Datum15.07.2026 03:35
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Weinkeller in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, 1970 von Helmut Kohl geschaffen, ist ein Symbol der Weinregion. Ursprünglich als Ort informeller Gespräche konzipiert, spiegelt er mit Originalelementen aus dem Land Kunst und Wein wider. Der aktuelle Ministerpräsident Gordon Schnieder würdigt diese Tradition. Der Keller wird weiterhin für Besprechungen und Veranstaltungen genutzt und bleibt als historisches Unikat erhalten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Landesgeschichte“. Lesen Sie jetzt „Typisch Rheinland-Pfalz: Ein Weinkeller in der Staatskanzlei“. Mit einer Portion Ehrfurcht hat der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder den von seinem Vorgänger Helmut Kohl geschaffenen Weinkeller in der Staatskanzlei betreten. "Ich kannte den legendären Weinkeller, aber ich war selbst nie drin", sagt der CDU-Landeschef. Bis zum Regierungswechsel in Mainz in diesem Frühjahr. Seit dem Regierungsantritt von Ministerpräsident Rudolf Scharping 1985 war der Weinkeller jahrzehntelang in SPD-Hand. "35 Jahre hat ihn kaum einer von uns gesehen. Ich glaube, aus der aktuellen Fraktion niemand", sagt Schnieder. "Marcus Klein (Chef der Staatskanzlei) war der Erste, der einfach mal rein ist." Der deutschlandweit einmalige Weinkeller war auf Wunsch Kohls 1970 im ehemaligen Kohlekeller im Erdgeschoss der Staatskanzlei eingebaut worden. Er ist bis heute ein besonderer Raum, ganz anders als die Büros und Sitzungsräume in dem denkmalgeschützten Gebäude neben dem Landtag. Die Öffentlichkeit hat bei Tagen der offenen Tür die Gelegenheit, einen Blick in die historischen Räume zu werfen, in denen auch schon Prominente zu Gast waren wie der französische Chansonnier Gilbert Becaud. "Helmut Kohl ging es insbesondere darum, einen Ort der informellen Kommunikation zu schaffen", heißt es heute in der Staatskanzlei. "Zu förmlich und ritualisiert schienen ihm die Sitzungen des Ministerrats. Und so traf er sich mit seinem Kabinett oder anderen Gästen zu abendlichen Weinrunden, um Fragen des Landes zu besprechen." Der Pfälzer (1930-2017) war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Der Architekt Horst Römer aus Kaiserslautern habe Original-Gegenstände aus verschiedenen Regionen des Bundeslands im Weinkeller verbauen lassen, heißt es in der Staatskanzlei. Dazu gehören Original-Fassdauben aus Edenkoben, Keramiken aus Bad Ems und am Eingang die Skulptur "Fröhlicher Steuermann", ein Detailabguss des Neumagener Weinschiffs. Die Holzpaneelen an der Wand und das Rund erinnern an ein gigantisches Weinfass. Ein gewisser Geruch nach Keller und Wein liegt in der Luft, zugleich ist bei Sommerhitze einer der wenigen halbwegs kühlen Orte im historischen Neuen Zeughaus. Außer dem großen Rund gibt es an dem historischen Ort noch zwei kleinere Tische. "Es ist alles noch von damals original", sagt Schnieder. Mit Ausnahme der zwei Durchgänge im großen Tischrund. "Früher kam man hier nicht so einfach raus, da saß man ziemlich eingeschlossen." Entweder hätten alle aufstehen müssen oder man habe über den Tisch steigen müssen, wenn man diesen mal verlassen wollte, berichtet der langjährige Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Dabei habe sich Bernhard Vogel einmal deutlich am Kopf verletzt, weil über dem Tisch noch ein großer Fassboden mit sehr scharfkantigem Stahlring gehangen habe. Den Fassboden habe er dann abhängen und die Öffnungen in dem runden Tisch schaffen lassen, berichtet Beck. Seither müssen auf der gepolsterten Bank dahinter nicht mehr so viele aufstehen oder durchrutschen, wenn jemand geht oder kommt. "Sonst ist aber noch alles original Helmut Kohl", sagt Beck. "Der Keller zeigt deutlich, dass Rheinland-Pfalz Weinland ist", sagt Schnieder. Der Weinkeller sei vor allem genutzt worden, "wenn man ein bisschen Lockerheit in die Gespräche bringen wollte", berichtet Beck aus seiner Zeit. Und heute? "Er wird vor allem für interne Besprechungen, Abschlussabende oder Presserunden genutzt", sagt Schnieder. Als er 1993 in die Staatskanzlei eingezogen sei, habe die Qualität der im Nebenraum eingelagerten Weine aber nicht dem Anspruch rheinland-pfälzischer Tropfen genügt, erinnert sich Sozialdemokrat Beck. Nach und nach sei damals aber ein Bestand angelegt worden, der die Qualität präsentiere - dafür hatte Beck auch reichlich Zeit: Er war rund 19 Jahre Ministerpräsident. "Der Weinkeller ist eine kleine Besonderheit am Rande und passt zu Rheinland-Pfalz. Es wäre schade, wenn man das aufgibt", sagt Beck. Das hat Schnieder auch nicht vor. "Er bleibt erstmal so, wie er ist. Das macht ja auch die besondere Tradition aus und gibt die alte Zeit wieder", sagt der Chef der ersten schwarz-roten Regierung im Bundesland. "Helmut Kohl ist aus heutiger Sicht einer der ganz großen Politiker, was mich auch ein Stück ehrfürchtig macht", sagt Schnieder. "Das war seine Zeit, in dieser der Keller eingerichtet wurde – und heute darf ich hier sitzen." © dpa-infocom, dpa:260715-930-385998/1