Datum14.07.2026 14:33
Quellewww.zeit.de
TLDRSchweres Unwetter mit tennisballgroßem Hagel und Starkregen hat den Landkreis Ludwigslust-Parchim heimgesucht. Rund 170 Notrufe gingen ein, meist wegen vollgelaufener Keller. Straßen waren überflutet, Bäume stürzten um. Die Notaufnahme eines Krankenhauses in Hagenow musste vorübergehend abgemeldet werden. Auch eine Druckerei in Wittenburg war betroffen, wodurch Zeitungen verspätet erschienen. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Landkreis Ludwigslust-Parchim“. Lesen Sie jetzt „Halber Meter Wasser im Keller – 170 Notrufe wegen Unwetter“. Tennisballgroße Hagelkörner und Starkregen: Ein schweres Unwetter hat in Teilen des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern Schäden hinterlassen. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren von Montagabend bis in die Nacht im Dauereinsatz, wie die Polizei mitteilte. Rund 170 wetterbedingte Notrufe gingen am Abend nach Angaben der Leitstelle in Westmecklenburg ein. Vor allem Hagenow, Wittenburg und Zarrentin waren demnach betroffen. Wie die Leitstelle in der Nacht berichtete, sammelte sich zwischenzeitlich stellenweise so viel Hagel auf dem Boden an, dass er mit Radladern weggeräumt werden musste. Es habe ausgesehen wie nach winterlichem Schneefall. Bei den Notrufen habe es sich am häufigsten um vollgelaufene Keller gehandelt, 50 Anrufe seien es gewesen, hieß es von der Leitstelle. Teils hätten Bewohnerinnen und Bewohner berichtet, dass ein halber Meter Wasser im Keller gestanden habe. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Auch wegen umgestürzter Bäume und überfluteter Straßen rückten die Feuerwehren aus. Teils seien Straßen von Anwohnerinnen und Anwohner geräumt worden. Die Polizei sperrte mehrere Straßen vorübergehend. Unter anderem habe es eine Sperrung auf der Bundesstraße 321 zwischen Pritzier und Hagenow wegen umgestürzter Bäume gegeben, so die Leitstelle. Ein Einsatz in Wittenburg dauerte demnach am Mittag an, die Feuerwehr pumpte dort Wasser ab. Wetterbedingte Verkehrsunfälle gab es laut Polizei nicht. In einem Mehrfamilienhaus in Hagenow war am Abend der Polizei zufolge Regenwasser durch ein beschädigtes Dach in das Gebäude gelaufen. Das Wasser habe sich zunächst in eine unbewohnte Wohnung und von dort in darunterliegende Etagen verteilt und sei aus der Decke gelaufen. Die Polizei habe die Tür notöffnen müssen. Rund 35 Reisende strandeten nach Angaben der Polizei in der Nacht am Bahnhof Ludwigslust – darunter sechs Kinder. Grund dafür war demnach, dass die Zugverbindung nach Hamburg aufgrund des Unwetters ausgefallen war. Bis zur Ankunft der Ersatzbusse, die für den frühen Morgen geplant war, hätten Einsatzkräfte die Betroffenen mit Decken und Trinkwasser versorgt. Auch die Notaufnahme des LUP-Klinikums in Hagenow war von dem Starkregen betroffen und musste am Abend für mehrere Stunden abgemeldet werden. Neue Patientinnen und Patienten hätten nicht aufgenommen werden können und seien auf andere Kliniken verteilt worden. Die Rohre im Flachdach über der Notaufnahme hätten den großen Wassermassen nicht standgehalten, sodass Wasser ins Gebäude drang, wie die LUP-Kliniken mitteilten. "In der Radiologie stand das Wasser bis zu fünf Zentimeter hoch. Auch die Notaufnahme war betroffen, das Regenwasser gelangte durch die Zwischendecke in die Räume", sagte der Ärztliche Direktor und Mitglied der Klinikleitung, Matthias Endler. Mit Nasssaugern und Bautrocknern seien die betroffenen Räume getrocknet worden, zudem habe Klinikpersonal selbst von zu Hause Geräte mitgebracht. "Ich kann durchaus sagen, dass hier alles richtig gut ablief", sagte Endler. Wichtige Geräte seien sofort vom Strom genommen und sensible Gegenstände in Sicherheit gebracht worden. "Wir waren zu jeder Zeit in der Lage, operieren zu können." Am späten Abend sei die Notfallversorgung wieder komplett angemeldet gewesen. Am Standort Ludwigslust hatte wenige Stunden zuvor die neugestaltete Notaufnahme eröffnet. Bei einem Brand in der dortigen Klinik waren Anfang Juli zwei Patienten ums Leben gekommen. In Wittenburg hat das Unwetter zudem eine Druckerei lahmgelegt, wie der "Nordkurier" am Morgen mitteilte. Leserinnen und Leser hätten auf einige Tageszeitungen länger warten müssen, hieß es. Betroffen waren den Angaben nach Ausgaben der "Schweriner Volkszeitung", der "Norddeutschen Neuesten Nachrichten" und des "Prignitzers". Der Druckdienstleister habe am Montagabend mitgeteilt, dass die Oberlichter im Druckereigebäude durch Hagelschlag beschädigt worden seien und Starkregen die Druckmaschine geflutet und außer Gefecht gesetzt habe. Laut "Nordkurier" wurde die Dienstagsausgabe der drei Zeitungen daher kurzfristig an einem anderen Standort des Druckdienstleisters in Pinneberg (Schleswig-Holstein) gedruckt. Die drei Blätter gehören zur Nordkurier Mediengruppe, die Teil der SV-Gruppe ist. Die Druckerei gehört zur Mediengruppe NOZ ("Neue Osnabrücker Zeitung"). Am Mittwoch soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes heiter bis wolkig und meist trocken bleiben. Für Donnerstag sagen die Meteorologen in der Südhälfte des Landes erneut regional Schauer und vereinzelte Gewitter voraus. Auch in der Nacht und am Freitag seien örtlich Regenschauer und Unwetter möglich. © dpa-infocom, dpa:260714-930-383384/1