Datum14.07.2026 18:12
Quellewww.zeit.de
TLDRAm Jahrestag der Flutkatastrophe in Sinzig gedenken Betroffene wie Carola Körbel und Ulrike Uselli der schlimmsten Nacht ihres Lebens. Zwölf Bewohner einer Lebenshilfe-Einrichtung starben. Fünf Jahre später blicken sie kämpferisch nach vorn. Ministerpräsident Schnieder betont die Mischung aus Trauer und Hoffnung. Körbel hat ein neues Zuhause gefunden und blickt trotz Erinnerungsschmerz hoffnungsvoll in die Zukunft.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Jahrestag der Flutkatastrophe“. Lesen Sie jetzt „Flut in Sinzig: "Die schlimmste Nacht, die ich erlebt habe"“. Vor fünf Jahren hat Carola Körbel die schlimmste Nacht ihres Lebens erlebt, wie sie sagt. "Ich hatte Angst, dass ich da lebend nicht mehr rauskomme." Die Frau war eine Bewohnerin in der Lebenshilfe in Sinzig. In Sinzig ereignete sich in der Flutnacht am 14. Juli 2021 eine Tragödie, die viele Menschen besonders betroffen machte. Zwölf Bewohner der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung starben - das Wasser überraschte sie im Schlaf. Fünf Jahre später sitzt Körbel mit Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) am Jahrestag im neu renovierten Haus der Lebenshilfe zusammen und erzählt, mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern, von der Nacht. "Das war die schlimmste Nacht, die ich je in meinem Leben erlebt habe", sagt Körbel. Sie erinnere sich noch gut an die Nacht. "Einer der gestorben ist, ist mein bester Freund gewesen." Das Wasser sei so hoch gewesen, sagte sie und zeigt mit ihrer Hand eine Höhe über ihrem Kopf an. Ulrike Uselli ist am fünften Jahrestag bei Schnieders Besuch ebenfalls dabei. Vor fünf Jahren war sie noch Friseurin. Heute erinnert sie ein Tattoo auf dem Unterarm an die Flutnacht. "Das Leben hat aufgehört in dem Augenblick", sagt sie. "Ich war mit Leib und Seele Friseur, ich hatte meinen eigenen Laden." Doch erst sei Corona gekommen, dann die Flut - "und dann war vorbei". "Ich hab nach der Flut im Ahrtal angefangen aufzuräumen, ein Keller nach dem anderen, wie jeder andere auch", erinnert sie sich. Ihren zerstörten Laden habe sie erst mal verdrängt. Dann habe sie im Ahrtal noch ehrenamtlich Haare geschnitten - bis sie als Hauswirtschaftskraft bei der Lebenshilfe anfing. Mittlerweile ist sie pädagogisch ausgebildet und mag ihre Arbeit mit den Menschen. Einer der Bewohner habe ihr erzählt, wie seine Freundin bei der Flutkatastrophe umgekommen sei. "Das war so hart gewesen, wo fast jeder geweint hat", sagte sie. "Es war einfach emotional." Da habe sie gemerkt, dass bei den Bewohnerinnen und Bewohnern Redebedarf bestehe. "Die brauchen jemanden." Ihre Aufgabe sei es, mit den Menschen zu arbeiten, zu leiden und zu lachen, sagt sie. "Die Flut darf nicht vergessen werden, aber wir müssen nach vorne gucken." Es sei ein zweigeteilter Tag, sagte Schnieder. Es sei ein Tag der Trauer und des Gedenkens. Die Menschen schauten aber auch hoffnungsvoll in die Zukunft. "Am Tag des Gedankens ist gleichzeitig auch der Zeitpunkt, die Hoffnung mitzunehmen", sagte der CDU-Politiker. Körbel sagt, auch für sie sei der Tag beides: traurig wegen der Erinnerung. Und froh, wegen der Zukunft. Nach der Flut lebte sie bei ihrer Cousine, erzählt sie. Jetzt habe sie ein neues Zuhause bei der Lebenshilfe in Rolandseck - das freue sie zum Jahrestag besonders. © dpa-infocom, dpa:260714-930-384848/1