Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Es war einmal ein Kanu

Datum14.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Köhlbrandbrücke in Hamburg ist marode und muss ersetzt werden. Der Neubau verzögert sich, während die alte Brücke bereits für Schwerlastverkehr gesperrt ist. Dennoch überqueren wöchentlich rund 180 Laster die Brücke, die das zulässige Gewicht überschreiten. Die HPA und die Wirtschaftssenatorin setzen auf Appelle und Stichproben, eine effektive Lösung ist unklar. Der Artikel thematisiert auch die Schließung eines Wohnbauprojekts wegen Kaffeegeruchs einer Fabrik.

InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – Mit zu schweren Lastern auf der Köhlbrandbrücke, Ärger um Kaffeegeruch aus der Tchibo-Fabrik und der Theateraufführung zum Buckelwal Timmy es gibt Momente in Pressekonferenzen, die mich in unangenehmes Staunen versetzen. Weil jemand etwas ganz nebenbei erzählt, was ich mir nur schwer hätte vorstellen können. Vorige Woche war es wieder so weit. Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) und Jens Meier, Chef der Hamburg Port Authority (HPA), hatten Medienvertreter eingeladen. Zum Auftakt der Sommerferien wollten sie mit etwas mehr Ruhe über Projekte im Hafen sprechen. Auf der Agenda stand ein Dauerbrenner: die Köhlbrandbrücke. Diese Brücke ist – verzeihen Sie mir, wenn Sie das längst wissen – die wichtigste Straßenverbindung innerhalb des Hafens. Sie ist 51 Jahre alt und gehört dringend ersetzt. Vor einem Monat hat der rot-grüne Senat den Architekten-Entwurf für die neue Querung vorgestellt. Kurz: Brücke Nummer zwei sieht fast aus wie Brücke Nummer eins, bloß höher und länger. Und weil sie länger wird, müssen diverse Unternehmen im Hafen weichen. Doch wann wird sie eigentlich fertig? Die offizielle Angabe des rot-grünen Senats lautet: Ende der 2030er-Jahre wird der Neubau für Autos und Lkw freigegeben. Aber wer weiß. Die große Frage ist: Wird die alte Brücke bis dahin durchhalten? Seit Mai ist sie für den Schwerlastverkehr gesperrt: Laster, die schwerer sind als 44 Tonnen, dürfen sie nicht mehr befahren. Ob dieses Verbot ausreicht, ist unklar, das hat mein Kollege Frank Drieschner kürzlich recherchiert (Z+). Nun kommt der Moment, der mich aufhorchen ließ: Um die Belastungen einzuschätzen, sei eine Waage in die Brücke eingebaut, erzählte HPA-Chef Meier. Und diese Waage zeigt, dass manche Spediteure die neue Vorschrift missachten, ihre Laster sind weit schwerer als erlaubt. "Pro Woche haben wir ungefähr 180 Überschreitungen der zulässigen Belastung", sagte Meier. Ob das sanktioniert werde, fragte ein Reporter. Meier dachte nach und sagte, die HPA sei dafür nicht zuständig. Man könne da nur "monitoren" und "an Spediteure appellieren". Die Frage wurde weitergereicht an Hafensenatorin Leonhard. Doch, doch, es gebe Stichproben, beteuerte die SPD-Frau. Punktuell. Ich grübele seither: Die alte Brücke ist marode. Sie muss noch 14 Jahre oder mehr halten, jeder zu schwere Transporter schadet ihr. Jede Woche fahren trotzdem 180 zu schwere Laster darüber. Das muss man doch besser lösen können. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Im vergangenen Jahr haben die Hamburger Behörden weniger Kinder und Jugendliche in Obhut genommen: Die Zahl sank um neun Prozent auf 2.014 Minderjährige, teilte das Statistikamt Nord mit. Die Hauptursache für den Rückgang war, dass weniger unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus dem Ausland ankamen. Durch die Temperaturschwankungen der vergangenen Tage sind im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg faustgroße Fassadenstücke aus einer Hauswand gebrochen, meldet der NDR. Das habe ein Sachverständiger des Technischen Hilfswerks festgestellt. Die Trümmer landeten am Sonntagabend auf der Veringstraße. Das Haus wurde vorübergehend geräumt. Hamburg lässt unbenutzte Schrottkanus und andere Wassersportgeräte aus Teichen und Kanälen entfernen, weil sie Umwelt und Gewässer belasten. Nach Angaben der Stadt holt das Entsorgungsunternehmen ReBoat derzeit die teils zugewachsenen Boote ab, nummeriert sie und lagert sie ein. Eine Abholung ist gegen Gebühr möglich. Meldet sich kein Besitzer, werden die Boote zerlegt und entsorgt. Seit gestern hält der Nachtzug zwischen Paris und Berlin auch in Hamburg-Harburg. Der Zug ist laut dem Betreiber European Sleeper dreimal pro Woche zwischen den Metropolen unterwegs. Der Zug von Paris nach Berlin fährt dienstags, donnerstags und sonntags. In die andere Richtung fährt er montags, mittwochs und freitags. Der Hamburger SV muss eine sechsstellige Geldstrafe zahlen, weil Fans im Bundesligaspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim massiv Pyrotechnik gezündet hatten. