Ausbildungsmarkt: Wo Lehrstellen in Thüringen noch gute Chancen bieten

Datum15.07.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRTausende Jugendliche suchen in Thüringen noch eine Lehrstelle, während es mehr offene Ausbildungsplätze gibt. Das Angebot passt oft nicht zur Nachfrage, da die Wunschberufe und -regionen nicht mit den freien Stellen übereinstimmen. Besonders viele Stellen sind im Verkauf, Lager und Maschinenbau frei. Flexibilität bei der Berufswahl und regionale Offenheit erhöhen die Chancen. Die Arbeitsagentur bietet Unterstützung durch Berufsberatung und verschiedene Förderprogramme. Die wirtschaftliche Lage und der Fachkräftemangel prägen den Ausbildungsmarkt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ausbildungsmarkt“. Lesen Sie jetzt „Wo Lehrstellen in Thüringen noch gute Chancen bieten“. Wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres suchen in Thüringen noch tausende Jugendliche eine Lehrstelle. Zugleich gibt es aber weiterhin zahlreiche freie Ausbildungsplätze. Wo noch Plätze offen sind und worauf Bewerber achten sollten: Im Freistaat waren im Juni noch 3.099 Bewerberinnen und Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem standen 4.226 offene Stellen gegenüber. Insgesamt waren nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit 7.125 Bewerberinnen und Bewerber sowie 9.591 Ausbildungsstellen gemeldet. Nach Einschätzung der Arbeitsagentur passen Angebot und Nachfrage oft nicht zusammen. Rein rechnerisch gibt es zwar mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Doch viele Jugendliche suchen nicht in den Berufen oder Regionen, in denen besonders viele Stellen frei sind.  Die Liste der Wunschberufe ist seit Jahren relativ ähnlich: Zu den beliebtesten Berufen der Bewerberinnen und Bewerber in Thüringen zählen Bürokaufmann oder -kauffrau, Kfz-Mechatroniker und Verkäufer oder Verkäuferin. Auch medizinische Fachangestellte, Kaufleute im Einzelhandel und Fachinformatiker stehen hoch im Kurs.  Besonders viele offene Ausbildungsstellen gibt es laut Arbeitsagentur im Verkauf. Dort waren 871 betriebliche Lehrstellen noch nicht vergeben. Es folgen Berufe in der Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und im Güterumschlag mit 269 sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik mit 199 offenen Lehrstellen. Wer bei der Berufswahl flexibel ist, hat dort derzeit besonders gute Karten. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Regionen und Berufen: Im Wartburgkreis kommen etwa auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 132 Bewerberinnen und Bewerber, im Saale-Orla-Kreis dagegen nur 38. Auch je nach Beruf ist die Lage sehr unterschiedlich. In der Körperpflege etwa kommen rechnerisch 1.242 Bewerberinnen und Bewerber auf 100 betriebliche Stellen. Dazu zählen unter anderem Friseur- und Kosmetikberufe. Im Lebensmittelverkauf sind es dagegen nur zwölf. Unterstützung bietet die Berufsberatung der Arbeitsagentur. In Thüringen sind dafür derzeit 99 Berufsberaterinnen und Berufsberater im Einsatz. Sie helfen auch dabei, Alternativen zum Wunschberuf zu finden. Als Brücke in eine Ausbildung nennt die Arbeitsagentur etwa die Einstiegsqualifizierung - ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum. Hinzu kommt die assistierte Ausbildung, mit der Jugendliche während ihrer Lehre unterstützt werden, um einen erfolgreichen Abschluss zu gewährleisten. Außerdem gibt es berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, die dabei helfen, sich gezielt auf eine Ausbildung vorzubereiten. "Die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch am Ausbildungsmarkt wider. Viele Unternehmen agieren derzeit zurückhaltender und melden weniger Ausbildungsstellen als in den Vorjahren", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens. Gleichzeitig bleibe der Nachwuchsmangel die zentrale Herausforderung. Deshalb komme es jetzt in der heißen Phase darauf an, alle Potenziale zu nutzen, betonte Behrens. Dabei seien auch die Betriebe gefordert, bei der Auswahl ihrer Azubis offen und flexibel zu bleiben. Erstmals waren unter den Bewerberinnen und Bewerbern in Thüringen mehr als 1.000 Jugendliche ausländischer Herkunft. Ihre Zahl stieg nach Angaben der Arbeitsagentur binnen eines Jahres um 22,4 Prozent auf 1.076. © dpa-infocom, dpa:260715-930-386068/1