Datum15.07.2026 10:09
Quellewww.spiegel.de
TLDRChina hält seit über 18 Monaten den US-Seismologen Youlin Chen unter Spionagevorwürfen fest, nun wurde der Fall öffentlich. Chen wurde bei dem Versuch, China zu verlassen, festgenommen. Die USA stufen ihn als "zu Unrecht inhaftiert" ein und fordern seine Freilassung. Der Fall ist auf höchster Ebene Gegenstand von Verhandlungen zwischen den USA und China, auch Trump sprach das Thema bei einem Treffen mit Xi Jinping an. Chens Familie bestreitet die Vorwürfe und sorg sich um seine Gesundheit.
InhaltChina hält bereits seit Monaten einen US-Seismologen unter Spionagevorwürfen in Gefangenschaft, nun macht dessen Familie den Fall publik. Im Hintergrund wird derweil offenbar längst auf höchster Ebene verhandelt. Der Fall eines in China inhaftierten US-Wissenschaftlers, der in der Vergangenheit unter anderem zur Erkennung nordkoreanischer Atomwaffentests geforscht hat, sorgt für neuen Ärger zwischen Peking und Washington. Wie der TV-Sender CNN berichtet, wird der 54 Jahre alte Youlin Chen bereits seit über 18 Monaten in China festgehalten – er war demnach am Flughafen beim Versuch der Ausreise aus der Volksrepublik nach einem Familienbesuch festgenommen worden. Am 1. Mai 2025 wurden Spionagevorwürfe gegen den chinesischstämmigen Forscher erhoben, ein Prozess wurde Chen bislang aber nicht gemacht. Bei einer Verurteilung wegen Spionage sind in China lebenslange Haftstrafen möglich, in besonders schweren Fällen droht die Todesstrafe. Chens Fall wird übereinstimmenden Berichten zufolge bereits seit Monaten auf höchster Ebene zwischen den USA und China diskutiert. Außenminister Marco Rubio hatte Chen laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits am 19. März als "zu Unrecht inhaftiert" eingestuft und zur Toppriorität der US-Regierung erhoben. Chen ist demnach der derzeit einzige derart eingestufte US-Staatsbürger in China. Die NGO Foley Foundation vermutet jedoch, dass mindestens 12 weitere US-Amerikaner unrechtmäßig in China festgehalten werden. Laut CNN soll Chen auch beim Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Mai zumindest indirekt Thema gewesen sein. Trump habe bei dem Treffen deutlich gemacht, "dass er möchte, dass jeder im Ausland inhaftierte Amerikaner nach Hause zurückkehrt", teilte das Weiße Haus mit. Um die diplomatischen Bemühungen zur Freilassung des Seismologen nicht zu gefährden, hatten die US-Regierung sowie Familie und Bekannte Chens den Fall bislang unter Verschluss gehalten. Nun gehen Chens Unterstützer jedoch an die Öffentlichkeit. Sie habe mehr als 600 Tage nicht mehr mit ihrem Ehemann gesprochen und sorge sich um dessen Gesundheit, sagte etwa Chens Ehefrau Yufang Rong. Sie wies die Spionagevorwürfe gegen ihren Mann zurück und verwies darauf, dass Chen nie eine Sicherheitsfreigabe der US-Regierung besessen habe. Vielmehr habe Chen stets transparent mit chinesischen Kollegen zusammengearbeitet. Chen erhielt laut der Nachrichtenagentur Reuters 2011 die US-Staatsbürgerschaft und lebt in Boston. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde in der Vergangenheit unter anderem vom US-Außenministerium und einer Forschungsstelle der US-Air Force finanziert, berichtet CNN. Der 54-Jährige hatte demnach unter anderem seismologische Methoden entwickelt, um Nuklearversuche zu erkennen und zu überwachen. Auch zu unterirdischen Nukleartests Nordkoreas forschte Chen.