Datum15.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDR86 Bäume wurden für den Neubau der Sternbrücke in Hamburg gefällt, was Anwohner verärgert. Die Bahn verspricht Neupflanzungen, aber die meisten Bäume werden in anderen Stadtteilen gesetzt. Ein mutmaßlicher Brandanschlag legte die Bahnstrecke Hamburg-Cuxhaven lahm. Der Senat plant eine neue Promenade. Die Heimkosten für Pflegebedürftige steigen in Hamburg. Ein Teenager plante einen IS-Anschlag.
InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – Mit Weimer im Tropengewächshaus, einem mutmaßlichen Brandanschlag auf die Bahnstrecke nach Cuxhaven und einem radikalisierten Teenager normalerweise weine ich nicht auf dem Fahrrad, obwohl das Chaos auf Hamburgs Straßen dazu Anlässe gäbe. Vor einigen Monaten passierte es mir dann doch. Ich radelte morgens durch die Max-Brauer-Allee und statt einer Straße mit Linden rechts und links erwarteten mich Asphalt und ungewohnt viel Licht. Die Deutsche Bahn hatte zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt die letzten von insgesamt 86 Bäumen gefällt. Obwohl ich das vorher wusste, kamen mir beim Anblick der Stümpfe die Tränen. Den Grund für den Kahlschlag kennen Sie vermutlich: Die Bahn ersetzt die fast 100 Jahre alte Sternbrücke durch einen Neubau – und das an einer viel genutzten Kreuzung: Etwa 900 S-Bahnen, Regionalzüge und Fernzüge passieren die Brücke täglich. Unten drunter rauschen bis zu 48.000 Autos, Busse und Laster durch. In der Allee ohne Bäume verfolgte ich in den letzten Monaten die Arbeiten an der neuen Brücke. Hinter dem verhüllten Baugerüst hörte ich es hämmern, klopfen und schweißen. Dort entstand eine 108 Meter lange und 21 Meter breite Konstruktion, von Gegnern als "Monsterbrücke" beschimpft. Vor einigen Tagen verschwanden die Planen vom Baugerüst, seither stehen Leute an der Absperrung und fotografieren den Neuling (siehe unten "Meine Stadt"). Die Fahrbahn der Max-Brauer-Allee ist inzwischen mit Erde bedeckt und darauf liegen Stahlplatten. Bald soll der Abbruch der alten und das Einsetzen der neuen Brücke beginnen. Dazu will die Bahn den 4.200-Tonnen-Koloss vom Bauplatz zur Kreuzung schieben. Für die knapp 450 Meter lange Strecke sind zehn Stunden eingeplant. Falls Sie mit dem Auto unterwegs sind, sollten Sie die Großbaustelle ab Freitag meiden. Besser noch: Meiden Sie einfach das ganze Viertel. Denn bis Ende August ist die Kreuzung an der Sternbrücke komplett dicht. Informationen zu gesperrten Strecken und Änderungen im Zugverkehr finden Sie hier. Die Bahn hat übrigens versprochen, für jeden gefällten Straßenbaum drei neue Bäume zu pflanzen, zusammen 260 Stück. Klingt gut, hat aber aus Sicht von Anwohnern einen großen Haken. Denn nur 45 Bäume kommen zurück an die Max-Brauer-Allee. Die meisten Bäume werden zwar an Straßen und in Grünanlagen gepflanzt, aber in ganz anderen Vierteln. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker PS: Wir wollen wieder Eindrücke dazu sammeln, wie Ihre Stimmung ist. Aber diesmal nur bei denjenigen, die gerade auf einer Insel sind – oder kürzlich dort waren. Egal, ob Bornholm, Mallorca, Lühesand oder Sylt: Wie geht es Ihnen dort, was macht Sie froh und warum? Oder gibt es etwas, das Sie stört? Wir freuen uns auf ein bis höchstens zwei Sätze bis Freitag, 12 Uhr an hamburg@zeit.de, Betreff: "Ach, Insel!" Ein mutmaßlicher Brandanschlag an der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Cuxhaven legt seit gestern den Zugverkehr teilweise lahm. Im niedersächsischen Neu Wulmstorf habe in der Nacht zu Dienstag ein Verteilerkasten gebrannt, so die Polizei. Die Ermittler gehen davon aus, dass der oder die Täter gezielt Infrastruktur zerstören wollten. Der rot-grüne Senat hat Pläne für die Domachse in der Innenstadt vorgestellt. Ein neuer Park am Hammaburg-Platz soll das Herzstück einer Promenade zwischen Binnenalster und Hafencity werden. Pflegebedürftige müssen in Hamburg für einen Platz in einem Heim immer mehr Geld zahlen. Anfang Juli lag die Eigenbeteiligung im ersten Jahr im Schnitt bei 3.481 Euro pro Monat, so der Verband der Ersatzkassen. Es waren 302 Euro mehr als im Vorjahr. Bundesweit nahm die Eigenbeteiligung nur um 256 Euro zu. Weniger Unwetter haben 2025 in Hamburg zu einem sehr leichten Rückgang der Einsätze geführt. Feuerwehr und Rettungsdienst mussten im Vorjahr 333.394 Mal ausrücken. Gestern Nachmittag, bei fast 30 °C, stand für Wolfram Weimer, den