Datum15.07.2026 09:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer deutsche Maschinenbau fordert verstärkten Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China. Angesichts Chinas Übernahme der Führung als weltbester Exporteur empfiehlt der VDMA der EU Ausgleichszölle pro Warengruppe, nicht pro Produkt. Begründet wird dies mit staatlichen Subventionen, Dumping und Währungsmanipulation durch chinesische Unternehmen. Geplant ist auch eine Beweislastumkehr für chinesische Firmen. Der Branchenverband fordert zudem eine intensivere Marktüberwachung und strengere Ahndung von Regelverstößen. Darüber hinaus werden innenpolitische Maßnahmen wie Bürokratieabbau und die Unterstützung strategischer Technologien vorgeschlagen.
InhaltChina hat Deutschland als weltweit führenden Maschinenbauexporteur abgelöst. Der zentrale deutsche Branchenverband fordert nun von der EU Ausgleichszölle für ganze Warengruppen. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbau will einen besseren Schutz vor unfairem Wettbewerb aus China. Der Branchenverband VDMA hat ein entsprechendes Positionspapier aus dem vergangenen Sommer verschärft. "Wir respektieren die Leistungen unserer chinesischen Konkurrenz", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath. Inzwischen seien aber die Wettbewerbsverzerrungen durch China und chinesische Unternehmen umfassend dokumentiert. Daher brauche es wirksame Reaktionen von der EU, um faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass wir zum Spielball von Subventionen, Dumping und Währungsmanipulation werden", sagte er. Neu ist die Forderung nach Ausgleichszöllen auf Ebene der Warengruppen – also etwa Baumaschinen, wenn entsprechende Indizien für unfaire Wettbewerbspraktiken vorliegen. Derzeit untersuche die EU-Kommission Wettbewerbsverzerrungen bei jedem Produkt einzeln, statt beispielsweise in der Warengruppe Baumaschinen. "Es würde Jahrzehnte dauern, bis alle unfairen Wettbewerbsvorteile ausgeglichen sind. So viel Zeit haben wir nicht", sagte VDMA-Außenwirtschafter Oliver Richtberg. China hat Deutschland als weltweit führenden Maschinenbauexporteur abgelöst. Vom Staat mit hohen Subventionen unterstützt, bieten die chinesischen Hersteller inzwischen auch technologisch anspruchsvolle Anlagen zu niedrigen Preisen. Nach den Vorstellungen der Industrie müsse die Europäische Union eine Beweislastumkehr bei Ausgleichszöllen prüfen. Betroffene chinesische Unternehmen sollten bei hinreichenden Hinweisen nachweisen müssen, dass sie nicht von unfairen Vorteilen profitieren, sagte Richtberg. Der VDMA schlägt auch eine deutlich intensivere Marktüberwachung vor. "Immer wieder exportieren chinesische Unternehmen Maschinen nach Europa, die nicht den EU-Rechtsvorschriften entsprechen", betonte VDMA-Experte Richtberg. "Regelverstöße sollten daher konsequent geahndet werden." Neben wirksameren EU-Zollregularien erhebt der VDMA auch innenpolitische Forderungen, etwa zu Bürokratieabbau und Steuerentlastungen. Strategisch relevante Technologien sollten industriepolitisch unterstützt werden. Deutsche Patente wandern immer öfter in den Besitz Chinas. Ökonom Oliver Koppel warnt vor diesem Know-how-Abfluss. Und er rät zu einem harten Vorgehen gegen Konzerne aus der Volksrepublik, die hiesige Firmen übernehmen wollen. Lesen Sie hier mehr.