Datum15.07.2026 13:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRSchwere Unwetter verursachten in Bayern und Thüringen erhebliche Schäden und Verletzte. In Reutlingen führten Starkregen und Hagel zu Überflutungen und Stromausfällen. In Garmisch-Partenkirchen wurden sechs Soldaten durch Blitzschlag verletzt. In Mittelfranken beschädigte ein auf die Gleise gefallener Baumstamm einen Regionalzug. Der Nürnberger Flughafen musste zeitweise den Betrieb einstellen. Auch in Thüringen gab es Zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume und Überschwemmungen. Weitere Unwetter werden für Bayern erwartet.
InhaltUnd wieder Gewitter, Hagel, Starkregen: In Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen gab es schwere Schäden durch Unwetter, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Gefahr ist noch nicht überall gebannt. In Reutlingen hat ein schweres Unwetter mit Hagel am frühen Morgen mehrere Straßen überflutet und einen stundenlangen Einsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Zudem fiel in Teilen des Stadtgebiets vorübergehend der Strom aus, wie die Polizei mitteilte. Laut dem zuständigen Netzbetreiber, der Fairnetz GmbH, waren rund 6000 Hausanschlüsse im Bereich der Kernstadt am Morgen für etwas mehr als eine Stunde ohne Strom. "Ursache war aller Voraussicht nach ein Blitzeinschlag im Zuge des Gewitters", hieß es. Das Unwetter zog nach offiziellen Angaben gegen 5 Uhr früh über die Stadt und umliegende Gemeinden. Zahlreiche Abflussschächte verstopften, mehrere Straßenabschnitte wurden teilweise überflutet. Die Bereiche wurden zeitweise abgesperrt. Die Einsatzkräfte hatten mehrere Stunden zu tun, um die Schäden zu beseitigen und den Verkehr zu regeln. Meldungen über Verletzte gab es nicht. Im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen schlug ebenfalls der Blitz ein, dabei wurden sechs Soldaten der Bundeswehr verletzt. Die Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren befanden sich am frühen Morgen während eines Gewitters in einem Biwak am Hohen Brendten, einer Anhöhe am Kranzberg bei Mittenwald, wie die Polizei mitteilte. Fünf von ihnen erlitten demnach leichte Verletzungen, ein weiterer wurde mittelschwer verletzt. Da zunächst unklar war, wie viele Menschen betroffen waren, rückten mehrere Rettungs- und Einsatzfahrzeuge an. Alle Verletzten wurden in eine Klinik gebracht. Bleibende Schäden sind laut Polizei nach ersten Erkenntnissen nicht zu befürchten. Nach dem Verletzungsbild deutet demnach vieles darauf hin, dass ein 18-Jähriger direkt vom Blitz getroffen wurde. Ein Regionalzug hat im Landkreis Erlangen-Höchstadt im bayerischen Mittelfranken einen Baumstamm überfahren, der infolge eines Unwetters auf die Gleise gefallen war. Der Vorfall ereignete sich einem Bundespolizeisprecher zufolge am Dienstagabend bei Kalchreuth auf der Strecke vom Bahnhof Nürnberg Nordost in Richtung Bahnhof Eschenau. Durch den Aufprall wurde der Zug beschädigt und konnte nicht weiterfahren. Für die 25 bis 30 Reisenden, die den Zug laut dem Bundespolizeisprecher verlassen mussten, wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Am Nürnberger Flughafen wurde der Flugbetrieb zeitweise eingestellt. Einsatzkräfte beseitigten nach Angaben des Flughafens unter anderem umgestürzte Bäume und kümmerten sich um Schäden an Dächern sowie Wasserschäden. Drei Flüge wurden demnach umgeleitet, vier weitere verspäteten sich. Insgesamt gingen bei der Integrierten Leitstelle Nürnberg innerhalb von rund fünf Stunden etwa 3000 Notrufe ein – "eine so noch nie dagewesene Zahl", wie die Feuerwehr berichtete. Schlussendlich rückten um die 3000 Kräfte zu rund 1100 Einsätzen aus. Auch Mitarbeiter, die freihatten, wurden alarmiert, etwa um bei der Annahme der Notrufe mitzuhelfen. Auch in Thüringen haben Unwetter schwere Schäden verursacht. Umgestürzte Bäume und Überschwemmungen führten am Dienstagabend zu zahlreichen Einsätzen, wie Sprecher der Polizei und verschiedener Landratsämter sagten. Demnach rückten Polizei und Feuerwehr unter anderem in der Region um Gotha und in den Landkreisen Unstrut-Hainich-Kreis und Eichsfeld aus. Durch das Unwetter wurde laut Polizei vermutlich Heizöl in die Unstrut in Mühlhausen gespült. Dort hatten Anwohner Dieselgeruch und verfärbtes Wasser gemeldet. Die Feuerwehr setzte sogenannte Ölsperren ein, um zu verhindern, dass sich das Öl weiter ausbreitet. In die Stadtbibliothek in Worbis drang Wasser ein. In Mühlhausen konnte wegen des Unwetters ein Zug den Bahnhof nicht verlassen. Im Ilmkreis stand das Wasser nach heftigem Hagel auf einigen Straßen teils bis zu 15 Zentimeter hoch. Im Landkreis Eichsfeld wurden mehrere Einkaufsmärkte geflutet. Auch die dortige Landesgartenschau (LGS) blieb nicht verschont: Wege seien überspült, Pavillons beschädigt und Sonnenschirme umgerissen worden, hieß es von den Behörden. In Büroräume drang Wasser ein. Im Ausstellungsgebäude Blumenblock stand das Kellergeschoss samt Fahrstuhlschacht unter Wasser. Am Morgen wurde der Fahrstuhl dort aber wieder in Betrieb genommen und die LGS planmäßig geöffnet. Entspannung ist derweil nicht überall in Sicht: Der Mittwoch soll laut Deutschem Wetterdienst (DWD) vor allem in Bayern erneut eher unruhig werden. Besonders in Oberbayern und Schwaben sei für den Nachmittag und Abend mit schweren Gewittern zu rechnen, hieß es. Dabei seien örtlich Hagelkörner so groß wie Golfbälle, Orkanböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde und Starkregen mit bis 40 Litern pro Quadratmeter möglich. Um die Menschen vor der Hitze zu schützen, tut die Bundesregierung bislang wenig. "Vielleicht muss man Friedrich Merz erst daran erinnern, dass auch die Wirtschaft leidet", schreibt SPIEGEL-Kolumnistin Sara Weber. Den ganzen Text lesen Sie hier.