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes verurteilte den HSV zur Zahlung von 119.000 Euro, wie der DFB mitteilte. Seit gut drei Jahren sollten die etwa 820 neuen Wohnungen in den Osterbrookhöfen in Hamm fertig sein. Doch bisher wurde nicht einmal mit dem Bau begonnen. Der Grund: neue Vorgaben der "Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft". Danach wird der Kaffeegeruch aus der benachbarten Tchibo-Fabrik als "erhebliche Belästigung" bewertet. Obwohl sich viele Anwohner laut einer Recherche der ZEIT (Z+) daran gar nicht stören. Eigentlich hatten sich die Stadt Hamburg und Tchibo schon auf eine neue Ionisierungsanlage geeinigt, die die unerlaubten Gerüche aus der Abluft filtert. Die Stadt habe den Einbau bezahlt, Tchibo den Betrieb der Anlage. "Eine Einigung war in Sicht", heißt es aus der Pressestelle von Tchibo. Doch Ende 2025 schickte die Umweltbehörde eine neue Anordnung an den Konzern: Der Kaffeeröster möge bitte die Schornsteine um drei bis fünf Meter erhöhen. Dagegen hat Tchibo geklagt. Das Argument: Höhere Schornsteine brächten nichts gegen den Kaffeegeruch. Die Pressestelle der Umweltbehörde erklärt dazu wiederum, es gehe gar nicht um die Geruchsbelastung, sondern um den Schutz der (auch potenziellen) Anwohner "vor gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen der Abgase". Tchibo besteht nun darauf, dass das Unternehmen eine gültige Genehmigung für die Produktion habe. Und so muss ein Gericht klären, ob die nachträglich verfügte Anordnung der Behörde rechtens ist. Von Christoph Twickel Ein Theaterspektakel widmete sich der Aufregung um den gestrandeten Wal. Im Publikum saß der Reporter Tom Kroll, der für uns von der Insel Poel berichtete. Was sagt er dazu? Lesen Sie hier einen Auszug. "Ich habe ein bisschen Angst", gesteht die Frau, die am Samstagabend im Ernst Deutsch Theater neben mir sitzt. Heute steht eine besondere Performance auf dem Programm: Timmy – die Hope stirbt zuletzt. Es soll um den Buckelwal gehen, der in diesem Jahr mehrmals vor der deutschen Ostseeküste strandete und von einer privaten Initiative aufwendig gerettet wurde. So viel ist im Vorfeld der Aufführung bekannt. Der Abend ist ausverkauft, was keinesfalls selbstverständlich ist in Deutschlands größtem privaten Sprechtheater (Z+). Es bedeutet, dass rund 750 Menschen Eintritt bezahlt haben, um dieses Stück zu sehen. Ich bin kein Theaterkritiker, aber ich wurde von der Redaktion der ZEIT zu dieser Aufführung geschickt, weil ich einen großen Teil des ganz realen Wal-Dramas um Timmy, beziehungsweise Hope, als Reporter begleitet und darüber berichtet habe. Anders als wohl die meisten hier ist meine Sitznachbarin in Reihe sechs, Platz 19, nicht gekommen, um sich über den Buckelwal zu amüsieren. Sie sagt, sie habe "mitgelitten", als der Wal an der Ostseeküste zu verenden drohte. Ich frage sie, ob ihr bewusst sei, dass der Wal und seine Retterinnen und Retter gleich auf der Theaterbühne verballhornt werden? "Ja", sagt sie und fährt sich hektisch ins Gesicht: "Vielleicht muss ich nach zehn Minuten raus." Dann ziehen Nebelschwaden über die Bühne. Es riecht nach Weihrauch. Durch den Dunst wird ein Kreuz sichtbar. Orgeltöne erklingen. Dann schreitet ein Priester samt Messdienern über die Bühne, in ihrer Mitte eine Bahre, darauf der Wal. Der Wal sei ein "Gefäß", predigt der Priester, für unsere "Hoffnungen", unsere "Scham" und unsere "Sünden". Die Kritik, die das Stück transportierte, trifft die falschen, findet unser Autor. Wie er das begründet, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Bei 56 Grad im Kindersitz Beim Forgotten Baby Syndrome vergessen Eltern ihr Kind im Auto – gerade bei Hitze hochgefährlich. Schuld ist eine Hirnfunktion. Warnsysteme können Tragödien verhindern. ZEIT-Redakteurin Anne-Sophie Lang hat aufgeschrieben, wie die aussehen können. → Zum Artikel (Z+) "Ferienspaß für Zeitdetektive" bietet das archäologische Museum in den Sommerferien für Kinder von 8 bis 11 Jahren an. Am 15.07. geht es zu den Eiszeitkünstlern, am 22.07. zu den Steinzeitjägern, am 29.07. zu den ersten Ackerbauern, am 05.08. wird bei den Bronzeschmieden haltgemacht, am 12.08. werden die alten Römer besucht und am 19.08. treffen die Kinder auf die Wikinger. Die Zeitdetektive gehen auf Spurensuche durch die Ausstellung. Bei der Mitmachstation wird anschließend ein Andenken an diese Zeitreise angefertigt. Daneben gibt es in den Ferien weitere Veranstaltungen wie "Familien-Aktion" oder "Großeltern & Enkel auf Zeitreise". Ferienprogramm im Archäologischen Museum Hamburg, diverse Termine, 11–13 Uhr; Harburger Rathausplatz 5; Anmeldung unter 040-42871 2497 Die Tante meiner Frau ging an einer Baustelle vorbei, auf der drei Arbeiter von oben einem Arbeiter zusahen, der tief in einem Loch buddelte. Sie scherzte: "Nicht dass Sie den da drin vergessen." Die drei Arbeiter am Grubenrand schauten nachdenklich nach unten, bis einer befand: "Na ja, eigentlich ist er ja über." Aufgeschrieben von Detlef Kjer-du Vinage Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.