Datum14.07.2026 17:06
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge in Polen kippt, da die Beziehungen zwischen den Ländern durch einen historischen Streit über das Massaker an Polen durch die UPA im Zweiten Weltkrieg belastet sind. Die rechte Politik schürt die antikanische Stimmung, die zu Angriffen führt, während die Polizei von "Null Toleranz" spricht. Der Konflikt bedroht die militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, trotz der Bedeutung ukrainischer Arbeitskräfte in Polen.
InhaltHilfsbereit hat Polen zum Beginn des russischen Angriffskriegs zahlreiche Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen. Doch nun kippt die Stimmung im Land offenbar. Als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, flohen viele Menschen nach Polen. Dort nahm man die Geflüchteten mit offenen Armen auf, unterstützte die Hilfsbedürftigen. Doch derzeit scheint die Stimmung zu kippen, die Regierungen Polens und der Ukraine sind in einen politischen Streit geraten. Nun häufen sich Berichte über Übergriffe auf in Polen lebende Ukrainerinnen und Ukrainer. Innenminister Marcin Kierwinski wirft der politischen Rechten vor, Stimmung gegen die etwa 1,5 Millionen Ukrainer in Polen zu machen. "Die Opfer sind sowohl Polen wie Ausländer", schreibt er auf dem Portal X . Die Polizei werde in allen Fällen entschlossen reagieren: "Null Toleranz!" Die linksliberale Zeitung "Gazeta Wyborcza" schreibt von einer Hetzjagd: "Ihr Ziel sind die Ukrainer, die angeblich für all unsere Probleme und Misserfolge verantwortlich sind." Der aktuelle Streit der Verbündeten hat sich an einem schwierigen Kapitel im Zweiten Weltkrieg entzündet. Die Ukraine ehrt Partisanen der Ukrainischen Untergrundarmee UPA als Kämpfer für Unabhängigkeit. Doch in den Jahren 1943-45 verübte die UPA Massaker an Zehntausenden Polen. Der seit Mai schwelende Streit geht mittlerweile über Geschichtspolitik hinaus und droht, auch die militärische und wirtschaftliche Kooperation zu beeinträchtigen. Schon vor 2022 lebten und arbeiteten Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen in Polen. Der Abgeordnete Janusz Kowalski von der nationalkonservativen Partei PiS fragte auf X , ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihre Heimat zurückgeschickt werden sollten. Der konservative Publizist Lukasz Warzecha sprach auf X von einer Reaktion gegen eine angeblich "aufgezwungene Begeisterung für die Ukrainer" zu Kriegsbeginn. Die Übergriffe seien Einzelfälle, die übertrieben bewertet würden. "Der Großteil der Ukrainer fühlt sich in Polen wohl, und niemand schikaniert sie." Das polnisch-ukrainische Verhältnis ist im fünften Jahr des russischen Angriffskrieges an einem Tiefpunkt angelangt. Wie konnte es so weit kommen? Mehr dazu lesen Sie hier.