Paris: Verdacht auf Brandstiftung bei Waldbrand

Datum13.07.2026 16:04

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Großbrand wütet im Wald von Fontainebleau bei Paris, 800 Hektar sind bereits zerstört. Die Brandherde liegen verdächtig nah beieinander, Brandstiftung wird nicht ausgeschlossen. Mehrere Autobahnen sind gesperrt, Züge verspäten sich. Löschflugzeuge wurden verlegt, 500 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Frankreich erlebt die dritte Hitzewelle des Jahres mit extremer Dürre, was Waldbrände begünstigt. Dieses Jahr brannten bereits 32.000 Hektar.

InhaltAutobahnen sind gesperrt, Züge verspäten sich um Stunden: Nahe Paris brennt der Forst von Fontainebleau. Löschflugzeuge aus dem Süden werden in Richtung Hauptstadt verlegt. Die Brandherde liegen verdächtig nah beieinander. Ein Fünftel des Waldes von Fontainebleau, etwa 50 Kilometer südlich von Paris, ist mittlerweile abgebrannt. Der Forst gilt als grüne Lunge der französischen Hauptstadt. Nun fehlen ihr 800 Hektar. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez schließt Brandstiftung als Ursache der verheerenden Feuer inzwischen nicht mehr aus. "Es gibt etwa zehn Brandherde in einem Umkreis von 1000 Metern", sagte er in dem betroffenen Ort Noisy-sur-École. Das Feuer könne voraussichtlich noch am Montag unter Kontrolle gebracht werden. Es brauche aber noch Tage, wenn nicht Wochen, um es komplett zu löschen. Erstmals wurden zwei Löschflugzeuge vom Typ Canadair vom Süden in den Großraum Paris entsandt. Sie schöpfen ihr Löschwasser im Niedrigflug aus der Seine. Bislang wurde durch den Brand niemand verletzt. Rund 200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Wegen Kabelschäden im Zusammenhang mit dem Feuer kam es am ersten Ferienwochenende in Frankreich zu Zugausfällen und -verspätungen von bis zu sechs Stunden. Die Autobahn A6, auf der zahlreiche Urlauber in den Süden fahren, wurde wegen des dichten Rauchs zeitweise gesperrt. Es wurden bis zu 500 Feuerwehrleute erwartet, um den Brand zu bekämpfen. Bereits am Sonntag hatten zwei Flugzeuge vom Typ Dash brandverzögernde Mittel versprüht. Landwirte aus der Region unterstützten die Feuerwehr, indem sie mit Traktoren Wassertanks in die betroffenen Gebiete brachten. Auch Löschhubschrauber waren im Einsatz. Die Rauchwolken waren etwa 20 Kilometer weit zu sehen. "Ohne die Löschflugzeuge hätten die Orte Noisy-sur-École und Vaudoué komplett evakuiert werden müssen", sagte Einsatzleiter Olivier Compta. "So etwas hat es hier noch nie gegeben", sagte Didier Buguinet, Vizebürgermeister von Vaudoué. Frankreich erlebt derzeit die dritte Hitzewelle seit Beginn des Jahres. In 42 der 101 Départements gilt die höchste Dürre-Warnstufe. Am Montag galt weiterhin in 37 von 101 Départements die höchste Hitzewarnstufe Rot. Dies betrifft etwa 26 Millionen Menschen. Wegen der Hitze im Land wurden auch drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt, damit ihr aufgewärmtes Kühlwasser die Flüsse nicht noch weiter aufheizt. Die Pariser Feierlichkeiten am Vorabend des Nationalfeiertags wurden wegen der Temperaturen nach hinten verschoben. Insgesamt brannten in Frankreich seit Jahresbeginn bei Wald- und Flächenbränden bereits 32.000 Hektar ab, etwa doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Behörden nahmen bislang landesweit 32 Menschen in Gewahrsam, die im Verdacht stehen, die Feuer bewusst gelegt oder sie durch fahrlässiges Verhalten entfacht zu haben. Der Mitte-rechts-Präsidentschaftskandidat Édouard Philippe kündigte an, dass er die einheimische Produktion von Löschflugzeugen fördern wolle. "Wir sind noch immer auf ausgediente Canadair-Maschinen angewiesen, die schwer zu warten und zu ersetzen sind", sagte er. Frankreich hatte im Juni erst zwei zusätzliche Maschinen bestellt, die aber erst zwischen 2032 und 2033 geliefert werden sollen.