Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Privat statt Staat: Ein Motto zum Erhalt von Parkbänken?

Datum16.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRFrau R. möchte eine Parkbank am Hummelsee stiften, doch die Stadt wies ihr lange kein Gehör. Bürokratie und Sparmaßnahmen der Stadt Hamburg sind ein Problem. Gleichzeitig plant Hamburg eine Umgestaltung des Hammaburg-Platzes zu einer Parkanlage, um die Verbindungen zwischen Alster und Elbe zu verbessern. Ein Start-up plant im Hamburger Hafen, CO₂ in der Nordsee zu speichern, und erhält dabei Unterstützung von der Stadt.

InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – Mit neuen Plänen für die Innenstadt, Kulturspartipps von ganz oben und einem kleinen bisschen Hoffnung für den Klimaschutz vor ein paar Tagen bin ich mit einer älteren Dame aus Hummelsbüttel am Hummelsee spazieren gegangen, einer früheren Kiesgrube am nördlichen Stadtrand. Zwanzig Jahre lang ist Regine R. zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann hier nahezu täglich hergekommen: knapp vier Kilometer durch die Ackerlandschaft der Feldmark bis zu ihrem Lieblingsplatz am Ufer. Blesshühner waren auf dem Wasser unterwegs, im Schilf lauerte reglos ein Reiher. Hinter dem See erhob sich die baumbestandene Anhöhe des Müllbergs, den ich bislang nur als Rodelberg kannte. "Wenn man hier so sitzt – ich finde das richtig schön", sagte Frau R. Dass wir saßen, lag daran, dass ich Klappstühle mitgebracht hatte. Das war der Grund des Treffens: Regine R. würde der Stadt gerne eine Parkbank stiften, ihr selbst und anderen Spaziergängerinnen und Spaziergängern zur Freude und zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann. Das hatte sie der zuständigen Wandsbeker Bezirksverwaltung mehrfach vorgeschlagen, aber keine Antwort bekommen. Am Hummelsee stehen schon ein paar Bänke, allerdings nicht an Frau R.s Lieblingsstelle. Sie sehen aus wie verwitterte Holzskulpturen und erfüllen sicherlich bei schönem Wetter ihren Zweck. An nassen Tagen kann man sich bessere Sitzgelegenheiten denken. Parkbänke beschäftigen mich (Z+), seit die Verwaltung des Bezirks Nord dem Senat im Zuge der Haushaltsverhandlungen gedroht hat, sie in Zukunft nicht mehr instand zu halten, sondern abzubauen, sollten die Mittel für die Grünpflege nicht deutlich erhöht werden. Ob die Drohung plausibel war, ist Ansichtssache, aber jedenfalls muss die Stadt sparen. Und man kann die Privatisierung staatlicher Aufgaben generell skeptisch sehen, scheint mir, und dennoch privat gestiftete Bänke sinnvoll finden. Frage an die Wandsbeker Bezirksverwaltung: Was spricht dagegen? Wie sich herausstellte, spricht aus Sicht der Verwaltung nichts dagegen. Man habe bloß vergessen, Regine R. mitzuteilen, dass ihr Ansinnen noch geprüft werde. Inzwischen ist die Prüfung abgeschlossen. Das Ergebnis steht demnächst am Hummelsee. