Astronaut Matthias Maurer ist auch Teilzeitzahnarzt

Datum14.07.2026 08:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRAstronaut Matthias Maurer berichtet von medizinischem Training für Raumfahrer, das sie auf Notfälle vorbereitet. Dazu gehören das Nähen von Wunden und zahnärztliche Eingriffe wie das Ziehen von Zähnen, die Maurer selbst unter Aufsicht übte. Er hegt die Hoffnung, an zukünftigen Artemis-Mondmissionen teilzunehmen, eventuell als einer der ersten Deutschen auf dem Mond.

InhaltIm All einen Arzt zu finden, dürfte schwierig sein. Für den Ernstfall müssen Astronauten also ein medizinisches Training absolvieren. Matthias Maurer sagt, er habe beim Zähneziehen mehr gelitten als seine Übungspatienten. Was ist eigentlich, wenn Astronauten im All Zahnschmerzen bekommen oder eine Platzwunde erleiden? Der deutsche Astronaut Matthias Maurer, 56, hat darauf die Antwort gegeben: Sie müssen auf die Kollegen vertrauen und sich gegenseitig versorgen. Das heißt auch Zähne ziehen oder Wunden nähen. Über das spezielle Training, das Astronauten dafür durchlaufen, berichtete Maurer am Rande eines gemeinsamen Besuches mit Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Köln. "Als ESA-Astronaut macht man ein medizinisches Feldtraining. Wir gehen in eine Klinik und durchlaufen verschiedene Stationen", sagte Maurer. Dort übe man etwa das Nähen von Wunden oder auch einen Katheter bei Harnverhalt zu legen, also wenn jemand nicht auf die Toilette kann. Auch einfache zahnärztliche Behandlungen gehören nach Maurers Angaben zum Programm. "Teil der Ausbildung war dann auch bei mir, dass ich einen richtigen Zahn ziehen durfte. Also ein fauler Zahn war es, kein gesunder Zahn." Dies habe er bisher bei zwei älteren Patienten geübt. Einer habe, so Maurer, nur noch einen Zahn gehabt. "Und das war unter strenger ärztlicher Aufsicht, und diese Person wurde vorinformiert und hat sich bereit erklärt, dass das von einem Nichtprofi, so wie mir, dann durchgeführt werden durfte." Er habe mit den Patienten mitgelitten, sagte Maurer. "Wahrscheinlich habe ich sogar mehr gelitten, weil es doch eine unangenehme Sache ist, jemandem einen Zahn zu ziehen." Der 56-Jährige ist optimistisch, dass er Teil einer der "Artemis"-Mondmissionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa sein wird. "Ich denke, ich habe eine ganz große Chance, zum Mond zu fliegen, vielleicht auch auf dem Mond zu landen, den Mond zu erkunden. Das ist ein ganz großer Traum von mir." Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deutscher zum Mond fliege, schätze er fast größer ein, als dass die deutsche Nationalmannschaft einen fünften Weltmeistertitel hole, scherzte Maurer. Nach der weltweit beachteten Mond-Umrundung von "Artemis 2" in diesem Frühjahr sollen im kommenden Jahr Astronauten mit "Artemis 3" in der Erdumlaufbahn Andockmanöver mit Mondlandefähren erproben. Daran soll der Italiener Luca Parmitano als europäischer Raumfahrer teilnehmen. Für 2028 sind mit "Artemis 4" und "Artemis 5" gleich zwei Mondmissionen geplant. Erstmals nach einem halben Jahrhundert sollen dann auch wieder Menschen auf dem Mond landen. Für Europa könnten Maurer oder Alexander Gerst an Bord sein. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sie soll vom Chef der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Josef Aschbacher, getroffen werden, wie dieser im Juni am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) erklärte. Sowohl Gerst als auch Maurer sind erfahrene Astronauten. Gerst flog 2014 und 2018 zur Internationalen Raumstation ISS, Maurer 2021.