Datum14.07.2026 10:07
Quellewww.spiegel.de
TLDRIranische Propaganda bedroht westliche Politiker, darunter Friedrich Merz. Dies geschieht nach der angeblichen Tötung von Mojtaba Khameneis Vater. Deutsche Sicherheitspolitiker warnen vor Anschlagsplänen iranischer Geheimdienste in Deutschland. Die Bundesregierung prüft Hinweise und nimmt die Drohungen zur Kenntnis.
InhaltIrans oberster Führer Mojtaba Khamenei hat Vergeltung für den Tod seines Vaters angedroht, auf der "Todesliste" einer Zeitung fand sich nun auch ein Porträt des Kanzlers. Die deutschen Behörden prüfen Hinweise zu Anschlagsplänen. Die zunehmend aggressive Rhetorik der iranischen Führung sorgt im politischen Berlin für Sorge. Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), nahm neuerliche Drohungen aus Teheran zum Anlass, vor möglichen Attacken iranischer Nachrichtendienste in Deutschland zu warnen. "Wir müssen davon ausgehen, dass Irans Geheimdienste auch mit Angriffen in Europa tätig werden", sagte Henrichmann dem "Handelsblatt". Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter äußerte sich ähnlich. "Ich gehe davon aus, dass das Terrorregime bereits seit geraumer Zeit gezielte Tötungen und Terroranschläge im Westen und auch in Deutschland plant und vorbereitet", sagte Kiesewetter der Zeitung. Hintergrund sind Aussagen des neuen Obersten Führers Irans, Mojtaba Khamenei. Dieser hatte am Samstag in einer ihm zugeschriebenen schriftlichen Botschaft "Vergeltung" für den Tod seines Vaters angekündigt. Ali Khamenei war am 28. Februar bei einem US-israelischen Angriff getötet worden. Der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran ist erneut aufgeflammt. Nach einer zeitweisen Feuerpause gibt es nun wieder täglich gegenseitige Luftangriffe in der Region. Die erneuten Kriegshandlungen haben weitreichende Folgen auch für den Welthandel an der Straße von Hormus. Neben den Vergeltungsdrohungen Khameneis hatten auch iranische Propagandakanäle ihre Rhetorik zuletzt verschärft. Die iranische Tageszeitung "Hamshahri" hatte am Samstag in Anlehnung an Khameneis Statement eine Liste mit 13 westlichen Politikern veröffentlicht, die für den Tod Ali Khameneis "bezahlen" sollen. Auf einer mit Einschusslöchern und Fadenkreuzen gestalteten Grafik war dabei online auch ein Porträt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) abgebildet gewesen. Ebenfalls auf der "Todesliste" standen etwa US-Präsident Donald Trump, Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der scheidende britische Premierminister Keir Starmer. Henrichmann wertete die "Todesliste" als Zeichen für "die Verzweiflung, aber auch die Aggressivität Teherans". "Das Regime versucht aktuell, nach empfindlichen Schwächungen seine Macht und seinen Einfluss in der Region zurückzugewinnen", so der CDU-Politiker. Kiesewetter forderte die Ausweisung iranischer Diplomaten. Tatsächlich warnen Sicherheitsexperten bereits seit geraumer Zeit vor möglichen Anschlägen, die etwa Irans Geheimdienst auf europäische Ziele verüben könnte. Die Sicherheitsbehörden gingen "verschiedenen Hinweisen zu mutmaßlichen Ausspähungen oder Vorbereitungen zu möglichen Anschlägen nach", teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dem "Handelsblatt" mit. Die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran habe nach derzeitiger Einschätzung allerdings "keine Verschärfung der ohnehin hohen Gefährdungslage in Deutschland zur Folge". Die Veröffentlichung der Zeitung habe man zur Kenntnis genommen, so der Sprecher.