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Weil nicht genug Toilettenpapier an Bord war, hat ein ICE am Samstag auf dem Weg von Sylt nach Berlin einen Zwischenstopp in Bergedorf eingelegt. Der Zugchef stieg aus und kaufte im nahegelegenen Supermarkt drei Packungen, bestätigte die Deutsche Bahn. Ein Video seiner Rückkehr zum Zug ging auf Instagram viral. In Hamburg erhielten im vergangenen Jahr 12.640 pflegebedürftige Menschen finanzielle Hilfe vom Staat – laut Statistikamt Nord fünf Prozent mehr als 2024. Sozialhilfeberechtigt sind Personen, die ihre Pflegekosten nicht selbst oder mithilfe der Pflegeversicherung decken können. Wegen der Erneuerung dreier Bahnbrücken werden ab morgen bis voraussichtlich zum 30. August die Gleise der sogenannten Verbindungsbahn zwischen Hauptbahnhof und Altona gesperrt. Fahrgäste der Linien S2, S5 und S7 müssen zwischen Altona und Sternschanze auf Ersatzbusse umsteigen. Die Stadt Hamburg gibt etwa 240.000 Euro für eine Vorstudie zu einer Hyperloop-Vakuum-Magnetschwebebahn in Hamburg aus. Das ergibt sich aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Bürgerschaftsanfrage der Linksfraktion. In Teilen von Winterhude, Barmbek und Wandsbek fährt der Sammeltaxi-Anbieter Moia nun mit bis zu zehn selbstfahrenden Elektro-Kleinbussen. Das Angebot durchläuft eine Testphase; ausgewählte, vorab registrierte Fahrgäste können es kostenlos nutzen. Ein Sicherheitsfahrer sitzt im Fahrzeug. Der Hammaburg-Platz in der Hamburger Innenstadt, an dem sich unter anderem die Petri-Kirche und das Helmut-Schmidt-Haus mit der ZEIT-Redaktion befinden, soll erheblich vergrößert und als Parkanlage völlig neugestaltet werden. Das ist das wichtigste Zwischenergebnis eines aufwendigen städtebaulichen Beteiligungsverfahrens zur Entwicklung der sogenannten Domachse, das der Senat in dieser Woche vorgestellt hat. Der Straßenzug verbindet den Jungfernstieg an der Binnenalster mit der historischen Speicherstadt; seine südliche Fortsetzung durchquert die HafenCity bis ans Ufer der Norderelbe. Seit den 1970er-Jahren hat die Stadt mehrere Anläufe unternommen, den früher Domplatz genannten Hammaburg-Platz neu zu nutzen, die sich aber alle nicht durchsetzen konnten. Die gegenwärtige Gestaltung mit beleuchteten Sitzgelegenheiten existiert seit 2008 und war von vornherein nur als Übergangslösung gedacht. Der sogenannte Rahmenplan, der nun öffentlich vorgestellt wurde, legt Grundzüge der späteren Bauleitplanung fest und wurde seit 2023 in Workshops und durch Entwürfe fünf international ausgewählter Teams von Stadtplanerinnen und Stadtplanern vorbereitet. Insgesamt sehen die Pläne größere Grünflächen, fünfzig mögliche Standorte für zusätzliche Bäume und großzügige Rad- und Fußwege vor. Dem motorisierten Straßenverkehr wird dafür etwa ein halber Hektar Verkehrsfläche entzogen. Der Hammaburg-Platz soll zu einer baumbestandenen Parkanlage weiterentwickelt werden und dabei einen Teil der nördlich gelegenen Straße Speersort in sich aufnehmen. Ein Ziel der Neuplanung soll "die räumliche Kontinuität zwischen Binnenalster und Elbe für Fußgängerinnen und Fußgänger und Radfahrende" sein, heißt es in dem Konzept. Ungelöst bleibt dabei das Problem der stark befahrenen Willy-Brandt-Straße, die eine bequeme fußläufige Verbindung der Innenstadt mit Speicherstadt und HafenCity verhindert. Mehrfach hatte es aus der Politik oder durch Bürgerinitiativen den Vorschlag gegeben, diese Trennwirkung aufzuheben oder abzumildern, indem die Willy-Brandt-Straße überbrückt, untertunnelt oder selbst in einen Tunnel verlegt würde. Die Fachleute der Stadt fanden diese Vorschläge aber noch nie überzeugend. "Alle Ideen erwiesen sich als in der Umsetzung unpraktikabel", heißt es dazu in der Stadtentwicklungsbehörde. Von Frank Drieschner Ein Klima-Start-up will