Großbritannien: Andy Burnham ist der Labour-Vorsitz (fast) nicht mehr zu nehmen

Datum14.07.2026 11:04

Quellewww.spiegel.de

TLDRAndy Burnham wird voraussichtlich neuer Labour-Chef und Premierminister Großbritanniens. Mit der Unterstützung von 349 Abgeordneten ist seine Kandidatur gesichert. Die Übernahme des Parteivorsitzes ist für Freitag geplant, die Ernennung zum Premier durch König Charles III. für Montag. Burnham, bisher Bürgermeister von Greater Manchester, tritt nach dem Rücktritt von Keir Starmer an, dessen Popularität nach Wahlniederlagen gesunken war.

InhaltErst Bürgermeister in Manchester, bald wohl Premier: Labour-Politiker Andy Burnham liegt im Rennen um die Nachfolge von Parteichef Keir Starmer uneinholbar vorn. Mit dem Machtwechsel könnte es nun schnell gehen. An der Londoner Downing Street wird wohl schon in wenigen Tagen ein neuer Premierminister einziehen: Der Labour-Politiker Andy Burnham hat innerhalb der Partei laut übereinstimmenden Berichten ausreichend Rückhalt, um den früheren Parteichef Keir Starmer im Amt zu beerben und anschließend auch dessen Posten als Premier zu übernehmen. Insgesamt 349 Abgeordnete haben dem 56-jährigen Burnham mittlerweile die Unterstützung zugesichert, wie die Nachrichtenagentur PA am Montagabend berichtete. Rechnerisch ist es damit ausgeschlossen, dass eine andere Gegenkandidatin oder ein Gegenkandidat die nötigen Stimmen erhält. Für die Kandidatur ist die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten nötig, derzeit sind das 81. Burnham benötigt noch die Unterstützung von drei der Partei angeschlossenen Organisationen und von Gewerkschaften – diese gilt aber als Formsache. Der ehemalige Bürgermeister der Region Greater Manchester hatte sich am Montag in einer internen Online-Veranstaltung den Fragen der Labour-Abgeordneten gestellt. Mit dem Rückhalt der Labour-Abgeordneten steht auch der Zeitplan für den Machtwechsel an der Spitze der britischen Regierung weitgehend fest. Voraussichtlich am kommenden Freitag soll Burnham demnach den Parteivorsitz übernehmen, der seit dem Rücktritt von Starmer vakant ist. König Charles III. dürfte ihn dann am Montag mit der Regierungsbildung beauftragen. Dass Burnham Starmer im Amt beerbt, hatte sich bereits in der Vorwoche abgezeichnet. Burnham hatte sich bereits am Donnerstag in einer Stellungnahme bei den Abgeordneten bedankt, nachdem er sich die Unterstützung von 322 der 403 Labour-Abgeordneten gesichert hatte. Der Rückhalt komme aus allen Teilen der Partei und zeige, "dass Großbritannien einen neuen politischen Ansatz braucht", hatte Burnham geschrieben. Er übernimmt die Labour-Partei in einer schweren Krise. Starmer war 2024 mit einem Erdrutschsieg der Sozialdemokraten ins Amt gekommen, hatte aber schnell an Beliebtheit eingebüßt. Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai hatte Labour eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Burnham war zuvor drei Mal hintereinander zum Bürgermeister des Großraums Manchester gewählt worden, was ihm den Spitznamen "König des Nordens" eingebracht hatte. Ende Juni war er als Abgeordneter für den nordenglischen Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus eingezogen, um für das Amt des Parteichefs kandidieren zu können. Ein Porträt über Andy Burnham lesen Sie hier.