Datum15.07.2026 11:15
Quellewww.spiegel.de
TLDROpenAI entwickelt angeblich einen Smart Speaker mit erweiterter Funktionalität. Das Gerät soll über eine Kamera und Sensoren verfügen, um die Umgebung wahrzunehmen, und durch das neue Sprachmodell GPT Live besonders natürliche Gespräche ermöglichen. Diese Hardwareentwicklung ist ein strategischer Schritt, der durch die Übernahme von Jony Ives Designfirma unterstützt wird. Apples Klage wegen gestohlener Firmengeheimnisse könnte jedoch die Entwicklung und Markteinführung verzögern. Dies geschieht im Kontext von Apples eigener Smart-Home-Geräteentwicklung, die ebenfalls auf eine verbesserte Siri setzt.
InhaltDas erste Gadget von OpenAI könnte ein Smart Speaker sein. Gerüchten zufolge soll das Gerät menschliche Züge annehmen und seine Umgebung wahrnehmen können. Dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI an eigenen KI-Gadgets arbeitet, ist kein Geheimnis. Um welche Art von Geräten es sich dabei handelt, darum ranken sich Gerüchte. Das Portal "The Information" berichtete schon im Februar, es werde eine Art smarter Lautsprecher sein, ein Smart Speaker. Das Finanznachrichtenportal Bloomberg berichtet nun von ersten angeblichen Details. Der oft gut über Vorgänge im Silicon Valley informierte Bloomberg-Redakteur Mark Gurman schreibt, der smarte Lautsprecher werde mit einigen interessanten Extras ausgestattet sein. Demnach soll das Gerät mit einem Akku bestückt sein, damit man es in verschiedenen Räumen nutzen kann, ähnlich wie den aktuellen Sonos Play (hier unser Testbericht). Zusätzlich sei er aber mit mindestens einer Kamera und verschiedenen Sensoren bestückt, um seine Umgebung zu erfassen. Mysteriöse "mechanische Elemente" sollen demnach den Eindruck bestärken, er sei mehr als bloß eine Maschine. Diesen Eindruck soll aber vor allem die Integration von GPT live vermitteln, einem neuen Sprachmodell, das besonders natürliche Gespräche mit der KI ermöglichen soll. OpenAI hat es Anfang Juli vorgestellt . Die Entwicklung eigener Hardware ist für OpenAI eine große Wette. OpenAI hatte Jonathan Ives Start-up io im vergangenen Jahr für 6,5 Milliarden Dollar übernommen. Ive war fast drei Jahrzehnte lang bei Apple tätig gewesen. Er war maßgeblich an der Entwicklung legendärer Produkte wie den iPods, den iPhones und vielen anderen Apple-Geräten beteiligt. Der Designer galt als Vertrauter des Apple-Mitgründers Steve Jobs. Im Jahr 2019 verließ er Apple und machte sich mit dem Designstudio LoveFrom selbstständig. Zuletzt machte er mit dem ersten Elektro-Ferrari Schlagzeilen . Schnell machten Gerüchte die Runde, Ive habe womöglich sein Wissen aus der angeblichen Entwicklung eines Apple-Car in den italienischen Sportwagen einfließen lassen. Während das nur Gerüchte sind, ist sicher, dass OpenAI in kurzer Zeit zahlreiche Mitarbeiter von Apple abgeworben hat . Angeblich sollen es mehr als 400 sein . Sie sind mit viel Geld angelockt worden. Und viele mit der Aussicht, mit Jonathan Ive an völlig neuen Produkten arbeiten zu können. Apple argwöhnt nun, einige der ehemaligen Mitarbeiten hätten beim Umzug zu OpenAI mehr als nur ihre Arbeitskraft mitgenommen. Am Wochenende reichte der iPhone-Konzern Klage gegen das ChatGPT-Unternehmen ein. Der Vorwurf: Mitarbeiter sollen Firmengeheimnisse mitgenommen haben. In der Klageschrift wird bestimmten Ingenieuren vorgeworfen, sie hätten ihre Arbeits-Laptops nicht zurückgegeben. Bestimmte Personen sollen sich nach dem Wechsel gar über eine wenig bekannte Sicherheitslücke in Apples Netzwerk eingewählt und von dort geheime Unterlagen über künftige Produkte heruntergeladen haben. OpenAI reagierte auf die Vorwürfe zunächst gelassen. Ein Sprecher sagte: "Wir haben kein Interesse an den Firmengeheimnissen anderer Unternehmen". Man nehme Apples Vorwürfe zwar ernst, habe aber keine Hinweise darauf, dass diese begründet seien. Dennoch könnte das von Apple angestrebte Verfahren bei OpenAI zu Verzögerungen führen. Die Entwickler dürften nun angehalten sein, absolut sicherzustellen, dass die von ihnen erdachten Produkte keine Hinweise darauf geben, dass darin Apple-Know-How steckt. Unklar ist zudem, inwiefern Apples Klage die Entwicklung ausbremsen wird. Verfahren wie dieses können sich vor US-Gerichten über Monate, wenn nicht Jahre, hinziehen. Apple dürfte ein verzögerter Start von OpenAIs Gadgets gelegen kommen. Gerüchten zufolge hat das Unternehmen seinerseits ein Gerät entwickelt, das ähnliche Aufgaben erledigen soll wie der angebliche Smart Speaker von OpenAI. Apples Version soll laut Bloomberg allerdings mit einem Bildschirm bestückt sein. Während die Hardware offenbar schon länger startbereit ist, sei die Einführung wegen des ruckeligen Starts der neuen Siri verschoben worden. Mit iOS 27, macOS 27 und weiteren Updates wird die verbesserte Siri nun aber im Herbst tatsächlich eingeführt, wenn auch nicht in der EU. Erste öffentliche Betaversionen der neuen Betriebssysteme sind in dieser Woche veröffentlicht worden, was darauf hindeutet, dass deren Entwicklung nach Plan läuft. Die Freigabe der finalen Versionen, ein denkbarer Termin dafür wäre der September, wäre dann eine gute Gelegenheit für Apple, das neue Smart-Home-Gerät auf den Markt zu bringen. Es wäre quasi eine körperliche Manifestation der neuen Siri. Und damit genau das, was OpenAI dem Bloomberg-Bericht zufolge mit seinem Smart Speaker und ChatGPT Live vorhat.