Datum16.07.2026 04:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie USA intensivieren ihre Angriffe auf Iran, um dessen Fähigkeit zur Bedrohung von Handelsschiffen in der Straße von Hormus einzuschränken. Mehrere iranische Städte wurden getroffen, während Kuwait und Bahrain Drohnenangriffe abfingen. UN-Generalsekretär Guterres äußert sich besorgt und ruft zur Deeskalation auf. Donald Trump droht mit weiteren Angriffen auf Infrastruktur, lobt aber auch eine Geste des guten Willens Irans.
InhaltDie nächste Nacht, die nächsten Bombardements: Die USA starten neue Angriffe, Iran schickt Drohnen, Donald Trump verbreitet die übliche Kriegsrhetorik. Mittendrin findet der US-Präsident auch lobende Worte für den Gegner. Nach den neuen Angriffen und Drohungen der USA gegen Iran scheint eine diplomatische Lösung erneut in weite Ferne gerückt zu sein. Das US-Militär startete am Mittwoch gleich zwei Angriffswellen. Die jüngste begann um 21.00 Uhr deutscher Zeit und dauerte bis etwa 3.00 Uhr, wie das für die Region zuständige Kommando des US-Militärs (Centcom) auf X mitteilte. Mit den Angriffen solle die Fähigkeit Irans eingeschränkt werden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen. Konkretere Angaben zum Ziel der Angriffe machten die Streitkräfte zunächst nicht. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete von drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Angriffe soll es demnach auch in Rask im äußersten Südosten des Landes sowie in der Umgebung von Bandar-e Abbas am Persischen Golf und in Ahvas im Südwesten gegeben haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf einen lokalen Behördenvertreter, vier Orte am Rande von Ahvas seien getroffen worden. Kurz nach Beginn der neuen Angriffe waren in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain wieder Sirenen und Explosionsgeräusche zu hören. Die Flugabwehr sei wegen Drohnenattacken aktiviert worden, teilte die Armee des Emirats Kuwait auf X mit. In Bahrain wurde die Bevölkerung aufgerufen, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu bringen. Wie schon in den Nächten zuvor wurde auch diesmal nichts Näheres bekannt, aber beide Länder sind im Krieg immer wieder Ziel iranischer Vergeltungsangriffe. In Kuwait fingen die Streitkräfte am Mittwoch nach eigenen Angaben vier Marschflugkörper und 21 Drohnen ab, die in den Luftraum des Landes eingedrungen waren. Das US-Militär unterhält dort wie auch in Bahrain und anderen arabischen Staaten der Region Militärstützpunkte. Uno-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst besorgt" von der anhaltenden militärischen Eskalation in der Region. Er rief alle Beteiligten auf, sofort Schritte zur Deeskalation zu unternehmen und zu Dialog und Diplomatie zurückzukehren. Seit Dienstag blockieren die US-Streitkräfte wieder iranische Häfen. Innerhalb der ersten 24 Stunden leiteten sie nach eigenen Angaben zwei Handelsschiffe um, die versucht hätten, die Blockade zu durchbrechen. Zudem griff das US-Militär am Mittwoch laut Centcom einen unbeladenen Öltanker an, der demnach einen iranischen Hafen im Persischen Golf ansteuern wollte. Die Schiffsbesatzung habe verschiedene Warnungen ignoriert und versucht, gegen die Seeblockade zu verstoßen. Lesen Sie das Interview zum Krieg im Nahen Osten: "Keine Seite kann ihre Ziele mit militärischen Mitteln erreichen" Das Schiff sei in internationalen Gewässern in Richtung der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg unterwegs gewesen. Man habe den Schornstein des unter der Flagge Curaçaos fahrenden Schiffes mit Raketen beschossen und es manövrierunfähig gemacht, teilte das US-Militär mit. Die USA hatten während des Irankriegs bereits ab Mitte April eine Seeblockade gegen Schiffe durchgesetzt, die iranische Häfen oder Küstengebiete ansteuern oder von dort wegfahren. Diese wurde dann aber im Zuge des Rahmenabkommens mit Teheran Mitte Juni aufgehoben. Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf US-Beamte, dass Trump zu einer Ausweitung des militärischen Vorgehens gegen Iran tendiere, aber noch keine endgültige Entscheidung über die nächsten Schritte getroffen habe. Optionen sind demnach, die Luftangriffe auszuweiten, Bodentruppen zur Eroberung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als "Pickaxe Mountain" bekannt ist. Trump hatte jüngst mit einem Angriff auf den Komplex gedroht, der im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran liegt. Der US-Präsident hatte Iran zudem einmal mehr mit Angriffen auf zivile Infrastruktur gedroht. Auf die Frage einer Journalistin, ob er Iran ein Ultimatum gebe, bevor das US-Militär mit Bombenangriffen auf Brücken beginnen würde, sagte Trump am Mittwoch: "Ich mag es nicht, Fristen zu setzen." Am Dienstag hatte Trump dem US-Sender Fox News noch gesagt, nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, "es sei denn, sie (die Iraner) kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln". Er kündigte zudem heftige Angriffe auch in den kommenden Nächten an. Zwischen all der Kriegsrhetorik fand Trump auch versöhnliche Worte für den Gegner. Iran habe einer Ende 2024 in Haft genommenen US-Bürgerin erlaubt, das Land zu verlassen, teilte er auf Truth Social mit. "Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens seitens Irans zu schätzen!" Details zu der Frau nannte Trump nicht, er schrieb bloß, dass sie sich außer Landes befinde und in Sicherheit sei.