Zahl der Ebolainfizierten laut WHO wohl mindestens doppelt so hoch wie bekannt

Datum14.07.2026 17:09

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie WHO schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Ebola-Infizierten im Kongo mindestens doppelt so hoch ist wie offiziell bekannt. Dies liegt an vielen unentdeckten Infektionswegen und Ansteckungen in Familien. Die Weltgesundheitsorganisation arbeitet intensiv an Aufklärung und dem Ausbau von Behandlungszentren, um die Ausbreitung einzudämmen. Es wird dringend mehr finanzielle Unterstützung benötigt.

InhaltEbola breitet sich im Kongo häufig über unbekannte Wege aus, berichtet die Weltgesundheitsorganisation. Viele Infizierte werden demnach nicht erfasst und können dann auch nicht von Ärzten behandelt werden. Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo gibt nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter Anlass zu großer Sorge. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte nach Schätzungen zwei bis vier Mal so hoch liegen wie bislang bekannt, sagte der WHO-Nothilfedirektor Chikwe Ihekweazu am Dienstag nach seiner Rückkehr aus dem Krisengebiet in Genf. Nach Angaben der ‌Regierung im Kongo sind bisher 1963 Fälle nach Labortests bestätigt worden; 719 ‌Menschen seien an den ​Folgen ‌der Erkrankung gestorben. Besonders problematisch sei, dass die meisten Todesfälle in Familien und nicht in Behandlungszentren passierten. Pflegende Angehörige könnten sich ohne Schutzmaßnahmen leicht anstecken. Vier von fünf neu Infizierten hätten zudem nicht auf der Liste der Kontakte bereits Erkrankter gestanden. Das ist ein Zeichen dafür, dass es zahlreiche bisher nicht erfasste Infektionsketten gibt. Die Regierung und die WHO arbeiteten mit Hochdruck daran, die Menschen zu informieren und Zweifel an einer effektiven Behandlung in den Kliniken auszuräumen, sagte Ihekweazu. Die Überlebenschance sei in Behandlungszentren höher, zudem könnten dann die Infektionsketten unterbrochen werden. Immerhin gebe es bereits fast 800 Betten in spezialisierten Behandlungszentren sowie 14 Labore, die Proben schnell untersuchen können, sagte Ihekweazu. Die Kapazitäten würden weiter ausgebaut. Allerdings seien von den 115 Millionen Dollar, die die WHO für die ersten sechs Monate des Ausbruchs veranschlagt hatte, erst 40 Prozent eingegangen. Das Land brauche dringend mehr Unterstützung, sagte er.