Gaby Köster ist dankbar für Helfer im Alltag – und wütend auf die Politik

Datum14.07.2026 11:12

Quellewww.spiegel.de

TLDRGaby Köster ist nach ihrem Schlaganfall finanziell abhängig und kritisiert die Politik. Sie erhält nicht genug Unterstützung durch ihre Pflegestufe und bemängelt die Bezahlung von Pflegekräften. Köster fordert bessere Bedingungen für das Pflegepersonal und übt scharfe Kritik an der AfD. Sie wirkt bald im Film "Was haben wir gelacht" mit, der sich mit Frauenbildern in deutschen Fernsehshows befasst.

InhaltDie Schauspielerin Gaby Köster berichtet, dass sie nach ihrem Schlaganfall auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen ist. Die Pflegestufe reiche nicht aus. Dann teilt sie aus: gegen Politiker, die Behandlung von Pflegekräften und die AfD. Gaby Köster, 64, fehlt das Fernsehen vor allem aus einem Grund. "Also finanziell muss ich sagen: Ja, ich vermisse das Fernsehen. Ich habe auch wirklich Panik, wie es weitergeht", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. 2008 hatte die Schauspielerin und Komikerin einen Schlaganfall, der ihre Karriere beendete. Köster sitzt im Rollstuhl, ist auf die Hilfe Dritter im Alltag angewiesen. Sie fühlt sich von der Politik im Stich gelassen: "Ich habe in meinem Leben ich weiß nicht wie viel an Steuern bezahlt. Und so kann man nicht mit Menschen umgehen." Ihre Pflegestufe reiche nicht aus, sagt die Kölnerin. "Ich hab’ Pflegestufe zwei und kann mir selber nichts kochen, zum Beispiel. Aber wenn ich der Krankenkasse sage, ich brauche eine höhere, heißt es, ich sei nicht dement genug und der Schlaganfall auch schon lange her. Ich wiege noch 58 Kilo bei 1,76 und das ist alles nicht lustig." Sie habe eine Reinigungsfrau und jemanden, der für sie einkaufen gehe sowie eine "unfassbar liebenswerte Nachbarin", die sich auch ein wenig kümmere. "Wenn es das alles nicht gäbe, würde ich jetzt hier nicht sitzen, sondern wahrscheinlich in einer Urne." Die Bezahlung von Pflegekräften hält sie für unangemessen. "Ich wünsche mir, dass alle Politiker mindestens mal eine Schicht von den Pflegekräften machen. Und dann sollen sie mal das Maul aufmachen", sagt Köster. Applaus für Pflegepersonal reiche nicht, "da können die weder Miete von zahlen noch sich ernähren oder ihre Kinder anständig beaufsichtigen." Gaby Köster Auch gegen die AfD verteilt Köster einen Seitenhieb: "80 Prozent aller Menschen, die in Pflegeheimen und Krankenhäusern arbeiten, sind Ausländer. Und ich freue mich auf den Tag, wenn ein AfDler irgendwo rumliegt und dann auf eine Brasilianerin angewiesen ist, die ihm hoffentlich den Arsch mit Schmirgelpapier abwischt." Köster ist ab Donnerstag in dem Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" im Kino zu sehen. Er setzt sich mit dem Frauenbild in deutschen Fernsehshows der Neunzigerjahre und frühen Nullerjahre auseinander. Die Komikerin galt damals als Pionierin, war unter anderem meist die einzige Frau in der RTL-Show "7 Tage – 7 Köpfe". "Die Kollegen von ›7 Tage, 7 Köpfe‹ waren total süß zu mir hinter der Bühne, weil ich da eben auch Angst hatte. Und die haben mich dann gedrückt und so. Und die haben gesagt: Die tun dir da draußen nichts, mach einfach und fertig", sagte die 64-Jährige. "Das war superklasse und dass das Machos waren, das war mir ja egal. Ich hatte meine Ausbildung in der Kneipe gemacht und da ist das an der Tagesordnung." Rückblickend habe die Arbeit in der Kneipe sie perfekt auf das Fernsehen vorbereitet: "Da erlebt man auch sehr viel Elend und hat auch gerade mit solchen Dingen zu tun, mit Popoklatschern und so. Bei mir war das so ein Automatismus, ich habe mich dann direkt rumgedreht und die Hand weggeschlagen. Das war die beste Schule fürs Fernsehen." Inzwischen wisse sie, dass das, was sie als eine der damals wenigen Frauen im deutschen Humorfach getan habe, auch eine gesellschaftliche Bedeutung hat: "Je älter ich wurde, desto mehr habe ich gemerkt, dass es schon politisch ist, was ich tue. Ich arbeite nicht im Büro und habe die Möglichkeit, Dinge zu sagen, die andere Menschen nicht sagen können aufgrund ihrer Arbeit oder whatever. Ich bin jetzt 64 und jetzt hau' ich raus."