Datum14.07.2026 07:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Saftkonzentrat "Fit fürs Leben" von LaVita hat den Negativpreis "Goldener Windbeutel" von Foodwatch erhalten. Kritisiert wird, dass das teure Mikronährstoffkonzentrat hauptsächlich aus Fruchtsaft bestehe und irreführende Gesundheitsversprechen mache. Experten betonen, eine ausgewogene Ernährung sei die Grundlage der Gesundheit, nicht teure Zusatzmittel. Foodwatch fordert zudem eine bessere Kontrolle des Marktes für Nahrungsergänzungsmittel.
InhaltEin angebliches Gesundheitsgetränk für 100 Euro pro Liter hat den Negativpreis der Verbraucherorganisation Foodwatch erhalten. Der Hersteller teilt mit, die Kunden würden das Produkt sicher verstehen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Das Saftkonzentrat "Fit fürs Leben" des Herstellers LaVita hat den Negativpreis "Goldener Windbeutel 2026" gewonnen. Die Organisation Foodwatch hatte Verbraucherinnen und Verbraucher aus fünf Kandidaten das Produkt mit der dreistesten Werbelüge des Jahres wählen lassen. Fast 40 Prozent der mehr als 66.000 Teilnehmenden stimmten laut Foodwatch für den letztlichen Gewinner. Als "Mikronährstoffkonzentrat" werde das LaVita-Produkt deklariert, so Foodwatch, bestehe aber zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat. Zugesetzt seien 26 isolierte Vitamine und Nährstoffe. Dafür verlangt der Hersteller 50 Euro je halbem Liter. Foodwatch zieht auch die Kritik von Diana Rubin heran, die das Zentrum für Ernährungsmedizin und Diabetologie des Vivantes Humboldt-Klinikums leitet: Die Werbung für das Produkt suggeriere, LaVita sei die natürliche Rundum-Formel für ein fittes, gesundes Leben. "Die tägliche Basis der Gesundheit ist aber eine ausgewogene Ernährung", sagt sie. Wer einen Nährstoffmangel vermute, solle zunächst ärztlichen Rat einholen, statt zu hoch dosierten und teuren Mitteln wie LaVita zu greifen. Das Saftkonzentrat stehe "beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen", kritisiert Alina Nitsche von Foodwatch. LaVita hatte auf SPIEGEL-Anfrage mitgeteilt, für Flüssigkonzentrate mit Mikronährstoffen sei der Begriff Mikronährstoffkonzentrat branchenüblich. Aus Sicht der Verbraucher sei sicherlich klar, was damit gemeint sei. Es sei sicher keine Werbelüge. Der Aussage, dass die tägliche Basis der Gesundheit eine ausgewogene Ernährung sei, stimme LaVita grundsätzlich uneingeschränkt zu. Nahrungsergänzung im Allgemeinen oder LaVita im Besonderen seien nicht dafür geschaffen, gesunde Ernährung zu ersetzen. Vielmehr gehe es darum, die gesunde Ernährung zu optimieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Menschen in den verschiedensten Lebenslagen einen erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen aufweisen beziehungsweise im Alltag nicht die Ernährung umsetzten, die sie gerne hätten, biete LaVita eine praktische Unterstützung. Dies geschehe auf möglichst natürliche Weise und auch nicht hochdosiert. Mit im Rennen um den "Goldenen Windbeutel" waren in diesem Jahr vier weitere Produkte. Der "Goldene Windbeutel" wurde zum 15. Mal gewählt. Zum Gewinnerprodukt kritisiert Foodwatch-Aktivistin Nitsche auch, dass der boomende Markt für Lebensmittel mit Vitaminzusatz und Supplements kaum kontrolliert werde. Bund und Länder müssten die Lebensmittelüberwachung ausreichend ausstatten. Ein Matcha-Produkt mit nur einer Messerspitze Matcha, Gummibärchen fürs gute Sexleben oder ein teures Backpulver für den Airfryer: Lesen Sie hier mehr über die Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel" 2026 – und was die Hersteller zur Nominierung sagen.