Kulturbeauftragten der Bundesregierung, ein besonderer Termin an: Er besuchte das Tropengewächshaus. Seit Beginn der Coronapandemie ist die Anlage am Dammtorbahnhof für Besucherinnen und Besucher gesperrt. Die denkmalgeschützten Hallen aus dem Jahr 1963 müssen saniert werden. Weimer überreichte ein Papier: die Förderzusage der Bundesregierung in Höhe von 13,15 Millionen Euro. Während Weimer im Tropenhaus trotz Anzug und Krawatte nicht merklich ins Schwitzen kam, kniete am Wegesrand der Reviergärtner Heiko Lüdke und verausgabte sich mit einer Schaufel. Ehe die Sanierung starten kann, müssen die Pflanzen ausgegraben werden. Seit zwei Jahren bereite er den Umzug vor, sagte Lüdke, bei etwa 30 Bäumen müsse er noch die Wurzeln freilegen und sie für den Transport präparieren. Im September soll der Bau eines Ausweichquartiers im Botanischen Garten in Klein Flottbek beginnen, im Jahr 2027 dann zuerst der Kaktusgarten umziehen, 2028 alle weiteren Gewächse. Während der Zeit im Exil werden die tropischen Pflanzen nicht zu sehen sein. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass sie die Gewächshäuser am Dammtor im Jahr 2030/2031 wiedereröffnen. Von Oskar Piegsa Teenager, die zu gefährlichen Islamisten werden: Die Familie Murabi hat das erlebt. Ihr Sohn plante einen Anschlag für den IS. Woher kam der Hass? Eine Rekonstruktion von Christoph Heinemann und Tom Kroll – lesen Sie hier einen Auszug. Sein Schlafplatz war da unten am Boden. Jede Nacht lag Omar, 17 Jahre alt, auf einer Matratze im Wohnzimmer. Zwischen der alten Ledercouch, dem Wäscheständer, der Eingangstür und dem Zimmer der Eltern. Wenn sie auf die Toilette gingen, stiegen sie vorsichtig an Omar vorbei, um ihm nicht gegen den Kopf zu treten. Jetzt, an einem warmen Mainachmittag, dringt Kinderlachen durch das Fenster. Gegenüber liegt ein Spielplatz, andere Eltern trinken dort Cappuccino, Hamburg-Eimsbüttel ist ein hippes Viertel. Bei der Familie Murabi ist die Tapete übersät mit Rissen und Kratern, manche groß wie Fäuste. Der Name der Familie wurde zu ihrem Schutz geändert, genau wie der Vorname des Sohnes. Ja, der Staat sei häufiger hier gewesen, die Polizei und andere Behörden, sagt der Vater. "Sie haben gesehen: viel zu klein", er meint die Wohnung, 34 Quadratmeter. Jeder habe sehen können, dass Omar "instabil" sei. "Er hätte Hilfe gebraucht." Omar wollte "Ungläubige" in Hamburg töten. Vor einigen Wochen tippte er in eine Chatgruppe bei Telegram, er sei "bereit zu sterben". Die Männer, die ihn dazu antrieben, gehören mittelbar zur Terrormiliz "Islamischer Staat", dem IS. Der Haftbefehl gegen Omar liegt der ZEIT vor. Er hatte ein Einkaufszentrum, eine Bar oder eine Polizeiwache im Visier. Er sammelte Dünger und Grillanzünder für eine Bombe oder einen Molotowcocktail. Ein Messer und eine Sturmhaube für den Nahkampf. Seit April 2023 standen mindestens zwölf Jugendliche in Deutschland davor, sich bei einem Terroranschlag in die Luft zu sprengen, andere anzuzünden, abzustechen, zu erschießen. Im Bundesinnenministerium heißt es, man brauche dringend eine Antwort auf diese Frage: Was treibt junge Leute dazu, aus Hass morden zu wollen? Wie die Eltern die Radikalisierung ihres Sohnes erlebten, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Der Linken-Politiker Jan van Aken will die Verteidigungsausgaben beschränken. Seine FDP-Kollegin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagt: Das können wir uns nicht leisten. Für die ZEIT haben sich die beiden zu dem Thema gestritten. → Zum Streitgespräch (Z+) Es ist Sommer, und die Zeit für Open-Air-Kino in der Stadt beginnt. Das Zeise Open Air hat bereits begonnen. Das Schanzenkino Open Air beginnt am 18.7. Die Saison endet jeweils am 30.8. Beim Klappstuhlkino der Honigfabrik werden bis zum 14.8. jeweils freitags Filme gezeigt. FilmRaum Open Air zeigt bis zum 15.9. mittwochs bis samstags im Stadtpark Eimsbüttel das Programm. Freitags läuft ein Kinder- und Familienfilm. Elbfilmkunst bietet an unterschiedlichen Orten Kino draußen an. Vom 14.8.–11.9. findet jeweils freitags das barrierefreie Sommerkino Alsterdorfer Markt statt. Eine Auflistung aller Veranstaltungen finden Sie hier. Beim Bäcker am Tresen. Die Kundin schaut in die Auslage, die Bäckerin möchte die Bestellung aufnehmen. Die Entscheidung ist gefallen: "Ich nehme ein Goldstück." – "Steht vor Ihnen!" Gehört von Elisabeth Heise Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.