Überfälle auf Neonazis: Düsseldorfer Antifa-Prozess: Angeklagte brechen Schweigen

Datum14.07.2026 16:01

Quellewww.zeit.de

TLDRSechs Antifa-Aktivisten des Vorwurfs des versuchten Mordes an Rechtsextremen in Budapest und Erfurt stehen in Düsseldorf vor Gericht. Die Angeklagten, die mutmaßlich der "Antifa-Ost" angehören, brechen ihr Schweigen und bestätigen ihre Anwesenheit bei den Angriffen, leugnen aber eine Tötungsabsicht. Sie geben an, sich gegen Rechtsextremismus wehren zu wollen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen gefährliche Körperverletzung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Überfälle auf Neonazis“. Lesen Sie jetzt „Düsseldorfer Antifa-Prozess: Angeklagte brechen Schweigen“. Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen sechs Antifa-Aktivisten am Düsseldorfer Oberlandesgericht haben die Angeklagten ihr Schweigen gebrochen und ausgesagt. Sie bestätigten, diejenigen zu sein, die auf Aufnahmen von Überwachungskameras 2023 in Budapest zu sehen sind. Eine Angeklagte räumte auch ein, sich an einem von mehreren Angriffen auf Rechtsextremisten beteiligt zu haben. Die Angriffe ereigneten sich im Umfeld des jährlich begangenen "Tags der Ehre" in Budapest, der als eines der größten Treffen der rechtsextremen Szene Europas gilt. Die Angeklagten sollen am Rande des Treffens Rechtsextreme attackiert und zum Teil schwer verletzt haben. Den Angeklagten aus Jena und Leipzig wird auch die Bildung einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie waren beim Prozessbeginn 22 bis 25 Jahren Jahre alt und sollen Mitglieder der sogenannten Antifa-Ost sein, die der Generalbundesanwalt als militante linksextreme Vereinigung einstuft. Gegen die Gruppe gab und gibt es mehrere Prozesse, darunter ein noch laufender in Dresden und das abgeschlossene Verfahren gegen eine non-binäre Person Maja T. in Budapest. In der Düsseldorfer Verhandlung bestritten alle Angeklagten vehement eine Tötungsabsicht. Sie hätten den Tod der Angegriffenen nicht in Kauf genommen und schon gar nicht beabsichtigt. "Ich hielt den Eintritt tödlicher Verletzungen für vollkommen ausgeschlossen", sagte eine Angeklagte. Die Tötung von Menschen widerspreche ihren Überzeugungen. Nazis hätten damals Familienmitglieder von ihr ermordet. Sie habe sich gegen das Wiedererstarken des Rechtsextremismus in Thüringen engagiert. Der einzige männliche Angeklagte sagte, der Vorwurf des versuchten Mordes sei absurd und offenbare die politische Motivation der Bundesanwaltschaft.  In dem Prozess stehen fünf junge Frauen und ein Mann vor Gericht - wegen Überfällen auf Rechtsextremisten in Budapest und Erfurt sowie einen Thor-Steinar-Laden und die dortige Verkäuferin in Erfurt. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten versuchten Mord vor. Sie hätten mehrere Opfer lebensgefährlich verletzt, als sie mit Schlagstock und Hammer auf sie eingeschlagen und dabei auch auf den Kopf gezielt hätten. Den Tod der Opfer hätten sie damit in Kauf genommen. In Medien war auch von der "Hammerbande" die Rede. © dpa-infocom, dpa:260714-930-384086/1