CO₂ aus dem Hamburger Hafen in der Nordsee speichern – und die Stadt will mitmachen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Kristina Läsker. In einer Garage im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel steht ein silberner Apparat mit Gefäßen und Leitungen: Das ist ein Reaktor. Daneben lehnen Gasflaschen, in Regalen stapeln sich Eimer mit Kalk. "Hier haben wir losgelegt", sagt Frank Rattey. Der 53-Jährige zeigt auf den Boden vor sich. "Dort stand der erste Reaktor." Rattey ist Wirtschaftsingenieur, früher hat er als Manager bei Airbus gearbeitet. Heute engagiert sich der Hamburger beruflich für den Klimaschutz: Mit zwei Geochemikern und einem Wirtschaftsingenieur gründete er 2022 das Start-up Planeteers. In dieser Werkstatt im Wohnviertel haben sie ein Verfahren entwickelt, um – schlicht ausgedrückt – Kohlenstoffdioxid (CO₂) im Reaktor chemisch umzuwandeln und in neuer Form im Meer zu speichern. Im Februar lud Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank die Gründer zu sich in die Behörde ein. Die grüne Politikerin wollte mehr über das Verfahren wissen. Das Ergebnis: Stadt, Start-up und Hamburg Wasser wollen beim Umgang mit CO₂ kooperieren. Der Plan: Planeteers kümmert sich um das CO₂, das vom Klärwerk Köhlbrandhöft im Hafen ausgestoßen wird. Statt in die Atmosphäre zu gelangen, soll es gewandelt und in der Nordsee gebunden werden. Das gemeinsame Vorhaben steht erst ganz am Anfang, es geht um vergleichsweise geringe Mengen. Doch die Kooperation zeigt, wie sich die Klimapolitik des rot-grünen Senats langsam ändert – vor allem beim CO₂-Ausstoß städtischer Betriebe. Statt allein auf die Reduktion von CO₂ zu setzen, will die Hansestadt mittels der neuen Technik gezielt Treibhausgase aus einem öffentlichen Unternehmen speichern und ausloten, wie das zu den Klimazielen beiträgt. Und es wäre ein Test für eine Technologie, die sich womöglich auch auf größere Quellen in der Industrie und konkret in der Abfallbeseitigung übertragen lässt. Wie das Verfahren funktioniert und ob es als unbedenklich eingestuft werden kann, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Wolfram Weimer will in seinem Entwurf zum Kulturetat 2027 unter anderem beim Reeperbahn Festival kürzen. Interessant ist, wer mehr Geld bekommen soll. ZEIT-Autor Jens Balzer ordnet die Auswirkungen des Entwurfs für die betroffenen Bereiche ein. → Zum Artikel (Z+) Das Barlach Kunstmuseum Wedel zeigt mit "Echo" 53 Gemälde aus der privaten Sammlung "Perlmutt" von Rosa Loy und Neo Rauch. Beide leben und arbeiten gemeinsam, sie haben die Neue Leipziger Schule geprägt – und dennoch sind ihre Arbeiten autonom und unverwechselbar. Die Ausstellung bietet einen repräsentativen Einblick in das Schaffen der Künstler aus zwei Jahrzehnten. In dieser Zusammenstellung werden die Arbeiten von Loy und Rauch in Deutschland zum ersten Mal gezeigt. "Echo", bis 27.9., Do.–So., 11–18 Uhr; Barlach Kunstmuseum Wedel, Mühlenstraße 1, 22880 Wedel Im 3er-Bus Richtung Bahrenfeld. Ich sehe eine Frau, die mir Stunden zuvor im Bus in Gegenrichtung wegen ihrer zu den Birkenstockschlappen passend lackierten Fußnägeln aufgefallen war. "Waren Sie nicht vorhin auch im Bus?" – "Ja, richtig." – "Waren Sie auch bei dem Konzert?" – "Nein, Essen." Gehört von Anja Hütter Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.