Datum14.07.2026 01:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRFrankreichs Präsident Macron kündigte kurzfristig gemeinsame Manöver einer "Koalition der Willigen" an, um die Entschlossenheit zur Unterstützung der Ukraine zu demonstrieren. Bis zu einem Waffenstillstand soll eine multinationale Schutztruppe einsatzbereit sein. Genaue Details zu den Manövern und der Truppe sind noch unklar. Deutschland lässt seine Beteiligung offen. Zusätzlich wurde eine neue, rein defensive Koalition zur Raketenabwehr gegründet, um die Ukraine zu stärken und industrielle Zusammenarbeit zu fördern.
InhaltBei einem Waffenstillstand wollen die Unterstützer der Ukraine eine multinationale Schutztruppe stellen. Bis es so weit ist, möchte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Einheiten bereits zu Manövern versammeln. Frankreichs Präsident hat überraschend schon für die nächsten Monate gemeinsame Manöver der "Koalition der Willigen" der Ukraine-Verbündeten in den Nachbarländern des von Russland angegriffenen Landes angekündigt. Die Übungen sollten unter anderem zeigen, "dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind – zu Land, in der Luft und zur See", sagte Emmanuel Macron nach Beratungen der Koalition in Paris, an denen unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnahmen. Wer konkret an diesen Manövern beteiligt sein soll und wann und wo genau sie organisiert werden sollen, ließ Macron aber offen. Die Koalition verfüge nun über eine multinationale Truppe für die Ukraine, die einsatzbereit sei, so der französische Präsident. Dabei präzisierte er aber nicht, welche Länder der multinationalen Truppe im Einzelnen angehören werden – dazu hatte es bislang keine Einigung und öffentliche Ankündigung der Koalition der Willigen gegeben. Mehrere europäische Staaten hatten sich im Dezember bei einem Ukrainegipfel in Berlin auf die Bildung einer von Europa geführten und von den USA unterstützten "multinationalen Truppe für die Ukraine" zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands und zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte verständigt – mehr dazu hier . Von gemeinsamen Manövern vor einem Waffenstillstand war damals noch nicht die Rede. Die Bemühungen um ein Ende des Krieges sind seit Monaten festgefahren. Wie Macron sagte, sollen bei den Manövern Einsatzpläne getestet werden. Laut der Abschlusserklärung des Pariser Gipfels soll die Truppe dabei ihre Fähigkeiten für einen Einsatz nach Beendigung der Feindseligkeiten demonstrieren. Sie soll demnach in Friedenszeiten ukrainische Streitkräfte unterstützen, etwa bei der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete. Merz lässt deutsche Beteiligung offen Merz erwähnte die multinationale Truppe und die Manöver in seinem Statement nicht. Er sprach lediglich davon, dass die Koalition der Willigen bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine "wichtige Rolle" zu spielen in enger Zusammenarbeit mit den USA. Über die Ausgestaltung würden die Ukraine und ihre Verbündeten entscheiden, nicht Moskau. "Über Art und Umfang des deutschen Beitrags wird die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag ebenfalls entscheiden", betonte der Kanzler. Merz hatte den deutschen Beitrag für eine multinationale Truppe schon im Dezember nach dem Ukrainegipfel in Berlin offengelassen. Macron bekräftigte zudem die Lieferung weiterer Waffensysteme an die Ukraine. "Die Unterstützung der Ukraine ist eine Investition in unsere eigene Sicherheit. Und diejenigen, die glauben, dass dieser Krieg an den ukrainischen Grenzen haltmachen wird, wenn wir nachgeben oder Mittel suchen, um dem Aggressor entgegenzukommen, irren sich", betonte Frankreichs Staatschef. In der Koalition der Willigen haben sich mehr als 35 Länder zusammengeschlossen. Anfang des Jahres verständigten sie sich in einer Pariser Erklärung darauf, der Ukraine rechtlich verbindlich zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. Angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Ukraine schlossen sich Deutschland, Frankreich und sieben weitere Länder bei dem Treffen in Paris mit der Ukraine in einer neuen rein defensiven Koalition zur Raketenabwehr zusammen. "Mit der Gründung der Raketenabwehr-Koalition stärken wir die Fähigkeiten, die Europa benötigt", sagte Macron. Beteiligt sind außerdem Dänemark, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden sowie Großbritannien. Ziel des neuen Bündnisses ist eine industrielle Zusammenarbeit, um bestehende Raketenabwehrsysteme zu ergänzen. Der ukrainische Präsident Selenskyj warb auf dem Pariser Treffen für die Schaffung eines neuen europäischen Flugabwehrsystems innerhalb von zwölf Monaten. Die Ukraine arbeitet an einem eigenen System namens Freyja, das eine kostengünstige und leistungsfähige Alternative zum US-amerikanischen Patriot-System darstellen soll. Hoffen auf die Wunderwaffe: Mit Pomp zelebrieren die Unterstützer der Ukraine in Paris ihren Kampf gegen Putin. Ihre Hoffnungen ruhen auf einer gemeinsam entwickelten Raketenabwehr. Doch hinter den Kulissen bröckelt der Beistand .