Astronomen weisen Zuckermolekül in einer Gaswolke im Weltraum nach

Datum14.07.2026 13:28

Quellewww.spiegel.de

TLDRAstronomen entdeckten erstmals Erythrulose, einen Zuckerstoff, in einer Gaswolke nahe dem Milchstraßenzentrum. Diese Entdeckung, die in der Fachzeitschrift "Nature Astronomy" veröffentlicht wurde, stützt die Hypothese, dass lebenswichtige Moleküle im Weltraum entstehen und zur Entstehung des Lebens auf der Erde beigetragen haben könnten. Der Zucker, der auch in Himbeeren vorkommt, wurde mittels Radioteleskopen identifiziert.

InhaltDer Zucker Erythrulose kommt in Himbeeren vor und dient als Wirkstoff in Selbstbräunern. Jetzt haben ihn Astronomen auch im interstellaren Raum nachgewiesen. Das hat Bedeutung für unsere Vorstellung vom Ursprung des Lebens. Astronomen haben erstmals das Zuckermolekül Erythrulose in einer Gaswolke im Weltraum nachgewiesen. Diese liege nahe am Zentrum der Milchstraße, berichtet das internationale Forschungsteam im Fachblatt "Nature Astronomy". Es stieß in der Gaswolke G+0.693-0.027 auf die charakteristische Signatur von Erythrulose. Das Zuckermolekül besteht aus vier Kohlenstoff-, acht Wasserstoff- und vier Sauerstoffatomen. Die Entdeckung stärkt die Hypothese, dass viele lebenswichtige Moleküle bereits im Weltall entstanden und von dort auf die Erde gelangt seien, schreibt  das Team. "Zucker sind essenzielle Biomoleküle, die als metabolische Energielieferanten und als wichtige Bausteine der Erbsubstanz dienen", erläutert das Team um Izaskun Jiménez-Serra vom spanischen Zentrum für Astrobiologie in Torrejón de Ardoz. "Eine zentrale Frage bei der Erforschung der Ursprünge des Lebens ist, wie einfache Zucker auf der frühen Erde entstehen konnten." Denn wie Laborexperimente zeigen, war die Bildung solcher Moleküle unter den damaligen Bedingungen äußerst schwierig. Bereits 2019 gelang es, den Zucker Ribose, einen wichtigen Bestandteil der Erbinformation, in zwei auf die Erde gefallenen Meteoriten nachzuweisen. Er enthält ein Gerüst aus fünf Kohlenstoffatomen. In Bodenproben vom Asteroiden Bennu, die von der Raumsonde Osiris-Rex zur Erde gebracht wurden, stießen Wissenschaftler zudem auf Glukose – also den durch Photosynthese in Pflanzen entstehenden Traubenzucker mit sechs Kohlenstoffatomen. Im interstellaren Raum hatten US-Forscher bereits im Jahr 2000 Glycolaldehyd entdeckt  und von "Zucker" gesprochen. Allerdings ist umstritten, ob diese Verbindung als sehr einfache Form von Zucker bezeichnet werden kann. 2008 spürten Forschende  Glycolaldehyd in einem Sternentstehungsgebiet weit entfernt vom Zentrum der Milchstraße auf. In großen Wolken aus Gas und Staub, in denen Sterne und Planeten entstehen, haben Astronomen viele weitere Moleküle nachgewiesen, die eine Rolle bei der Entstehung des Lebens gespielt haben könnten. "Das interstellare Medium ist eine beeindruckende chemische Fabrik", sagen Jiménez-Serra und ihre Kollegen. Mehr als 340 Moleküle seien dort bereits entdeckt worden – aber bislang eben nicht der Einfachzucker Erythrulose. Das hat sich jetzt geändert. Das Team nutzte zwei Radioteleskope in Spanien. Mit der 40 Meter großen Yebes-Antenne und dem 30 Meter großen Radioteleskop Iram spürte es die Signatur von Erythrulose auf. Die Forscher verglichen ihre Beobachtungen unter anderem mit Labormessungen an dem Zucker. Erythrulose kommt auf der Erde beispielsweise in roten Himbeeren vor. Industriell hergestellte Erythrulose kommt in der Kosmetikindustrie in Selbstbräunern zum Einsatz. Bleibt die Frage, wie dieser Zucker im Weltall entsteht. Jiménez-Serra und ihre Kollegen sehen chemische Reaktionen auf eisüberzogenen Staubkörnchen am Werk, die zur Bildung von Erythrulose-Molekülen führen könnten. Interstellare Erythrulose könnte also, so die Forscher, die für frühe Stoffwechsel- und Replikationsprozesse notwendigen Zucker geliefert haben. Weitere Beobachtungen sollen nun klären, ob aus diesen einfachen Zuckermolekülen auf den Staubpartikeln auch komplexere Zucker entstehen.