Datum14.07.2026 16:31
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Polen gibt es vermehrt Angriffe auf Ukrainer, ausgelöst durch historische Debatten über die UPA im Zweiten Weltkrieg. Die rechtskonservative Stimmung schürt Hass gegen die ukrainische Gemeinschaft, während die Polizei Ermittlungen aufnimmt. Es gab Festnahmen und Anzeigen wegen Gewalttaten, teilweise wegen Verwechslungen. Der historische Streit um die UPA, die Massaker an Polen verübte, beeinträchtigt auch die aktuelle Kooperation. Die gesellschaftliche Stimmung in Polen wendet sich zunehmend gegen die ukrainische Minderheit.
InhaltIn Polen kommt es vermehrt zu Attacken gegen Menschen aus der Ukraine. Hintergrund ist eine historische Debatte der beiden Länder über den Zweiten Weltkrieg. Vor dem Hintergrund politischen Streits mit der Ukraine häufen sich in Polen Berichte über Übergriffe auf dort lebende Ukrainerinnen und Ukrainer. Innenminister Marcin Kierwiński warf der politischen Rechten vor, Stimmung gegen die etwa 1,5 Millionen Ukrainer in Polen zu machen. "Die Opfer sind sowohl Polen wie Ausländer", schrieb er auf X. Die Polizei werde in allen Fällen entschlossen reagieren. Die linksliberale Zeitung Gazeta Wyborcza schrieb von einer Hetzjagd: "Ihr Ziel sind die Ukrainer, die angeblich für all unsere Probleme und Misserfolge verantwortlich sind." In Sosnowiec im Süden Polens wurde nach Medienberichten ein Mann verhaftet, der in den vergangenen Wochen dreimal Ukrainer angegriffen haben soll. In Łódź in Zentralpolen erstattete ein Pole Anzeige. Er war verprügelt und am Kopf verletzt worden, weil der Angreifer ihn für einen Ukrainer hielt. Das meldete die Nachrichtenagentur PAP nach Polizeiangaben. Großes Aufsehen erregte auch ein Fall in Bielsko-Biała im Südwesten Polens: In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen und forderte ihre Abschiebung. Der aktuelle Streit der Verbündeten hat sich an zwei unterschiedlichen Perspektiven auf eine Armee im Zweiten Weltkrieg entzündet. Die Ukraine ehrt Partisanen der Ukrainischen Untergrundarmee UPA als Kämpfer für Unabhängigkeit. Doch in den Jahren 1943 bis 1945 verübte die UPA Massaker an Zehntausenden Polen. Der seit Mai schwelende Streit zwischen den Nationen geht mittlerweile über geschichtspolitische Debatten hinaus und droht, auch die militärische und wirtschaftliche Kooperation zu beeinträchtigen. Schon vor 2022 lebten und arbeiteten Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen in Polen. Nach dem russischen Einmarsch nahm Polen zahlreiche Flüchtlinge auf und integrierte sie. Mittlerweile wendet sich die gesellschaftliche Stimmung jedoch gegen Ukrainerinnen und Ukrainer. Der Abgeordnete Janusz Kowalski von der nationalkonservativen Partei PiS fragte auf X, ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihre Heimat zurückgeschickt werden sollten. Dafür erhielt er Tausende Stimmen mit deutlicher Zustimmung. Der konservative Publizist Łukasz Warzecha sprach auf X von einer Reaktion gegen eine angeblich "aufgezwungene Begeisterung für die Ukrainer" zu Kriegsbeginn. Die Übergriffe seien Einzelfälle, die übertrieben würden. "Der Großteil der Ukrainer fühlt sich in Polen wohl, und niemand schikaniert sie."