Flüchtlinge: Mehrheit der Deutschen für Grenzschließungen

Datum14.07.2026 15:39

Quellewww.spiegel.de

TLDREine globale Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Deutschen das Recht auf Schutz befürwortet, aber eine Schließung der Grenzen für Flüchtlinge (51%) unterstützt. 62% glauben, dass viele Asylsuchende wirtschaftliche Motive haben. Deutsche sind pessimistischer bezüglich der Integration von Flüchtlingen als der globale Durchschnitt. Generationsunterschiede sind deutlich: Jüngere zeigen sich aufgeschlossener. Die oberste Asylbehörde plant Rückführungsanreize für Syrer.

InhaltDas Recht, in einem anderen Land Schutz vor Krieg und Verfolgung zu suchen, befürworten die meisten Deutschen. Doch der Umsetzung stehen sie skeptisch gegenüber. Besonders auffällig: die Generationenunterschiede. Weltweit sprechen sich Menschen dafür aus, Flüchtlinge zu schützen. Gleichzeitig blicken sie skeptisch darauf, wie sich diese Absicht umsetzen lässt. Zu dem Schluss kommt eine globale Umfrage. In Deutschland haben sich in der repräsentativen Umfrage 51 Prozent für eine vollständige Schließung der Grenzen für Flüchtlinge ausgesprochen. Gleichzeitig befürworten 69 Prozent das Recht, in einem anderen Land Schutz vor Krieg oder Verfolgung zu suchen. Diesen scheinbaren Widerspruch zeigt die neue globale Erhebung , die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos UK gemeinsam mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR veröffentlicht hat. Befragt wurden den Angaben zufolge 21.521 Erwachsene in 29 Ländern zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026. Die rund 1000 Befragten in Deutschland gelten als repräsentativ für die Bevölkerung. Das Institut gibt die Fehlertoleranz bei 1000 Befragten mit plus oder minus 3,5 Prozentpunkten an. 62 Prozent der Befragten in Deutschland sind der Umfrage zufolge der Meinung, viele Asylsuchende seien nicht wirklich schutzbedürftig, sondern suchten wirtschaftliche Chancen oder Sozialleistungen. Die Einstellungen in Deutschland entsprechen in etwa dem Durchschnitt in den 29 Ländern. Besonders skeptisch waren die Menschen in Deutschland aber in Bezug auf die Integration: In allen Ländern zusammen glauben im Durchschnitt 44 Prozent, dass Flüchtlinge sich erfolgreich integrieren werden. In Deutschland waren es nur 30 Prozent. Hier sehen auch nur 35 Prozent einen positiven Beitrag von Flüchtlingen, verglichen mit 39 Prozent in allen Ländern. Überall zeigen sich Generationsunterschiede: Menschen der Generation Z (Jahrgänge 1997-2012) sind in allen Ländern aufgeschlossener als ältere. 49 Prozent dieser Altersgruppe weltweit glauben, Flüchtlinge würden sich erfolgreich integrieren – verglichen mit nur 39 Prozent der Babyboomer (1946-1964). Auch Zweifel an den Motiven der Schutzsuchenden und Unterstützung für Grenzschließungen sind bei Jüngeren seltener, wenngleich sie in allen Generationen verbreitet bleiben. Durch hohe Prämien und notfalls durch Abschiebungen will Hans-Eckhard Sommer, Chef der obersten Asylbehörde, Syrerinnen und Syrer zur Rückkehr in ihre Heimat bewegen. Im SPIEGEL-Gespräch benennt er Mängel der Asylpolitik.