister gehen. Viele Menschen in der Ukraine sind offenbar dagegen. Wolodymyr Selenskyj baut seine Regierung inmitten des Kriegs um, auch Verteidigungsminister Mychailo Fedorow muss gehen und hat seinen Rücktritt erklärt. In mehreren ukrainischen Städten gingen nun zahlreiche Menschen aus Protest dagegen auf die Straße. Allein in der Hauptstadt Kyjiw versammelten sich Hunderte Demonstranten auf einem zentralen Platz, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Demonstranten skandierten demnach Rufe wie "Schande" und "Bring Fedorow zurück". Viele der Protestteilnehmer in der ukrainischen Hauptstadt schwenkten Flaggen der EU und der Ukraine, hieß es weiter. Auch in anderen Orten des Landes gingen örtlichen Medien zufolge die Menschen auf die Straße. Fedorow hatte am Vortag seinen Rücktritt erklärt. "Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen", schrieb der Minister am Mittwochabend im Onlinedienst Telegram. Ukrainischen Medienberichten zufolge könnte Fedorow durch den derzeitigen Innenminister Ihor Klymenko ersetzt werden. Mit 35 Jahren war Fedorow bei seiner Ernennung der jüngste Verteidigungsminister, den die Ukraine je hatte. Er hatte die Leitung des Ministeriums mit dem Auftrag übernommen, der ukrainischen Kriegsmaschinerie nach vier Jahren Krieg frischen Wind zu verleihen. Er war ein früher Befürworter des zunehmenden Einsatzes von Drohnen gewesen, die mittlerweile unverzichtbar an der Front sind. Selenskyj hatte die Regierungsumbildung mit "neuen Herausforderungen und neuen Aufgaben" begründet. Neben Fedorow soll auch Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko ausgetauscht werden. Neuer Ministerpräsident soll der Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, werden. Umbildungen des Kabinetts bedürfen der Zustimmung des Parlaments – wobei sich die Abgeordneten seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 weitgehend hinter den Präsidenten gestellt haben. Lesen Sie hier mehr zum Krieg in der Ukraine: Russische Truppen kämpfen sich in der Ostukraine vor, die Stadt Kostjantyniwka steht kurz vor dem Fall. Doch ihr strategischer Wert ist umstritten – und der Kreml müsste für ihre Einnahme empfindliche Opfer bringen.