Datum14.07.2026 05:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer französische Nationalfeiertag widmet sich der Unterstützung der Ukraine durch die "Koalition der Willigen". Trotz Herausforderungen und geschwächter Bündnispartner bleibt Macrons Engagement für internationale Allianzen ein Vermächtnis. Gleichzeitig erinnert die Flut im Ahrtal an die Klimawandel-Folgen. Deutschland reagiert auf russische Cyberangriffe, während die innenpolitische Lage in Russland auf ein Stimmungstief hindeutet. Ein Fußball-Statement gegen Rassismus unterstreicht die Themen des Tages.
InhaltDer französische Nationalfeiertag soll die Ukraine stärken. Das Gedenken an die Flut im Ahrtal ist eine Warnung vor der Zukunft. Und: Rassismus vor dem Spiel Frankreich gegen Spanien. Das ist die Lage am Dienstagmorgen. Heute geht es um den französischen Nationalfeiertag, der nicht nur die Stärke des eigenen Landes demonstrieren soll. Um die Flut im Ahrtal als Menetekel. Und um den ewigen Rassismus rund um die WM. Dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron bleiben nur noch ein paar Monate im Amt. Die wesentlichen Ziele seiner Präsidentschaft, die Franzosen zu einen und den Siegeszug der Rechtspopulisten aufzuhalten, hat er nicht erreicht. Die Bilanz seiner Amtszeit fällt somit durchwachsen aus. Und doch hat er sich von Anfang an für internationale Bündnisse starkgemacht und damit zumindest ideell etwas erreicht. Das wird von ihm bleiben, ohne Zweifel. Auch jetzt wieder: Was für eine gute Idee Macrons, den heutigen Nationalfeiertag der Franzosen, Quatorze Juillet, der eigentlich an die Revolution von 1789 erinnern soll, einer aktuellen Herausforderung zu widmen. Gestern kam in Paris die sogenannte Koalition der Willigen zusammen, es sind die Unterstützerländer der Ukraine unter der Führung Frankreichs und Großbritanniens. Sie verhandelten über das dringliche Thema Raketenabwehr, über gemeinsame Manöver und über Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Die Parade zum Feiertag wird heute Vormittag symbolisch von 500 Soldaten der Koalition der Willigen eröffnet. Natürlich sind Zweifel angebracht, wie gut es um diese Koalition bestellt ist. Der britische Premier Keir Starmer, der die Koalition gemeinsam mit Macron geschmiedet hat, ist bereits zurückgetreten und nur noch geschäftsführend im Amt. Und in Polen, einem wichtigen Unterstützerland der Ukraine, bröckelt der Beistand. In Frankreich könnte die Rechtspopulistin Marine Le Pen im kommenden Jahr auf Macron folgen (mehr dazu hier ). Auch wenn sie ihre jahrelange Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin heutzutage herunterspielt – eine Ukraineunterstützerin wird Le Pen nicht mehr werden. Aber deswegen schmiedet man ja Bündnisse: Wenn die einen Teile schwächeln, müssen das die stärkeren Teile ausgleichen. Macron hat einen gewissen Friedrich Merz heute zur Parade auf die Ehrentribüne eingeladen. Der Regen hörte nicht mehr auf, am 14. Juli 2021 im Ahrtal. An diesem und am darauffolgenden Tag fiel so viel Wasser innerhalb von nur 48 Stunden auf den Boden wie sonst in mehreren Monaten. Es waren mancherorts bis zu 200 Liter pro Quadratmeter. Die Fluten rissen Brücken, Autos, Häuserteile und Menschen mit – 135 starben (mehr hier). "Jahrhunderthochwasser", diesen Namen haben wir heute der Katastrophe im Ahrtal gegeben, und auch wenn der Name dem Ausmaß des Ereignisses gerecht werden soll, so ist er doch irreführend. Wie sich die Dinge entwickeln, werden wir ähnliche Zerstörungen in Zukunft häufiger erleben – und nicht nur einmal im Jahrhundert. Denn der menschengemachte Klimawandel begünstigt Extremwetter wie das Hochwasser im Ahrtal. Und so wäre es nötig, dass die Politiker, die heute ins Ahrtal reisen, um an den fünften Jahrestag der Katastrophe zu erinnern, nicht nur zurückblicken. Sie sollten auch den Mut aufbringen und benennen, was es für unsere Zukunft bedeuten wird, wenn wir alle uns nicht entschiedener gegen den Klimawandel stemmen. Im Ahrtal werden heute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) aus Rheinland-Pfalz erwartet, am Abend dann auch Friedrich Merz. Beim Kanzler allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass er im Klimaschutz eigentlich immer noch eine links-grüne Spinnerei sieht. Mit Eifer fährt seine Regierung Klimaschutzmaßnahmen der Vorgängerregierung zurück. Unsere Autorin Lena Frings stammt aus dem Ahrtal und ist nun für eine Reportage in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie beschreibt, wie fundamental die Katastrophe Landschaft und Menschen verändert hat. Auch dieser Text ist ein Blick zurück nach vorn und kann nur als Warnung gelesen werden. Deutschland und weitere EU-Länder machen Russland für Cyberangriffe auf staatliche Stellen verantwortlich. In Berlin wurde deswegen der russische Botschafter einbestellt (mehr zu dem Fall hier). Heute will der deutsche Außenminister Johann Wadephul nach Norwegen reisen, um mit seinem dortigen Kollegen Espen Barth Eide in der Stadt Bodø das Hauptquartier der norwegischen Streitkräfte zu besuchen. Ein wichtiges Thema der beiden wird auch hier wieder die hybride Bedrohung durch Russland sein. Es gibt sie, die Putin-Fans, aber insgesamt steht es nicht gut um das Ansehen der russischen Regierung in weiten Teilen der Welt. Aber wie sieht es in Russland selber aus? Wie schauen die Menschen auf das eigene Land und die Regierung? Die in Berlin lebende russische Politikwissenschaftlerin Ekaterina Schulmann analysiert im SPIEGEL-Interview die Umfragewerte für Putins Regierungspartei vor der Dumawahl im September und spricht von einem Stimmungstief. An den Wahlergebnissen werde sich das aber nicht zeigen, sagt sie. Natürlich nicht. Dafür ist in einer Autokratie gesorgt. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist der frühere spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. Vor dem WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich behauptete er, im Team der Franzosen befänden sich gar keine Franzosen. Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sánchez hielt dagegen. Er schrieb, dass manche Leute Zugehörigkeit noch immer über Nachnamen, Geburtsort oder Hautfarbe definierten. Andere aber, so Sánchez, definierten Zugehörigkeit über ihre Verbundenheit mit einem Land und ihre Bereitschaft, sich dafür einzusetzen. Das spanische Team wird heute in Dallas auf das französische Team treffen. Wie auch immer es ausgeht: Es wird ein Sieg oder eine Niederlage Frankreichs sein. Was denn sonst? In einem Rennen über 400 Kilometer hat Rachel Entrekin alle besiegt. Und dabei fast nicht geschlafen. Hier erklärt sie die 20-Minuten-Methode, mit der sie Schmerzen aushält. Und warum sie ausgelatschte Schuhe wählte . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion